Abenteuer Inca Trail

Seit dem ich das erste mal vom 44 km langen Inka Trail auf den Machu Picchu in Peru gehört und Bilder gesehen hatte, bekam ich ihn nicht mehr aus dem Kopf.. .”Das will ich auch machen!” Zweieinhalb Jahre später war es dann für mich endlich soweit, der Traum wurde endlich wahr!

Da es täglich nur 300 Genehmigungen für den Inka Trail gibt, buchte ich eine Tour mit G Adventures, die 8-tägige Tour “Inka Discovery” von Lima bis Cuzco . Die Anreise war individuell und ich entschloss mich, einen Tag früher anzureisen, um Lima erkunden zu können. Das 3 Sterne Hotel “La Castellana” befand sich mitten im Stadtteil Miraflores unweit von viele Geschäften, Einkauftszentren und unter anderem auch einem Supermarkt. Auch zum Meer war es nicht weit – nur ca. 15 Minuten zu Fuss.
Um ins Zentrum von  Lima zu kommen, zum “Plaza Mayor”, dem Hauptplatz, bestellte ich im Hotel ein Taxi und fuhr für ca. CHF 7  in das Zentrum mit den vielen schönen kolonialen Gebäuden. Es fand gerade eine grosse Parade statt, bei der jede Menge Peruaner ganz bunt verkleidet durch die Strassen liefen – wunderschön anzusehen. Nachdem ich die Strassen, die San Francisco Kirche und die kleinen Parks erkundet hatte, ging es wieder zurück ins Hotels. Ein Taxi zu finden ist kinderleicht, überall fahren diese herum. Wenn sie frei sind hupen sie immer wieder, dann muss man es einfach anhalten, sagen wohin man möchte (unbedingt auf Spanisch, fast kein Fahrer sprach Englisch!) und nach dem Preis fragen, damit es hinterher keine bösen Überraschungen gibt.

Am Abend fand ein Treffen mit den anderen Teilnehmern statt und am nächsten Morgen um 08:30 Uhr ging es zum Flughafen und wir flogen von Lima nach Cuzco auf fast 3500m Höhe.
In Cuzco erwartete uns der lokale Guide, Fernando, der uns alle in das 3 Sterne Hotel Cuzco Plaza II brachte, wo wir alle zusammen einen Stadtrundgang machten. In ca. 2 Stunden führte Fernando uns über den Hauptplatz durch kleine Gassen und den lokalen Markt. Dann hatten wir noch etwas Freizeit bis es um 17:00 Uhr das Meeting für den Inca Trail gab. Dort lernten wir dann auch weitere Teilnehmer unserer Gruppe kennen, aus Kanada und England. Uns wurden viele Tipps für den bevorstehenden Trek gegeben (Reisepass (!), Sonneschutz Faktor 50!, Insektenspray, Taschenlampe, 1.5 Liter Wasser pro Person…) und wer wollte, konnte einen Schlafsack, eine Luftmatratze und /oder einen oder zwei Wanderstöcke mieten. Wir durften 6 kg in einen Seesack packen, der von Portern für uns getragen wurde und man selber konnte so viel mitnehmen wie mal wollte.

Am nächsten Morgen ging es dann mit Sack und Pack los Richtung Ollantaytambo, in der Nähe dieses Dorfes ist der Kilometer 82 des Inca Trails. Auf dem Weg dortin besuchten wir zuerst ein Projekt von Planeterra, das Women Waving Projekt. Dort waren jede Menge Frauen dabei, wunderschöne bunte Kleidung und andere Sachen aus Schaf-, Lama- und Alpacawolle zu weben und zu färben. Planeterra hat ihnen ein paar dieser Tiere geschenkt, von denen sie die Wolle nehmen, um Ihre Waren herzustellen. Wir haben auch erfahren, wie die Farben hergestellt werden (aus  Pflanzen, Käfern usw.) und am Ende der kleinen Tour hatten wir noch Zeit uns ein Souvenir zu kaufen, zum Beispiel einen warmen Alpaca-Pullover für die kalten Nächte die vor uns lagen… Danach ging es weiter mit dem Bus Richtung Ollantaytambo, wo wir noch einen Stopp an einem schönen Aussichtspunkt machten, von dem aus man einen guten Blick in das Heilige Tal hatte – und wir besuchten eine Inka Ruine.

