STA Traveller Paula auf Weltreise – Australien

Montag. Australien: ein Land so groß wie ein Kontinent, oder umgedreht? Erst 200 Jahre alt, mit einer Hauptstadt, die am Reißbrett entstanden ist und aussieht als wäre es ein übergroßes Halmaspielbrett; purpurne Wüsten, schneeweiße Strände; haushohe Farne; 100te Meter tiefe Wasserfälle; Tiere, die Wallabies heißen; mit Ureinwohnern, die nur noch 1% Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen; mit einem Wahrzeichen, für das der Architekt nie einen Cent Lohn bekommen hat; Rinderweiden, so groß wie Bundesländer, mit einem Mond, der auf dem Rücken liegt und einer Natur, die so schön ist, dass meine Worte nicht dafür ausreichen, sie zu beschreiben…

In drei Wochen von Sydney nach Melbourne. Ist zu schaffen. Eigentlich. Wäre da nicht dieses wunderschöne Land, das uns immer wieder von der Strecke ablenkt…

Zwischen den Jahreszeiten hin und her springend, flogen wir vom japanischen Winter in den australischen Herbst. Im Moment bade ich meine Füße im puderweichen, warmen Sand; schaue aufs Meer, sehe Delfine mit den Wellen spielen und genieße mein allabendliches Glas australischen Shiraz. Gestartet sind wir in Sydney. Anstelle eines Hosteldorms hatten wir den Luxus griechisch – australische Gastfreundschaft – ein junges Paar, das ich letzten September in der Karibik kennengelernt hatte. Aber auch ohne einheimische Hilfe erschließt sich Sydney schnell. Ein prima Einstieg ist die „I am free“-Tour. Tipp: Eine Stadtführung, die sich ausschließlich über Trinkgelder finanziert. Neben den üblichen Touristenspots, hört man Insidergeschichten und bekommt in ca. 3 Stunden einen prima Überblick über die Stadt und Australiens junge Geschichte. Für müde Füße gibt’s den Freebus 555. Statt viel Geld für eine Bootstour auszugeben, kann man mit der Fähre nach Manly düsen und dort der gepflegten Strandkultur frönen und anschließend ein Bier am Bondi Beach trinken und den Ausblick auf viele leckere Beachbodys genießen ;) Die Shoppingtour durch Paddy´s Markets ist unerlässlich ebenso wie das dortige Preisefeilschen! Davon erholen kann man sich bei einem Picknick im Botanischen Garten. Achtung! Schilder beachten, die ausdrücklich dazu einladen auf dem Rasen zu liegen, die Bäume zu umarmen und die Blumen zu beschnuppern! Klamotten der besonderen Art shoppt man in Newtown und tanzen geht man in Kings Cross.

Bondi Beach

Für den bessergefüllten Geldbeutel bietet sich eine Klettertour über die Harbourbridge an, ein Dinner am Hafen und ein Besuch der Oper. Aber auch der schmale Geldbeutel kann bei einer Führung „hinter die Kulissen“ Opernluft schnuppern. Ein wenig ernüchternd ist es, fest zu stellen, dass dieses berühmte Wahrzeichen von der Nähe aussieht wie ein gewöhnliches Badezimmer – es besteht aus unzähligen kleinen weißen Fliesen. Und ganz unerwartet habe ich am anderen Ende der Welt ein kurzes Gefühl von Heimat bekommen, als mir nach dem Madigra Festival Murat, ein Deutsch-Türke auf Travel&Work Tour, einen Döner verkaufte; ein Plausch am Tresen mit Wandertipps durch die Blue Mountains inklusive. Herrlich.

Am Samstag haben wir dann unser Heim auf Rädern abgeholt. Wir haben uns schon in Deutschland darum gekümmert um sicher zu sein, dann auch tatsächlich einen Camper und keine Thunfischdose zu bekommen. Allerdings haben wir die Abbildungen etwas missverstanden und so standen wir vor einem Luxuscamper in der Größe eines Dinosauriers. Inklusive Dusche, WC, Herd, Kühlschrank und Doppelbett. Auf den Spuren der Goldgräber, Aborigines und Surferboys haben wir dann aufs Gas gedrückt: Blue Mountains – Canberra – Ocean Drive – Melbourne.
Der Blue Mountains Nationalpark ist ein Traum! Man wandert durch tiefe, rote Canyons, sattgrüne Regenwälder und über steile Klippen von denen sich Wasserfälle in die Tiefe stürzen. Neben wundervollen Fotos habe ich dort auch ein echt unangenehmes Australiensouvenir mitgenommen: Den Biss eines Blutegels!

