Reisebericht Northern Territory – Cloud 9

Als einer der glückliche Gewinner des Gewinnspiels von Radio Energy und STA Travel machte ich mich im Oktober 2011 für rund zwei Wochen in das australische Northern Territory auf.

Das Northern Territory ist ein Gebiet der Gegensätze. Bei einer Fläche, welche in etwa der von Deutschland, Frankreich und Italien zusammen entspricht, leben dort nur ca. 225.000 Menschen, was nur ungefähr ein Prozent der australischen Bevölkerung ausmacht. Auch geographisch tun sich große Gegensätze auf. Dem von großen Wüsten geprägtem „Red Centre“ im Süden steht das sogenannte „Top End“ im Norden gegenüber, welches während der Monsunzeit eine der regenreichsten Regionen Australiens ist.

Im Northern Territory befinden sich zwei der größten Touristenattraktionen Australiens. Im Süden der Uluru-Kata-Tjuta-Nationalpark mit einem der bekanntesten Wahrzeichen Australiens, dem Uluru und im Norden der Kakadu-Nationalpark. Unter anderem dorthin führte mich die neuntägige Erlebnistour „Cloud 9“, veranstaltet von Adventure Tours Australia. Bevor diese allerdings beginnen konnte, lag noch ein mehr als 20-stündiger Flugmarathon nach „Down Under“ vor mir. Über Frankfurt, London, Singapur, und Perth ging es nach Alice Springs, dem Ausgangspunkt für die touristische Erkundung des Outbacks. Kaum aus dem Flugzeug ausgestiegen, begrüßen einen auch schon die nervigsten aller Bewohner des Outbacks, die Fliegen, welche unsere Reisegruppe die gesamte Tour über verfolgen sollten. Nicht umsonst wird die fliegenverscheuchende, wedelnde Handbewegung vor dem Gesicht in Australien offiziell als „Australien Salute“ bezeichnet.

Tag 1 – Von Alice Springs zum Uluru
Die erste Etappe unserer Tour führte uns von Alice Springs über den Uluru-Kata-Tjuta-Nationalpark und den Kings Canyon wieder zurück nach Alice Springs. Unser Guide, Michelle, weihte uns zunächst in ihre Pläne für die nächsten Tage ein. Bedacht auf ein gutes Miteinander in der Gruppe ließ sie es sich nicht nehmen, jedem Teilnehmer zur eigenen Vorstellung das Mikro zu reichen. Sowohl von der Altersstruktur, als auch von den Nationalitäten her zeigte sich die Gruppe bunt gemischt. Auf der Fahrt ließen sich erste Impressionen vom australischen Outback erlangen. Die Landschaft zeigte sich aufgrund der etwas häufigeren Regenfälle der vergangenen Wochen deutlich grüner als erwartet.
Vorbei an einer Kamelfarm (einen kurzer Ritt auf den Tieren ließ sich kaum einer entgehen) und dem Mt. Connor, welcher von besonders ungeduldigen Reisenden regelmäßig als Uluru identifiziert wird, näherten wir uns dem ersten großen Highlight der Tour, den Kata Tjuta. Dank eines angenehmen Windes war die Wanderung zwischen den riesigen Monolithen trotz der hohen Temperaturen gut zu ertragen. Trotzdem musste ein Teil der Truppe den körperlichen Beanspruchungen Tribut zollen, weshalb die Wanderung leider frühzeitig abgebrochen wurde. Allerdings reichten auch diese kurzen Eindrücke um uns von der beeindruckenden Schönheit der 36 Felsen zu überzeugen.
Nach einer weiteren kurzen Busfahrt stand dann einer der Höhepunkte der drei Tage auf dem Programm. Bei Champagner aus Plastikbechern konnten wir den Sonnenuntergang am Uluru genießen. Den hunderten von Betrachtern bot sich ein tolles Schauspiel, als der Uluru fast minütlich in einem anderen Rotton aufleuchtete. Auch ein Dingo, welcher bei einer solchen Masse an Touristen wohl einiges an „Beute“ vermutete, lies sich kurz blicken. Ein toller Tag klang später im Camp bei einem köstlichen Barbecue, bestehend aus Känguruschnitzel, Kamelbratwurst und vielem mehr aus.