Die erste Etappe
Am nächsten Morgen war es dann soweit. Es kamen noch zwei Amerikaner zu unserer Gruppe dazu, so dass wir nun insgesamt 10 Wandervögel waren. Und zwei Guides. Ausser Fernando kam noch Enrique hinzu, um uns sicher zu unserem Ziel zu bringen.
Wir fuhren 45 Minuten lang über mehr oder weniger befestigte Strasse zum Kilometer 82 des Inca Trails. Dort strich ich mich nochmals brav mit Sonnencreme ein und nahm meine Luftmatratze und meinen Wanderstock entgegen (hilft wirklich sehr, wenn man die Treppenstufen heruntergehen muss, da einige sehr hoch und/oder sehr klein sind!). Dann ging es los zum Anfang des Trails. Wir sahen nun auch zum ersten mal die Träger („Porter“), die unsere Sachen trugen. 20 bis 25 Kilo pro Person. Ausser unseren Sachen trugen sie auch noch die Zelte, das Essen usw.  Und sie sind sooo schnell gelaufen. In Sandalen. Ich bewundere diese Menschen sehr, sie haben grossen Respekt und Beachtung verdient!
Die ersten Kilometer sind eher flach und sehr einfach zu bewältigen. Wir wussten aber schon, das der erste Tag im Vergleich zum nächsten ein Zuckerschlecken sein werde… Es war recht warm und sonnig und wir liefen am Urubamba Fluss entlang. Am Mittag machten wir in einem kleinen, von den Trägern extra augebauten Camp halt. Es gab für alle Suppe, einen Hauptgang und ein -Dessert. Nach dieser Stärkung machten wir uns wieder auf den Weg. Das Ziel war das nächtliche Camp.  Die Träger waren sehr schnell das Mittagscamp abzubauen und liefen kurze Zeit später wieder an uns vorbei um bei unserem Eintreffen im nächtlichen Camp alles parat gemacht zu haben. Unglaublich!!!
Um ca. 16:45 Uhr kamen wir dann im Camp an. Unsere Zelte standen bereits alle dort. Nach dem Abendessen war dann auch schon bald Schlafenszeit!
Um 05:30 Uhr klingelte dann der Wecker. Ich war aber sowieso schon dank des Hahnes wach, der fröhlich vor sich hinkrähte und uns scheinbar endlich los werden wollte… ;-) Wir wurden mit einem heissen Coka-Tee und warmen Wasser zum Waschen geweckt, mussten dann in ca. 30 Minuten alles zusammenpacken und dann gabs Porridge zum Frühstück was vor allem unsere beiden Engländerinnen sehr freute! :-)

Und dann ging es los. Bergauf. Ich muss zugeben, dass ich nicht der grösste Fan von bergauf laufen bin, vor allem nicht so früh morgens und auch noch so weit (5 Stunden!) und das auf 3100  bis 4200 Meter… Aber hey, das gehörte dazu und mit einigen kurzen Pausen um nach Luft zu schnappen (ich hätte nie gedacht dass ich es merken würden, dass die Luft weiter oben so anders ist!) schaffte es jeder auf den Dead Woman’s Pass, den höchten Punkt des Trails (4200m). Was für ein Gefühl da oben zu stehen und zu wissen, man hatte den höchsten Punkt erreicht – nach gefühlten eine Millarde Stufen… (ich habe wirklich keine Ahnung wie viele es waren, aber es waren seeehr viele. Mal grössere, mal kleinere, mal grössere, sehr hohe, eher kleine…) Nach einem ausgiebigen Fotostopp und einer Verschnaufpause hiess es dann bergab laufen. Da kam dann mein Wanderstock als suuuper toller Helfer zum Einsatz, er erleichtete den Druck auf die Knie enorm! Nach ca. 2-3 Stunden bergablaufen (wieder alles Stufen) erreichten wir unser Camp, wo schon das Mittagessen auf uns wartete. Wieder eine heisse Suppe und danach dann Spagetti, Hühnchen und Gemüse. Für mich gabs etwas vegetarisches dazu, keine Ahnung was es war, aber es war sehr fein! Das vegetarische essen war übrigens absolut kein Problem auf der Tour. Und als Dessert gab es heute Apfelkuchen – frisch gebacken und noch warm – yummy! Bis 17:00 Uhr hatten wir dann Freizeit die meistens von uns spielten bis zum Abendessen Karten. Auch unsere Guides spielten mit und mir hatten jede Menge Spass!

Der zweite Tag
Um 05:30 Uhr wurden wir wieder von den Trägern mit einer heissen Tasse Cokatee sowie warmen Wasser geweckt. Mir fiel es immer noch nicht wirklich schwer um diese Zeit aufzustehen, es lag wohl am Jetlag. Die Schweiz ist nämlich 7 Stunden vorraus. Mein Zeitgefühl hatte ich sowieso komplett verloren. Und schlafen hätte ich (fast) immer können, das lag wohl an all der frischen Luft (ein grosser Gegensatz zum Büroalltag) und an der Höhe… Die ersten 1.5 Stunden hiess es wieder Treffenstufen hochlaufen. Step by step. Immer höher hinaus. Heute mussten wir nämlich den 2. Pass erreichen. Der war aber nicht ganz so hoch wie der Dead Woman’s Pass. Nachdem wir noch eine Inca Ruine besichtig hatten, erreichten wir dann den Pass und liefen bergab zum Mittagscamp. Dort wurden wir wieder mit heisser Suppe, Hühnchen und Gemüse empfangen und als Dessert gab es einen frisch gebackenen Kuchen, da der Koch Geburtstag hatte! Mit der Aufschrift „Well done Champions“. Mega lieb! Nach dieser tollen Stärkung ging es dann drei Stunden lang bergab (wieder Stufen) zum Nachtcamp wo wir  um ca. 16:00 Uhr ankamen.
Die Landschaft entlang des Inca Trails ist übrigens überwältigend! So viele Pflanzen, die ich noch nie zuvor gesehen habe, bei gutem Wetter kann man sehr weit sehen, oft flogen Schmetterlinge und “Humming Birds” über unseren Weg… Natürlich sahen wir auch Schafe und Alpacas… Auch wenn meine Lunge manchmal kurz davor war zu streiken, so genoss ich die kurzen Pausen nicht zur zum tief durchatmen sondern auch dazu, um die wunderschöne Natur zu geniessen und jede Menge Erinnerungsfotos zu knipsen.
Bisher waren uns nicht all zu viele Leute über den Weg gelaufen, die Camps waren zwar immer in der Nähe, aber man hatte keinesfalls das Gefühl, dass sich 300 Menschen am selben Fleck befanden… Alles verteilte sich recht gut.


