Pura Vida? Costa Rica!

In der vergangenen Woche hatten wir hohen Besuch: einer unserer Erlebnisreisen-Tourguides, Gabriel aus Costa Rica, hat uns die Ehre erwiesen! Natürlich waren wir sehr erfreut und so mussten wir ihn direkt mit ein paar Fragen zu seinem Job als Tourguide und natürlich zu seinem Land, Costa Rica, löchern. Über Facebook hatten wir ebenfalls dazu aufgerufen fleißig Fragen an Gabo zu stellen. Einen Auszug habe ich mit ins Interview genommen. Was dabei herausgekommen ist? Ein paar ernste Worte, aber auch jede Menge Spaß und viel zu Lachen, Anekdoten und Wissenswertes.

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1.) Was ist deiner Meinung nach der beste Weg um durch Costa Rica zu reisen? Was würdest du empfehlen und weshalb?

Gabo: In Costa Rica gibt es kein Schienennetz, daher fällt das Transportmittel Zug schon einmal aus der Planung heraus. Um einen tieferen Einblick in das Land zu bekommen, eignet sich besonders die Nutzung des öffentlichen Bussystems. Die Busse sind recht gut ausgestattet und verlässlich, da ein Großteil der Bevölkerung auf dieses Transportmittel angewiesen ist. Durch die Distanzen von maximal 4-5 Stunden Fahrt, lässt es sich im Bus gut aushalten. Außerdem kommt man so direkt in Kontakt mit den „Locals“, die sich gern neben einen setzen und zu kommunizieren versuchen. Völlig egal, ob man Spanisch kann oder nicht. Sich mit dem Mietwagen fortzubewegen würde ich nicht empfehlen, da man sich oft nur schwer orientieren kann und die Straßenverhältnisse nicht immer die besten sind.

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2.) Was war bisher die verrückteste Anmerkung die jemand aus einer Reisegruppe gemacht hat oder jemand während der Erlebnisreise angestellt hat?

Gabo: Es gibt ja die verrücktesten Fragen und Erlebnisse, die man so über die Jahre als Anekdoten sammelt. Natürlich erlebe ich auch solche Situationen, dass mich jemand nach 30 Tagen auf Tour durch die verschiedenen Lebensräume und Ruinen der Maya fragt: „Was ist eigentlich ein Maya?“ und dergleichen mehr.

Einmal bin ich mit einer Gruppe in Nicaragua in der Nähe eines Vulkans gewesen. Eines der Gruppenmitglieder, ein Schweizerin, hat gemeint, dass sie daheim ja ständig wandern geht und es für sie kein Problem sei, den Vulkan zu besteigen und irgendwann war sie einfach nicht mehr aufzufinden. Ich suchte überall nach ihr, doch keine Spur. Selbst ein Rettungsteam konnte sie nicht ausfindig machen. Als ich gegen Abend zurück ins Hotel ging, saß die Verschwundene dort in der Hotellobby und gönnte sich ein Gläschen Wein! Ich wusste wirklich nicht ob ich lachen, weinen oder schreien sollte. Sie hatte sich wohl in der Tat verlaufen und nach Stunden irgendwie ihren Weg zurück zum Hotel gefunden.

Wie man sieht: das Hauptproblem auf einer Erlebnisreise ist Selbstüberschätzung! Und das ist auch der anstrengendste Punkt für einen Tourguide.

3.) Angenommen ich hätte panische Angst vor Spinnen, auf welche gefährlichen Tiere / Insekten muss man sich in Costa Rica gefasst machen?

Gabo: Man muss sich einmal bewusst machen, dass diese vielen Insekten und Spinnen dieses wunderbare Paradies kreiren, das Costa Rica ausmacht! Ohne diese vielfältige Natur wäre das Land nicht das gleiche. Der größte Feind, den ein Mensch, besonders aus westlichen Ländern, in Costa Rica haben kann ist die Sonne. Immer wieder erlebe ich Leute die die unglaubliche Kraft der Sonne so nah am Äquator völlig unterschätzen und sich schwerste Verbrennungen zuziehen. Dadurch nimmt die Reise oft ein frühes Ende. Ich empfehle euch immer ausreichend Sonnenschutz am besten mit Lichtschutzfaktor 50-60 zu benutzen.