Kata Tjuta

Uluru

 

Tag 2 – Vom Uluru zum Kings Canyon
Am nächsten Morgen mussten wir unsere Zelte früh verlassen, um rechtzeitig zum Sonnenaufgang wieder am Uluru zu sein. Nachdem wir dort gefrühstückt hatten ging es direkt weiter zum Basewalk, welcher einem bei einer kompletten Umrundung des Monolithen dessen imposante Größe verdeutlicht und all seine bizarren Felswände mit ihren Höhlen, Rinnen und Klüften zeigt. Auch ein paar Wüstenbewohner wie Warane und Schlangen schauten kurz vorbei. Ein Teil der Führung wurde von indigenen Guides geleitet, welche uns anhand der Felsmalereien eine Menge über ihre Mythen, Traditionen und Geschichten lehrten.
Nach einer weiteren längeren Fahrt zum Kings Canyon endete der Tag an unserem dortigen Camp. Während es die meisten recht schnell in ihre Zelte zog, hielten andere noch ein wenig Smalltalk oder spielten Karten und wurden dabei Zeuge eines plötzlich aufziehenden, tosenden Gewitters mit Platzregen und Sturm. Ziemlich beeindruckend, wenn man bedenkt, dass man sich inmitten einer Wüste befindet.

Uluru Sonnenaufgang

 

Tag 3 – Vom Kings Canyon nach Alice Springs
Die Wanderung am Kings Canyon am nächsten Morgen war von allen in diesen drei Tagen die Beeindruckenste. Nachdem die ersten paar hundert Meter steil bergauf gingen führte der Rest des Weges oben am Rande des Canyons entlang. Dabei eröffnete sich ein beeindruckender Ausblick über die Schluchten und die steilen Felswände des Canyons, welche ungesichert hunderte Meter in die Tiefe führen (Vorsicht an der Kante :-)). Michelle erzählte uns auf dem Weg einiges über die Pflanzen der Gegend und deren Nutzung. So lernten wir zum Beispiel, dass sich der Saft der „ipi-ipi“ Pflanze wunderbar als Pflaster eignet und das so genannte „Teddybear’s Asshole“ gut als Haarbürstenbesatz benutzt werden kann.
Bevor es zurück nach Alice Springs ging hatten wir erfreulicherweise noch genügend Zeit für eine Abkühlung im Pool am Kings Canyon Resort. Am späten Nachmittag erreichten wir dann Alice Springs, wo wir die Tour in der „Rock Bar“ bei Freibier und einem gemeinsamen Abendessen ausklingen ließen.

Kings Canyon

Tag 4 – Von Alice Springs nach Tennant Creek
Am vierten Tag sollten wir Alice Springs dann endgültig hinter uns lassen. Mit einer neuen Gruppe und einem neuen Guide (Paul) ging es, vorbei an Rinderfarmen von der Größe kleiner Staaten und etlichen liegen gebliebenen Autos, welche in der Wüste ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten, weiter in Richtung Norden. Unser erstes Tagesziel war der kleine „Ort“ Barrow Creek, Heimat einer historischen Telegraphenstation. Das eigentliche Highlight des Ortes ist jedoch sein Pub, in welchem durch Mitbringsel von Reisenden Schätze aus aller Welt zu finden sind und vom freundlichen Besitzer ausgiebig präsentiert werden.
Später verbrachten wir den Nachmittag an den „Devil Marbles“, einer Menge von skurrilen Felsbrocken, welche sich hervorragend für lustige Fotos eignen. Das Thermometer hatte die 40° Marke zu diesem Zeitpunkt schon lange geknackt, weshalb Paul mit seiner Idee außerplanmäßig an einem ihm bekannten Badesee zu stoppen auf allgemeine Begeisterung stieß.

