Nathalie entdeckt die Welt: Südamerika

Der letzte Teil meiner bisher wundervollen, erlebnisreichen Weltreise bestand aus Peru, Bolivien, einem kurzen Abstecher nach Chile, ganz viel Bus fahren in Argentinien und  nochmal Sonne tanken in Brasilien.

In Lima um Mitternacht angekommen und Stunden auf mein Gepäck gewartet, konnte ich morgens gegen 4 Uhr endlich im Point Hostel einchecken! Zu allem Überfluss hat mich dann mein sturzbetrunkener Mitbewohner (der einzige, den mein 8-Bett-Zimmer außer mir beherbergte!) den Rest der kurzen Nacht mit einem unbeschreiblichen Schnarchkonzert  wach gehalten. Dementsprechend habe ich meinen ersten Tag in Südamerika komplett verschlafen!  :-)

Die nächsten Tage habe ich, motiviert durch meine beiden neuen Lieblings-Schweizer vom Nachbarzimmer die Stadteile Lima City, Miraflores und Barranco erkundet,  das peruanische Nationalgericht Ceviche (roher Fisch in Limettensaft) probiert, Limas Stadtstrand begutachtet… und jede Menge gelacht, bevor es alleine mit dem Bus Richtung Süden weiterging. Paracas ist ein relaxtes Miniörtchen an der Küste Perus, das Bootstouren zu den Ballestas Islands anbietet. Diese Inselgruppe wird aufgrund ihrer Seelöwenkolonien und Milliarden von Vögeln  auch als “Galapagos für Arme“ bezeichnet und ist einen kurzen Abstecher mit Sicherheit wert. Mit Stefanie, die ich am Busbahnhof in Paracas kennengelernt habe, bin ich dann nach Ica bzw. Huacachina weitergereist. Huacachina ist eine goldige kleine Oase inmitten von riesigen Sanddünen in denen man Sandboarden, den wunderschönen Sonnenuntergang beobachten, oder mit Sandbuggys durch die hügelige Landschaft brettern kann.

Als nächstes fuhren wir nach Nazca, wo Stefanie sich einen Flug über die mysteriösen Wüstenlinien gönnte und wir uns zusammen den gruseligen Mumienfriedhof anschauten. Zu den Mumien sollte man sich unbedingt einen Guide mitnehmen, da man ansonsten die Skelette – teilweise noch mit echten Hautfetzen und Haaren! – nur sieht, ohne die etwas grausigen Geschichten dazu zu erfahren.

Ansonsten fand ich persönlich Nazca nicht so prickelnd. Mit dem Nachtbus haben wir uns dann auf den Weg in das hübsche Arequipa gemacht. Wir fühlten uns beide sofort pudelwohl in Perus zweitgrößter Stadt mit gigantischem Blick auf den majestätischen, mit Schnee bedeckten Misti (Vulkan). Von Arequipa aus bietet sich auf jeden Fall ein Ausflug in den Colca Canyon  an, wo man auf dem Weg auch Vicunas, Lamas und Alpakas begegnet. Apropos Alpaka, (Vegetarier bitte auf den nächsten Satz weiterhüpfen!!) auf dem Grill begegne ich diesen hübschen und sehr lecken Fellnasen auch mal ganz gerne. Besonders in Knoblauch!!