Und wenn ihr die paradiesischen Sandstrände im Parque Manuel Antonio genießen wollt, packt euer Essen gut ein und verschließt eure Taschen so gut es geht. Am bleibt eine Person am Strand und passt mit einem Stock auf das Gepäck auf. Denn sobald sie etwas Essbares schnuppern, kommt schnell mal eine Horde Kapuzineräffchen, öffnet geschickt den Rucksack und versucht an das Essen zu kommen. Auch die Waschbären dort sind sehr gewieft und knabbern sich teilweise sogar durch den Rucksack durch. Mit einem Stock lässt sich das Getier allerdings ziemlich gut vertreiben.

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4.) Bezüglich Essen: würdest du empfehlen Kohletabletten mitzunehmen? Also zumindest für Leute mit empfindlichen Mägen? Gibt es irgend etwas, das man bei Essen & Trinken meiden sollte?

Gabo: Nun, zum costaricanischen Essen schicke ich eines Voraus: es ist unglaublich fettig. Wir frittieren alles ordentlich in Schweinefett und so mancher deutsche und skandinavische Magen, verträgt diese Kost nur bedingt. Kohletabletten helfen dabei wenig. Reisende mit einem empfindlichen Magen sollten daher für Costa Rica vielmehr Mittel gegen Sodbrennen einpacken und etwas, das der Fettverdauung hilft.

Das Leitungswasser in Costa Rica ist sauber und man kann es überall trinken. Mein Tipp, da Plastikflaschen teuer sind und darüber hinaus der Umwelt schaden: packt euch eine Trinkflasche ein, die ihr bei Bedarf immer wieder auffüllen könnt. Denn Wasser ist bei unserer hohen Luftfeuchtigkeit sehr wichtig!

5.) Noch eine Frage zum Essen: was sollte sich ein Costa Rica Reisender auf keinen Fall entgehen lassen?

Gabo: Tamal!! Auch Tamale genannt, sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen! Tamal ist ein traditionelles Gericht, bei dem aus Maismehl, Wasser und Schweinefett ein Teig/Brei gemacht wird, man diesen nach Belieben mit Fleisch, Käse und Gemüse füllt, in ein Bananenblatt einschlägt und zum Schluß mindestens 45 Minuten dämpft. Dazu die costaricanische „salsa inglesa“: einfach köstlich! Ich trinke immer gern ein Getränk aus „cas“ dazu. „Cas“ ist eine Frucht, die wie Grapefruit und Limone gleichzeitig schmeckt, aber nicht so sauer ist. Quasi ein „refresco natural“. Damit hat man ein typisch costaricanisches Gericht gekostet, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte! 🙂

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6.) Ist es empfehlenswert als Frau in Costa Rica alleine zu reisen? Würdest du es als sicher bezeichnen.

Gabo: Nun, man muss schon genau wissen wo man sich wie alleine bewegen kann und was man machen kann. Eine Frau die nachts alleine in Costa Rica unterwegs ist, setzt sich einem Risiko aus. Am besten ist es, nie allein unterwegs zu sein, sondern in Begleitung zu reisen. Auch kann Selbstüberschätzung oft gefährlich werden.

7.) Hast du einen Tipp wie man den scheinbar allgegenwärtigen Amerikanern in Costa Rica aus dem Weg gehen kann? Irgendwelche „off the beaten track“ Tipps?

Gabo: Am besten die Hauptreisezeiten im Dezember/Januar meiden und um Ostern herum, also im April. Und dann einen großen Bogen um typische Touristenziele wie Tamarindo und Playa de Coco machen!

8.) Was geht dir als Tourguide am meisten auf die Nerven wenn du eine Erlebnisreise leitest?