Devil Marbles

Tag 5 – Von Tennant Creek zum Katherine Gorge
Am nächsten Tag folgten wir dem Stuart Highway weiter in Richtung Norden zu dem historischen Ort von Daily Waters. Dieser kleine Ort hat drei Sehenswürdigkeiten zu bieten. Sein Mittelpunkt ist ein uriger Pub (mit erfrischendem Pool), dessen Wände abermals von mitgebrachten Gegenständen der Traveller übersäht sind. Daneben existieren bei Daily Waters ein ehemaliger Flughafen (der erste internationale Australiens) und ein unscheinbarer Baumstumpf, in welchem John McDouall Stuart 1862 persönlich sein S eingeritzt hat. Des weiterem gehört zu der Geschichte des Ortes ein rekordverdächtiges Fastfood-Restaurant. Das McDonalds in Daily Waters war das erste im gesamten Northern Territory und hält weiterhin die Rekorde für die kurzlebigste Filiale (ein Tag), die am wenigsten besuchte Filiale und die Filiale mit dem kleinsten Angebot.
Nach dem Besuch dieses geschichtsträchtigen Ortes ging es weiter zu den natürlichen Quellen von Mataranka, welche mit ihren 35° jedoch nur wenig für Abkühlung sorgten. Trotzdem war es sehr angenehm ein Bad unter tausenden von kreischenden Flughunden zu nehmen.

Tag 6 – Vom Katherine Gorge nach Darwin
Am nächsten Morgen wurde die Gruppe erneut von einem tosenden Gewitter geweckt. Es weckte allerdings auch die Besorgnis, dass unsere geplante Kanutour ins Wasser fallen würde. Mit dem Wetter hellte sich dann jedoch auch die Stimmung schnell auf und die Kanutour konnte bei sonnigem Wetter stattfinden. Ein paar Wolken wären jedoch durchaus angenehm gewesen, da sich das Paddeln als extrem anstrengend erwies. Ein ausführlicher Badestopp zur Hälfte kam uns daher sehr gelegen.
Den Abend zuvor hatte Paul uns noch auf die Bewohner des Katherine Gorges hingewiesen. Die großen und extrem gefährlichen Salzwasserkrokodile werden zu Beginn der Trockenzeit gefangen und umgesiedelt. Im Fluss leben jedoch deren kleine Verwandte, die Süßwasserkrokodile (liebevoll als „Freshies“ bezeichnet,) welche Menschen gegenüber als scheu und harmlos gelten. Dementsprechend hielten die Kanufahrer beim Paddeln und Baden die Augen offen um einen Blick auf die Reptilien zu erhaschen. Bis auf Spuren im Sand war von ihnen jedoch nichts zu sehen. Nur ein Reisender der Gruppe, welcher sich für ein motorisiertes Boot statt des Kanus entschied hatte Glück und bekam ein Exemplar zu Gesicht. Nach einem weiteren Badestopp an den Edith-Falls machten wir uns dann auf nach Darwin, wo wir den Abend gemeinsam bei Pizza und Bier ausklingen ließen.

Katherine George

Tag 7 – Von Darwin bis zum Mary River
Die letzte Dreitagestour führte uns in die beiden Nationalparks Kakadu und Litchfield und sollte das Highlight der neun Tage werden. Zur Freude aller Mitreisenden blieb die Gruppe der letzten Tage nahezu komplett beisammen. Spätestens als unser neuer Guide, Nathan, mit all seinem Enthusiasmus aus dem Truck sprang war jedem klar, das uns drei unvergessliche Tage bevorstanden. Neben ein wenig Kultur und Wildlife lautete das Motto der drei Tage: „Wasser marsch“. Beide Nationalparks bieten einige herrliche Wasserfälle, welche sich, frei von Salzwasserkrokodilen, hervorragend zum Baden eignen.
So verbrachten wir den Großteil des Tages mit Wanderungen zu Wasserfällen welche mit einem herrlichen Bad belohnt wurden. Nathan hatte es sich zum Ziel gemacht uns die lokale Pflanzenwelt und deren Nutzung durch die Aborigines näher zu bringen, indem er uns alle möglichen Arten an „Bushtucker“ aus der Region auftischte. Darunter waren neben Buschäpfeln und Blumenstängeln auch recht scharfkantige und für Menschen unverdaulich aussehende Palmenblätter, welche sich jedoch als ganz annehmbare Knabberei erwiesen.
Den Abend verbrachten wir am Mary River, wo wir eine kurze Bootsfahrt zur Erkundung der Gegend unternahmen. Diesmal dauerte es nicht lange bis sich die ersten Krokodile blicken ließen, darunter auch ein riesiges Salzwasserkrokodil. Zunächst recht regungslos, spottete es auf einmal Beute und schoss mit einer ihm nicht zuzutrauenden Geschwindigkeit ins Wasser. Spätestens zu diesem Zeitpunkt waren alle froh ein festes Boot unter den Füßen zu haben. Die am Flussrand trinkenden Wallabies schienen von der Gefahr jedoch nichts zu ahnen. Neben den Krokodilen und Beuteltieren waren am Mary River Unmengen an Vögel zu beobachten. Der Abend klang später am Lagerfeuer aus, wo die Mitglieder der Gruppe ihr mehr oder weniger vorhandenes Talent am Didgeridoo zur Schau stellten. Ein tolles Ende eines ereignisreichen Tages.