Auf zum Machu Picchu
Am nächsten Morgen hiess es bereits um 03:30 Uhr bereits aufstehen. Es war noch stockdunkel und wir mussten schnell alles zusammen packen und sobald wir fertig waren und im Zelt beim Frühstück (diesmal hatte es die Bezeichnung “früh” wirklich verdient, es war 04:00 Uhr!!!) sassen, bauten die Träger unsere Zelte ab, da sie schon sehr bald aufbrachen mussten, um ihren Zug zu erreichen, der sie wieder zurück zu ihren Familien brachte, wo sie dann zwei Tage Pause einlegen konnten, bevor es wieder los ging auf den Inca Trail.
Und wir brachen zu unserem endgültigem Ziel auf, dem Machu Picchu. Nach ca. 5  Minuten Laufen im Dunkeln kamen wir an die Stelle, an der wir unsere Ticket vorweisen mussten. Die hatten unsere lieben Guides gut verwahrt. Wir warteten mit allen anderen Gruppen für ca. 1-1.5 Stunden darauf, dass die Kontrollstelle öffnete. Als es soweit war ging es dann ganz gesittet durch die Kontrolle und mitlerweile war es schon heller geworden, so dass wir ohne Taschenlampen die letzten Kilometer zurücklegen konnten. Und auf ging es zum Sungate. Heute war es recht neblig, so das man leider nicht so weit sehen konnte. Nach vielem auf und ab und einer extrem steilen Treppe die ich eher als Wand bezeichnen würden kamen wir beim Sungate an. Vor allem im Dezember kann man dort den Sonnenaufgang gut beobachten. Da wir aber im Mai dort waren, war dieser schon vorbei und wegen dem Nebel wäre er sowieso nicht so gut sichtbar gewesen. Vom Sungate aus kann man auch die Berge und den Machu Picchu sehen – wir haben uns ihn einfach vorgestellt. Es gab ein paar Aufhellungen die uns einen Teil der Berge zeigten, bevor unsere Füsse uns weiter Richtung Ziel trugen. Wir liefen und liefen… der Weg war eher flach, ab und zu ging es hoch oder runter – und dann waren wir da. Vor uns lag in voller Pracht das Ziel unserer Reise.

Zuerst hatten wir eine ca. 1.5-stündige Führung und dann noch Zeit alleine die riesige Inka-Ruine zu erkunden. Die Sonne hatte sich durch den Nebel gekämpft und wir hatten eine wunderschöne Aussicht. Ich konnte meinen Finger nicht mehr vom Auslöser der Kamera nehmen. *klick klick klick* Es war wunderschön!
Um 12:30 Uhr fuhr unser Bus nach Aquas Calientes. Nach all den Suppen, dem Hühnchen, Gemüse usw. waren dann bei allen Teigwaren oder Pizza angesagt! Oh, das tat ja sooo gut! Satt, müde und glücklich ging es dann mit dem Zug in 1:40 Stunden nach Ollantaytambo, von wo aus wir den Bus in unser Hotel in Cusco nahmen, dort noch eine Nacht verbrachten und jeder dann entweder Heim flog oder zu neuen Abenteuern aufbrach…
Für einige ist dieser Trip eine Herausforderung (zum Beispiel für mich), für andere fast wie ein Spaziergang (die sehr fitten unter uns). Ich kann auch diese Reise nur and Herz legen, wenn ihr gern einmal etwas besonders erleben möchtet, neue Menschen und eine ganz andere Kultur und die Vielfalt der Natur kennenlernen möchtet.

Hat Euch Barbaras Bericht inspiriert? Möchtet ihr auch mal den Inca Trail erklimmen, hier gehts zu unseren Erlebnisreise: DE | AT | CH

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1 Kommentar

  1. Cony 25. Mai 2012 at 13:27

    Oh Barbara, was ein toller Bericht!! Und das *klick*klick* hat sich gelohnt – traumhafte Bilder und sicher für dich einzigartige Erinnerungen.
    Freut mich!
    Liebe Grüße, Cony

Kommentare

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