Gabo: Als Tourguide bin ich für meine Gruppe und deren Reiseerlebnis verantwortlich. Ich möchte, dass es den Teilnehmern gut geht, sie eine gute Zeit verbringen und sehr viel schöne Erinnerungen mitnehmen. Um das zu erreichen stecke ich sehr viel Energie in meine Arbeit. Dabei ist es am schlimmsten, wenn jemand die Reise mit zu hohen Erwartungen antritt, die nicht unbedingt immer erfüllt werden können (Regenwetter, Nebel, schlechte Sicht, Tiere lassen sich nicht blicken etc.) und damit die Reise idealisiert. Auch wenn jemand von Vornherein eine negative Grundeinstellung hat und damit zu seinem eigenen Feind wird, vermiest er nicht nur sich sondern auch anderen Teilnehmern die Reise. Besserwisser sind auch ziemlich anstrengend, wenn man mit aller Kraft versucht, die ganze Gruppe schöne Erlebnisse und Erfahrungen machen zu lassen.

9.) Was würdest du als wichtigsten Bestandteil des Gepäcks eines Costa Rica Reisenden sehen? Z.B. Insektenspray: zu Hause oder lieber vor Ort kaufen?

Gabo: Lasst euer Insektenspray zu Hause und nehmt euch lieber langärmelige T-Shirts mit! Insektenspray ist Gift, egal wo man es kauft und ihr sprüht euch damit ein und tragt dieses Gift in meinen Urwald, in die Natur! Das ist gar nicht gut. Natürlich solltet ihr gute Sonnencreme nicht vergessen, eine Trinkflasche wie vorher erwähnt und ein großes, ehrliches Lächeln! 🙂 Das sagt mehr als tausend Worte und hilft, wenn man kein Wort Spanisch kann. Im September, Oktober, November ist es empfehlenswert eine Regenjacke mit einzupacken. Und ja, bitte keinen großen Koffer! Nehmt lieber einen praktischen Backpack mit.

10.) Was magst du am meisten an deinem Land?

Gabo: Natürlich die unglaubliche Natur und diese einzigartige Vielfalt und die kurzen Distanzen. In drei Stunden bin ich in der Karibik, in zwei Stunden am Pazifik. Die einzigen beiden Bereiche, die Costa Rica nicht zu bieten hat, sind Eis und Wüste. Außerdem ist Costa Rica ein sehr friedfertiges Land, so haben wir zum Beispiel keine Armee, keine Soldaten. Und diese wunderbaren Menschen! Sie sind so freundlichen und offen und gastfreundlich. Auf einer Erlebnisreise waren wir auf dem Weg zu einem Vulkan und ich machte mit meiner Gruppe halt, um ein paar Tukane zu fotografieren. Nebenan stand ein einsames Haus und nach ein paar Minuten kam eine Frau heraus. Sie unterhielt sich eine Weile mit mir und wollte die komplette Gruppe direkt zum Abendessen einladen. Ich musste mich leider mit Händen und Füßen wehren. Aber daran sieht man, wie großherzig die Costa Ricaner sind!

Und auch wenn ihr kein Spanisch könnt, zwei einfache Worte müsst ihr unbedingt nach Costa Rica mitnehmen. PURA VIDA! Das bedeutet „Guten Tag“, „Guten Abend“, „Mach’s gut“, „Hab eine gute Zeit“ und noch so vieles mehr.

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Fotonachweis:

  • 2011-09-04-007 Puntarenas, Costa Rica, cc Mike Bulter via flickr
  • Manuel Antonio National Park, Costa Rica, Central America, cc jackie weisberg via flickr
  • Tamal Navideño, cc pruiz_cr via flickr
  • Cas – Costa Rican Guava, cc rworange via flickr
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1 Kommentar

  1. Nabil Schauki 8. März 2014 at 13:37

    Der Bericht zeigt die Liebe und Verbundenheit des Reiseleiters mit seinem Land. Es sind eine ganze Menge Informationen die, die Basis für eine Aufenthaltsplanung dienen. Ich denke, dass bei einer Eigenreise ein Navi das Problem der Zielerreichung lösen würde. Ein guter Reisleiter ist natürlich die bessere Option. Ich bin mir nicht sicher, ob Waschbären sich so leicht weg scheuchen lassen! Ich hoffe ich werde es endlich schaffen Costa Rica zu bereisen, den Urwald zu erleben, Schmetterlingsfarme zu besuchen und einen Vulkan zu besteigen!

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