Wasserfall im Litchfield National Park

Kakadu Nationalpark, Ubirr Rok Felsmalereien

Kakadu Nationalpark,Ubirr Rock

Tag 8 – Vom Mary River in den Kakadu Nationalpark
Den Vormittag des nächsten Tages verbrachten wir am Ubirr-Gebirge, bekannt für seine historischen Felsmalereien. Der gute Zustand und die Reichhaltigkeit an Details der alten Malereien sind sehr beeindruckend. Von der Spitze der Felsformation hat man zudem einen tollen Überblick über die Feuchtgebiete des Kakadu NP.
Als nächstes machten wir uns auf zu den Twin- und Jim Jim Falls, welche nur über einen kleinen, ausschließlich mit Allradfahrzeugen befahrbaren, Weg zu erreichen sind. Allein die schauklige Fahrt zu den Wasserfällen ist schon ein Highlight. Nach einer kurzen Bootsfahrt erreichten wir dann die majestätischen Twin Falls. Diese verfügen sogar über einen kleinen Sandstrand. Das Baden ist jedoch aufgrund von Salzwasserkrokodilen verboten. Der Pool unterhalb der Jim Jim Falls jedoch eignet sich hierfür jedoch hervorragend. Das Bad muss man sich allerdings zunächst durch eine anstrengende Klettertour über einen felsigen Weg verdienen. In der Regenzeit sind die Jim Jim Falls ein donnernder Wasserfall, nun waren sie jedoch bis auf den Pool unten ausgetrocknet. Wir verbrachten eine lange Zeit dort, schwimmend und von Felsen springend und niemand wollte diesen Ort so wirklich wieder verlassen.

Kakadu Nationalpark, Weg zu den Twin Falls

Kakadu Nationalpark, Weg zu den Jim Jim Falls

Tag 9 – Vom Kakadu Nationalpark nach Darwin
Den Vormittag des letzten Tages verbrachten wir entspannt am Barramundi Gorge. Am Fuße des Wasserfalls befindet sich ein schöner Badesee, doch das Highlight erreicht man über einen Fußweg zur Spitze des Wasserfalls. Direkt an der Kante des Wasserfalls befindet sich ein wunderschöner Fluss, welcher wie fürs Klippenspringen und relaxen gemacht zu sein scheint. Unter Anderem gibt es dort einen natürlichen Pool, welcher nur durch einen Tauchgang durch einen von oben nicht zu sehenden Tunnel unter Wasser verlassen werden kann. Das Wasser stellte sich auch als einzige Stelle am Barramundi Gorge heraus, an welcher man vor den unglaublich hartnäckigen australischen Fliegen in Sicherheit ist. Mit seiner Feststellung, dass australische Fliegen Stellen erreichen, von denen ein Wattestäbchen nur träumen kann lag Bill Bryson definitiv nicht falsch.
Die letzten drei Tage waren mit Sicherheit das absolute Highlight einer tollen Tour. Die Schönheit des Kakadu Nationalpark ist mit Worten kaum zu beschreiben und lässt sich auch durch Fotos nur unzureichend wiedergeben. Nach einem letzten gemeinsamen Abendessen verabschiedeten sich alle Mitreisenden in alle unterschiedlichen Regionen Australiens, oder wie in meinem Fall zurück nach Deutschland.
Die letzten Zeilen möchte ich noch einmal dazu nutzen um mich bei allen zu bedanken, die mir diese Reise ermöglicht haben, insbesondere natürlich bei STA Travel, Radio Energy, und dem Team des STA Travel Shops Göttingen. Es war eine tolle, ereignisreiche Reise mit super Aktivitäten, beeindruckenden Landschaften und tollen Mitreisenden, welche mit Sicherheit unvergessen bleiben wird.

Kakadu Nationalpark Barramundi Gorge

Kakadu Nationalpark, Barramundi Gorge

Vielen Dank an Jan Becker für den schönen Reisebericht.

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