Ich wäre gerne noch länger in Arequipa geblieben, aber mein nächstes Etappenziel wartete schon auf mich. Erneut mit einem Nachtbus ging es für mich weiter nach Cusco. Wer von Cuzco dachte, es wäre bloß ein kleines Örtchen und Ausgangspunkt für Touren nach Machu Picchu, falsch gedacht!! Cuzco ist das Partymekka Perus schlechthin! Eigentlich wollte ich mich nach Arequipa und vor dem Inca Trail noch ein wenig ausruhen und akklimatisieren, aber dazu hatte ich nicht wirklich Gelegenheit. Egal ob man im Point Hostel, Loki oder Wild Rover wohnt, man trifft sich so oder so in einer der Bars oder später in den Clubs. Cusco ist leider relativ teuer, weil sehr touristisch, aber es beherbergt einen super schönen Stadtkern und bietet jede Menge Ausflugsmöglichkeiten. Wer möchte, kann sich auch in der Umgebung (vollkommen legal!) an Ayahuasca oder San Pedro versuchen. Ich habe selbst einfach aus Interesse mal einen Schamanen besucht und mich Stunden lang mit ihm unterhalten, war hochinteressant, aber zu einer Session konnte ich mit nicht durchringen. Stattdessen bin ich 4 Tage am Stück auf den Spuren der Incas gewandert, habe sowohl die Höhe, strömenden Regen, den Dead Womens Pass, als auch die Gringo Killer Steps überlebt (und das alles ohne ständig bröselige Kokablätter zu kauen) und war sehr dankbar, als wir dann zur Belohnung tatsächlich freie Sicht auf Machu Picchu hatten. Unbeschreiblich!!

Als nächstes stand der Titicacasee auf dem Programm. Von Puno aus ging´s zusammen mit Sophie (UK), die ich irgendwo unterwegs aufgegabelt hatte, zuerst auf die Uros (Floating Islands), wo uns gezeigt wurde, wie eine neue Insel entsteht und wie gelebt wird. Übers offene Wasser (um ehrlich zu sein hatte ich auf einem See nicht mit 2,5 m hohen Wellen gerechnet!) schipperten wir weiter nach Amantani, wo unsere Gastfamilie uns schon erwartete. Einen Tag lang durften wir dem traditionellen Leben des autonomen Dorfes beiwohnen und abends wurde sich dann (wahrscheinlich eher zu unserer Belustigung) im Gemeindesaal traditionell gekleidet zum Tanz getroffen. Von Puno aus sollte es für mich per Bus weitergehen nach Copacabana, da aber die Grenze zwischen Peru und Bolivien aufgrund eines Streiks gesperrt war, wussten wir bis kurz vor Abfahrt noch nicht, ob wir überhaupt fahren können. Am Ende hatten wir aber Glück und konnten die Grenze passieren. In Copacabana (Bolivien) habe ich einen Ruhetag eingelegt, mir am See einfach mal die Sonne auf die Nase scheinen lassen und mir für wahnsinnig teure 9,-€(!!) ein Einzelzimmer in einem kleinen Hotel mit Seeblick gegönnt. So ein Bisschen Luxus zwischendurch…  :-)  In Copacabana, hatte ich das Gefühl, leben hauptsächlich Argentinier und Franzosen, die einfach irgendwann mal ausgestiegen und dort hängen geblieben sind. Kann man auch gut nachvollziehen, wenn man auf putzige kleine Hippie-angehauchte Bars, bunte Souvenirläden und nette kleine Restaurants steht, in einem Örtchen, das eigentlich nur aus einer kleinen Strandpromenade am See und einer langen Straße mit einer Steigung von gefühlten 45% besteht. Ich bin nach einem Tag dann doch wieder abgehauen, weil ich in La Paz schon mit Sophie im „Wild Rover“ verabredet war.
Wer in der Woche um St. Patricks Day in La Paz ist, MUSS einfach im Wild Rover wohnen. Das komplette Hostel (für mich übrigens das beste, das ich in Lateinamerika bis jetzt gesehen habe, nur eben unter irischer Leitung, nicht unter südamerikanischer) ist für eine ganze Woche lang im grünen Ausnahmezustand! Geschlafen habe ich eigentlich kaum, obwohl die Betten sehr bequem und groß waren, die Duschen hatten zu jeder Tages- und Nachtzeit heißes Wasser und zwar nicht nur in tröpfelnder Form, es wurde ca. 5 mal am Tag geputzt, das Essen in der Bar war immer frisch zubereitet und lecker, wenn man um 12 zum Katerfrühstück erschien und über die bösen free shots möchte ich jetzt an dieser Stelle lieber nicht sprechen… Wahrscheinlich wäre ich im Wild Rover auf ewig geblieben und hätte hinter der Bar angeheuert, wenn ich nicht solche Probleme mit der Höhenlage der Stadt gehabt hätte. Als ich mit Sophie zum Hexenmarkt auf die andere Seite der City gelaufen bin, habe ich mich gefühlt wie eine 90jährige mit Herzproblemen. Ist leider nicht außer Acht zu lassen und auch nicht zu unterschätzen!


