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10 Tipps für Reisen mit Zöliakie

Von Gastblogger , 19. Juli 2016

Manchmal kann das Reisen und die Vorbereitung darauf einen ja als „Normalreisenden“ hier und da bereits aus der Ruhe bringen. Wenn man dann noch penibel auf seine Ernährung achten muss, kann das Ganze schnell noch ein bisschen umständlicher werden. Zöliakie ist eine Autoimmunkrankheit, bei der man keine Spur Gluten zu sich nehmen darf. Alles, wo sich die kleinste Spur des Getreideklebereiweißes versteckt haben könnte, muss ausgetauscht werden – Toaster, Backformen, Holzbrettchen. Wenn man sich nach einigen Anlaufschwierigkeiten zu Hause darauf eingestellt hat, dann klappt es nach einer Weile ganz gut, diese Diät einzuhalten. Problematisch wird es dann, wenn es einen ständig in die Welt hinauszieht. Unterwegs wird man so manches Mal auf die Probe gestellt. Für mich gehört das Probieren landestypischer Gerichte genauso zu einer Reise, wie für manche das Postkartenschreiben. Früher, als ich mir noch keine Gedanken um mein Essen machen musste, habe ich mich gerne einmal quer durch die jeweilige Küche probiert. Süße, klebrige Backwaren in der Türkei, Chapatis und Mandazis in Kenia, undefinierbare Gerichte in China, die vor Sojasoße trieften. Und das war dann von dem einen auf den anderen Tag vorbei – keine „normalen“ Backwaren, Pasta, Pizzen, Döner, Eis im Hörnchen mehr.

Reisen mit Zöliakie – Ohne Bauchschmerzen unterwegs

Mein Name ist Anna Greta und ich blogge seit dem vergangenen November auf www.glutenfreiumdiewelt.de über das Reisen mit Zöliakie. 2009 wurde die Autoimmunkrankheit bei mir diagnostiziert, was mich seitdem aber nicht vom Reisen abgehalten hat. Auf meinem Blog gebe ich meine persönlichen Erfahrungen weiter, die ich in einem Land oder einer Stadt gesammelt habe, um auch anderen Betroffenen Mut zu geben, trotz der Zöliakie die Welt zu entdecken.

Manchmal freuen sich auch Erwachsene über das gelbe M. In Schweden gibt es hier auch glutenfreie Hamburger!

In diesem Artikel verrate ich euch meine 10 Tipps, die euch das Reisen mit Zöliakie erleichtern können.

DIE VORBEREITUNG

Wie vor jeder Reise stehen die Planung und Vorbereitung an. Eigentlich sieht das bei Zöliakie wie bei jeder anderen Planung aus, nur mit ein paar special effects. Bei einer „glutenfreien Reisevorbereitung“ werden nicht nur Reiseführer gewälzt, eine Menge von Foren durchgeklickt und ein grober Plan überlegt, was man auf Reisen alles erleben mag. Es fängt hier auch schon mit der Auswahl des Reiselandes oder der Unterkunft an.

1. Sucht die „richtigen“ Reiseländer aus!

Auch wenn bei mir oft der Finger auf der Weltkarte entscheidet, wo es als nächstes hingeht, ist es manchmal schon sinnvoll, sich vorher mit dem Essensangebot im jeweiligen Land auseinander zu setzen. Suche danach, welche landestypischen Gerichte es gibt und welche Zutaten dafür verwendet werden, oder wie das jeweilige Land auf spezielle glutenfreie Nahrung eingestellt ist. Wenn du dir unsicher bist, helfen Touristenzentralen auch gerne auf Anfrage weiter.

Mexiko ist ein kleines Paradies für glutenfreies Essen.

2. Wählt die richtige Art von Unterkunft.

Anstatt nach Hotels suche ich am liebsten nach Apartments oder Hostels, in denen man sich selbst verpflegen kann. Klar futtere ich mich gerne an Garküchen und auf Märkten durch das landestypische Angebot. Aber es ist auch beruhigend, auf Nummer Sicher gehen zu können und im Notfall die Möglichkeit zu haben, für sich selbst zu sorgen.

Falls man doch in einem Hotel unterkommt, ist es eine Erleichterung, wenn man vorher schon eine E-Mail schreibt, in der man sein Problem schildert, so dass man sich vor eurer Anreise schon auf die Bedürfnisse einstellen und z.B. glutenfreies Brot besorgen oder sich zumindest erkundigen kann, was es mit diesem „Gluten“ auf sich hat.

