WE ARE in Istanbul

WE ARE traveling: Eine Herausforderung auf verschiedeneste Art und Weise. Als wir im Februar bei eisigen Temperaturen in Deutschland losgefahren sind, wussten wir noch nicht genau, was uns erwartet. (Zum 1. Artikel >) Klar hat man sich so gut es geht vorbereitet, gelesen, im Internet recherchiert. Doch jede Reise ist einzigartig. Man weiß nicht, welchen Menschen man begegnet und was einen auf dem Weg alles erwartet. Vor allem weiß man nicht, wie der eigene Körper auf die Strapazen reagiert. Denn schließlich sind wir keine Extremsportler, die jahrelang für eine Expedition trainiert haben, sondern zwei normale Menschen, die sich in ein ungewöhnliches Abenteuer stürzen!

Durch alle Jahreszeiten
Die Kälte war unsere erste Herausforderung. Bei Temperaturen, die sich die meiste Zeit knapp unter Null Grad bewegen war unsere erste Lektion: Immer in Bewegung bleiben! Schon während einer kurzen Pause kühlt der Körper schnell herunter und die Finger werden zu Eisklumpen. Das Tageslicht zeigt sich nur wenige Stunden am Tag, in denen wir versuchten – neben der Schlafplatzsuche, Einkaufen und Kochen – so viele Kilometer wie möglich zu fahren.
Mit Übertreten der ungarischen Grenze zeigte sich dann urplötzlich der Frühling! Die Tage wurden länger und die Sonne, von der wir schon kaum noch wussten wie sie aussieht, zeigte sich. Ein ständiges An- und Ausziehen war die Folge. Kommt die Sonne raus, fängt man auf dem Fahrrad schnell an zu Schwitzen. Macht man eine Pause an einem schattigen Plätzchen, ist es einem abrupt wieder eiskalt. Richtig heiß wurde es dann gleichzeitig zu dem Zeitpunkt, als die Berge anfingen. Wie passend! Und unser Problem, dass wir zu wenig trinken, verschwand fast von alleine. Wir sind dankbar für jede Abkühlung und erfreuen uns der vielen eiskalten Quellen und Flüsschen entlang des Weges.




Die körperlichen Grenzen
Doch nicht nur die Temperaturen sind eine Herausfoderung. Unser Körper, welcher ansonsten nur Gelegentlich zum Sport gebeten wurde, ist nun Höchstleistungen ausgesetzt. Und das jeden Tag. Schnell mussten wir feststellen, dass wir unsere geplante Kilometer-Tages-Vorgabe nicht halten können. Wir hatten das Gefühl, dass wir uns ständig hetzen müssen und kaum noch Zeit haben einen Moment zu genießen oder mal ein paar Minuten an einem schönen Ort zu verweilen. Klar wollen wir in China ankommen, aber das wichtigere Ziel ist wohl, dass die Reise an sich Spaß macht. Auch unser Körper zeigt uns auf, dass ein permanentes Fahren irgendwann alle Reserven aufbraucht und es wichtig ist immer mal wieder kurze Ruhepausen einzulegen. An wirkliche Grenzen sind wir bisher noch nicht gestoßen. Aber vielleicht ist es auch wichtig, diese nicht zu sehr auszutesten. Denn wir haben noch einige Kilometer vor uns und wollen diese möglichst gesund und ohne bleibende Schäden am Ende bezwungen haben!


Partnerschaft
Nicht zu unterschätzen ist, dass man mit seinem Partner sieben Tage die Woche 24 Stunden gemeinsam verbringt. Das kann man vorher nicht trainieren und es zeigt sich erst auf der Reise, ob es wirklich funktioniert! So wird man mit allen Launen des Anderen konfrontiert und hat nicht die Möglichkeit mal eben die Tür hinter sich zu schließen. So fahren wir wortlos hintereinander her, wenn wir mal nicht der selben Meinung sind. Oft sind ziemlich banale Gründe der Auslöser für Auseinandersetzungen: Man ist ganz einfach müde, erschöpft oder hat Hunger. Sind diese behoben, ist auch der Konflikt schnell wieder vergessen. Die Reise schweißt zusammen. Man liegt abends zusammen im Zelt und lauscht neugierig unheimlichen Geräuschen. Teilt Ängste, Hoffnungen und Erwatungen, sowie all die schönen Augenblicke und Entdeckungen, motiviert sich gegenseitig und wächst zu einem Team zusammen, dass sich auch ohne Worte versteht!


Impressionen für ein ganzes Leben
Das hört sich nach viel Anstrengung an! Ist es auch. Aber wir haben umso mehr Spaß und erleben so viel auf der Reise, dass wir es kaum noch verarbeiten können. Ein anderer Reisender hat uns mal gesagt, dass man sich während des Reisens eine riesige Sammlung von Erlebnissen anlegt, von der man dann sein restliches Leben zerren kann. Und wenn ich die letzten Wochen als Film in meinem Kopf ablaufen lasse, stelle ich fest, dass ich tatsächlich in manchen Jahren meines Lebens bei Weitem nicht so viel erlebt habe, wie in den letzten 80 Tagen.


Begegnungen
Es sind vor allem die vielen Begegnungen, die die Reise besonders machen. Es ist immer wieder unglaublich, welche Menschen man trifft und an welchen Orten. Die Welt ist ein Dorf. Dieser Satz geht mir immer wieder duch den Kopf. Manchmal schauen wir uns verdutzt an, wenn mal wieder einer dieser Zufälle uns in die Arme von der richtigen Person zur richtigen Zeit führt: Während wir uns mit einem Fahrradhändler und seiner Frau aus Istanbul zu einem Tee verabredet haben, treffen wir auf ein Pärchen, welches am Nachbartisch gerade dabei ist eine ähnliche Reise wie wir zu planen. So sitzen wir dann zu sechst am Tisch und tauschen Erfahrungen über Fahrradfernreisen aus. Ein anderes Mal stehen wir in einem Outdoor-Geschäft und unterhalten uns mit dem Verkäufer über die schönsten Routen durch die Türkei. Als das Wort Kirgisistan fällt, dreht sich einer der Kunden um, und lädt uns zu sich nach Kirgisistan ein. Er schreibt uns seine E-mail und Handynummer auf, sodass wir ihn kontaktieren können, sobald wir in Bishkek, der Hauptstadt von Kirgisistan ankommen.


Und so erwarten wir gespannt, was wir die nächsten Wochen und Monate noch alles erleben werden!

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1 Kommentar

  1. Maraike Reimer 18. Mai 2012 at 15:34

    Wahnsinn! Ihr habt meinen vollen Respekt. Ich kann mir kaum vorstellen, wie man sich jeden Tag wieder motivieren kann auf’s Rad zu steigen. Einfach toll!
    Wir wünschen euch noch ganz viel Spaß und starke Beine :-)

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