La Paz ist eigentlich ein Moloch. Als ich bei meiner Anreise mit dem Bus die Stadtgrenze erreicht habe, standen wir im Stau, weil ein verunfallter brennender Reisebus auf der Straße lag. Auf der Rückseite des Busses war ein riesiges Jesus-Abbild zu sehen und jetzt kommt´s. Genau an der Stelle, an der dieser Bus verunglückte, waren bereits Blumen und Kerzen niedergelegt, weil an genau diesem Ort von einigen „Hexen“ der Teufel verehrt wird – äußerst strange! Ich muss aber zugeben, je länger ich in La Paz war, desto besser hat es mir gefallen und als ich abgereist bin, war der erste negative Eindruck komplett verflogen und ich war fast ein wenig traurig.

Da Sophie schon 2 Tage vor mir abgereist war, um sich Sucre anzuschauen, war die Freude umso größer, als wir uns in Uyuni wieder über den Weg gelaufen sind. Von dort aus haben wir eine 3-tägige Tour in Richtung Chile gestartet, die am ersten Tag auch super angefangen hat. Unser kleiner Jeep bestand aus uns beiden, einem Aussie, einer Kanadierin, einem Neuseeländer, einer Irin, einem leicht desinteressiert wirkenden Guide und einem lustigen Fahrer. Wir besichtigten die Salt Flats, schossen grandiose Fotos und kehrten abends alle glücklich und zufrieden in einer Pension ein. Das Erwachen am nächsten Tag war leider nicht so schön, unsere Fahrer hatten sich abends auf ein paar Flaschen Wein versammelt, die komplette Nacht durchgesoffen und waren allen Ernstes der Meinung, dass wir am Morgen in ihre Autos einsteigen würden! Nach einem langen Hin und Her wollten sämtliche anwesenden Gruppen warten bis die Fahrer ausgenüchtert waren und wieder zurück nach Uyuni fahren, um ihr Geld zurück zu verlangen. Da für Sophie und mich die Reise aber in Chile enden sollte, haben wir uns kurzerhand den einzigen nüchternen Fahrer geschnappt und fuhren nach Absprache mit dem Rest mit ihm unsere geplante Tour entlang des green lakes, des red lakes, der Geysire und hot springs… bis San Pedro de Atacama weiter. Wir haben es nicht bereut kann ich nur sagen.

Nun waren wir also in Chile und wussten gar nicht wie uns geschieht, ganz plötzlich war alles doppelt so teuer geworden!! San Pedro liegt mitten in der Wüste und besitzt eine der weltgrößten Sternwarten. Leider konnte ich dieses traumhafte Erlebnis nicht fotografisch festhalten, aber ich kann es nur JEDEM empfehlen!! Sehr sehr sehr beindruckend, was wir das so Nacht für Nacht mehr oder weniger ignorieren. Wir haben dann noch einen Moon-Valley-Trip gemacht, bevor sich unsere Wege trennten und es für mich alleine nach Argentinien weiter ging.