Paula in den Blue Mountains

Wer kann behaupten in einem Land gewesen zu sein, ohne die Hauptstadt gesehen zu haben? Also ab nach Canberra! Das Parken bei Sehenswürdigkeiten und die Führungen dazu sind kostenlos. Ein Besuch des alten & neuen House of Parliament lohnt sich. Tipp: Man lernt nicht nur etwas über die Verfassung, sondern auch über die Geschichte des Landes und kann einen kritischen Blick auf die Beziehungen zwischen Einwanderern und Aborigines werfen. Einen beeindruckenden Einblick in die Kunst der Uhreinwohner bekommt man in der National Gallery – auch kostenlos!

Zurück an der Ostküste führt der Weg durch einen Nationalpark in dem man am 100km langen weißen Strand zusammen mit Kängurus liegen kann. Dass sie wenige Berührungsängste haben, wurde mir bewusst, als ich nachts in einem heftig schaukelnden Camper aufwachte, begleitet von einem dumpfen Schabegeräusch. Als ich endlich Mut fasste nachzuschauen, stellte ich erstaunt fest, dass sich ein Känguru genüsslich seinen Rücken an unserem Camper schabte. Am nächsten Morgen annektierten sie unsere Campingbucht gänzlich in dem sich eine ganze Familie zu unserm Frühstückstee einlud. (Tipp: offizielle Campingplätze benutzen! Die Ranger nehmen einem Freecamping echt böse und verteilen Straftickets.)

Abendessen im National Park

Weiter ging es nach Wilsons Promontory. Eine Halbinsel wo man durch Natur wandert, deren Schönheit mich zu Tränen rührte. (Tipp: Mehrtages Touren machen und vollends in die Natur eintauchen – werden vom Nationalpark Büro aus organisiert.) Kurz vor Melbourne kann man noch einen Abstecher auf Philipp Island machen. Dort haben wir der Fütterung von Pelikanen beigewohnt, der Pinguin-Parade zugeschaut, die Koalas beim Schlafen beobachtet und den besten „fish and ships“ ganz Australiens gegessen.
Zugegeben, nach so viel traumhafter Natur, musste ich mich etwas zwingen wieder in die Zivilisation zurück zu kehren. Aber mit der Freetram und dem Freebus kann man Melbourne ganz entspannt kennenlernen und endlich kam ich auch dazu, zu erforschen, warum die Rivalität zwischen Sydney und Melbourne besteht. Zu verstehen ist es aber nicht…

Wilsons Promontory

Jetzt sitze ich hier auf dem Flughafen und versuche die „Pause-Taste“ zu drücken, um kurz inne zu halten, fest zu halten was schon war. Vor drei Wochen habe ich Japan verlassen, gleich hüpfe in den Flieger, der mich in das Land bringt, das der Grund dieser ganzen Reise ist. Ich bin seit sechs Wochen unterwegs und es kommt mir in manchen Momenten vor, als wären es Monate und in anderen denke ich, erst gestern abgereist zu sein.

Weltreisen ist kein Urlaub. Es ist Reisen. Es ist traumhaft.

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6 Kommentare

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    Jule 18. Mai 2011 at 12:39

    Ich bin ja sooooooooooooo neidisch und freue mich schon auf den nächsten Bericht von Paula!!! :)

  2. Maraike Reimer 18. Mai 2011 at 14:17

    ich auch.. also neidisch!
    wirklich wieder ein wunderschöner reisebericht, liebe paula!
    wenn ich nicht ohnehin schon australien ganz oben auf meiner liste hätte, wärs nach dem artikel auf jeden fall gaaanz oben!

  3. Juliane 19. Mai 2011 at 13:01

    superschön, schönere worte hättest du nicht finden können :)

  4. Karin 20. Mai 2011 at 18:16

    Liebe Paula,
    mit großer Feude und Interesse habe ich Deine Reiseberichte gelesen. Du hast großes Talent zu beschreiben, so dass das Lesen wirklich ein Genuss ist und man sich vieles auch gut vorstellen kann. Zusammen mit Deinen gelungenen Fotos kannst du das sicher auch veröffentlichen!
    Danke!
    Liebe Grüße von Karin

  5. Paula 21. Mai 2011 at 03:53

    wow… was kann ich darauf antworten??? danke!

  6. Thomas Basy 25. Mai 2012 at 06:35

    Hi Paula,
    Bin gerade selber in Australien unterwegs und zufällig auf deinen Reiseblog gestoßen.
    Ich wünschte ich könnte die Sachen ebenfalls so toll beschreiben wie du aber wenn man gerade eben erst selber dort war und dann deine Reiseberichte liest so fühlt man sich sofort an diese Orte zurückversetzt.
    Ich schreibe selber einen Blog unter http://www.ThomasBasy.com
    Wenn du lust hast kannst du gerne mal vorbeischauen.

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