Da ich letztes Jahr schon einen Teil Argentiniens bereist habe (u.a. die Iguassu Fälle), bin ich diesmal mehr oder weniger „nur“ durchgefahren. Was bedeutet, ich saß ziemlich genau 4 komplette Tage im Bus und auf Busbahnhöfen und habe mich gefragt, ob ich nicht in La Paz hätte nur meine eingeplanten 2 Nächte verbringen sollen, anstatt der 8, die ich im Endeffekt geblieben bin, um mir wenigstens einen Tag Auszeit zu gönnen, bin aber dann zu dem Entschluss gekommen, dass ich die Busse schon irgendwie überleben werde!  Zumindest in Argentinien war das auch landschaftlich noch super beeindruckend und ich hatte interessante Nebensitzer, aber ab der brasilianischen Grenze habe ich angefangen den Erfinder des Handys zu verfluchen. Brasilianer telefonieren unfassbar gerne und unfassbar laut (ist ja auch ein großes Land, da muss man schon mal schreien, dass Großtante Maria Elena Luciana im Norden auch durch die Leitung alles hört!), ach ja und unfassbar zu jeder Uhrzeit, also auch in einem SCHLAFBUS morgens um 3. Da ich aber die einzige Nicht-Brasilianerin in diesem Bus war, also die einzige Person deren Handy nicht funktionierte, musste ich wohl oder übel damit klar kommen und mit Tempos in den Ohren darüber lachen. Ich war endlos froh, als ich in Paraty todmüde aus meinem Bus gefallen bin und wieder im Geko Hostel, das ich ja schon kannte, ankam. Es ist schön, wenn man alt bekannte Gesichter vom vergangenen Jahr an Rezeption und Bar wieder sieht. Brasilien war eigentlich eine Wiederholung, daher hatte ich auch nicht beabsichtigt einen Sightseeing-Marathon hinzulegen, sondern habe meine beiden letzten Wochen ganz relaxt an den Stränden von Paraty, auf Ilha Grande (ein absoluter Insidertipp!!) und in Rio verbracht. In Rio habe ich mich leider nicht rechtzeitig zu Ostern um eine Bleibe gekümmert und konnte nicht in mein bekanntes Misti Hostel ziehen. Dafür habe ich durch „Vitamin B“  ein neues kennengelernt, das mich ebenfalls absolut begeistert hat und das ich an dieser Stelle sehr gerne weiter empfehle: http://www.cabanacopa.com.br/

An meinem letzten Abend habe ich in Lapa (Rios Partyviertel) nochmal gebührend das Leben gefeiert, bevor ich zugegebenermaßen unter Tränen die dritttollste Stadt der Welt gen Heimat verlassen habe (bzw. musste).

Auch wenn es schön ist warmes Wasser oder generell Wasser wieder als selbstverständlich anzusehen, Toilettenpapier wieder ins Klo zu werfen und nicht in einen überfüllten stinkenden Eimer, Meerschweinchen in Zoohandlungen zu sehen und nicht ausgeweidet auf Tellern, werde ich die letzten 2,5 Monate noch sehr lange in schöner Erinnerung behalten und viele meiner unterwegs Liebgewonnenen vermissen!!!

DANKE an ALLE, die mir diese 6 Monate ermöglicht und zu einer unvergesslichen Zeit gemacht haben!!!!!!!!!

Ab Mai bin ich übrigens wieder in unserer Münchner Filiale am Viktualienmarkt anzutreffen und buche euch sehr gerne eure eigene unvergleichliche (Welt)reise oder kurz „die geilste Zeit eures Lebens“!!  :-)

Die Vorstellung ist wundervoll, aber noch wundervoller ist das Erlebnis!
Oskar Wilde (1854-1900)

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 4.9/5 (8 votes cast)
Nathalie entdeckt die Welt: Südamerika, 4.9 out of 5 based on 8 ratings

Noch kein Kommentar

Sei der erste Leser, der diesen Beitrag kommentiert!

Kommentare

Custom avatar Custom avatar Custom avatar Custom avatar Custom avatar Custom avatar Custom avatar Custom avatar Custom avatar Custom avatar Custom avatar Custom avatar Custom avatar Custom avatar Custom avatar Custom avatar Custom avatar Custom avatar