3. Bestellt das Essen für den Flug vor!

Ein Flug ohne Mahlzeit und Knabbereien kann ganz schön lang werden. Alleine vor Langeweile esse ich da gerne etwas mehr als sonst. Bei (Langstrecken-) Flügen, bei denen eine Mahlzeit eingeplant ist, kann man problemlos bei der Fluggesellschaft (meist schon während des Buchungsvorgangs) ein Special Meal bestellen. Manchmal wird an Board noch einmal abgehakt, ob man am richtigen Platz sitzt und auch das Allergikeressen an Board ist – leider geht das aber auch ab und zu schief. Das kann ganz schön enttäuschend und frustrierend sein. Auf Kurzstrecken sieht es bei den kleinen Snacks, die verteilt werden nicht gut für uns aus. Hier gibt es nur wenige Fluggesellschaften, die ein kleines Kontingent für Allergiker an Board haben.

Also seid auch hier gewappnet und packt euch etwas Leckeres ins Handgepäck – geschmierte Brote, Muffins, Obst. Da könnt ihr ganz kreativ sein – natürlich solltet ihr keine Smoothies oder andere Flüssigkeiten einpacken, die werden euch bei der Sicherheitskontrolle abgenommen!

Oft hat mal Glück mit seinem glutenfreien Special Meal an Board…

 

… oder auch Pech.

4. Versucht Allergikernahrung anzumelden.

Wenn man nur mit Handgepäck reist und die Kilozahl eh schon sehr begrenzt ist, geben manche Fluggesellschaften sogar etwas Freigepäck, wenn man im Vorfeld Kontakt aufnimmt und erklärt, dass man aufgrund der Krankheit auf Spezialnahrung angewiesen ist.

5. Nehmt genug Vorrat mit!

Je nachdem, was meine vorherige Recherche bezüglich der typischen Lebensmittel in einem Land ergeben hat, kann ich mich dann darauf einstellen, ob ich viel Ersatznahrung wie z.B. eingeschweißtes Brot und Nudeln in mein Gepäck quetsche, oder mit leichterem Gepäck reise. Eigentlich mag ich es gar nicht, auf Reisen noch das abgepackte Brot von zu Hause zu essen – es gibt meist so viele interessante Dinge oder tolles Obst zu essen, so dass dies oft nur meine Notration ist. Aber hier bin ich lieber gut vorbereitet, als dass ich dann mit ständigem Hunger die Reise verbringe und nicht mehr richtig genießen kann.

6. Besorgt euch ein ärztliches Attest.

Glutenfreies Brot, Nudeln, Kekse und Kuchen im Koffer? Was denkt sich da der Zoll bei der Einreise? Die Frage habe ich mir auch schon oft gestellt und mir von meinem Hausarzt ein Attest auf Englisch ausstellen lassen, in dem meine Allergien und die Zöliakie beschrieben werden und dass ich aufgrund dessen auf spezielle Nahrung angewiesen bin. Bisher wurde ich noch nie auf die Nahrungsmittel bei der Einreise angesprochen. Und eigentlich ist es ja auch kein „offizielles“ Dokument. Aber zumindest ist es beruhigend, in solch einem Fall irgendetwas vorweisen zu können.

7. Erstellt euch vor Kurztrips einen Plan.

Da die Zeit bei Kurztrips ja meist sehr knapp ist, ist es hier hilfreich vorher schon einen kleinen Masterplan zu erstellen. Markiert die glutenfreien Restaurants oder Cafés, die ihr unbedingt besuchen möchtet wie Sehenswürdigkeiten im Stadtplan ein, oder schreibt euch die Adresse heraus. So könnt ihr euren Tagesplan so ausarbeiten, dass ihr diese „Highlights“ nicht verpasst. Ein kleiner Tipp am Rande: Notiert euch auch die Öffnungszeiten. Nichts ist so frustrierend, als wenn man sich den ganzen Tag auf genau DIESES Highlight freut und es dann geschlossen hat – da spreche ich aus mehrmaliger Erfahrung.

UNTERWEGS

Die ausführliche Vorbereitung ist erledigt und nun geht es endlich los. Hier sind meine weiteren Tipps, wie ihr euch die Zeit unterwegs erleichtern könnt.

8. Fragen lohnt sich.

Ihr seid euch unterwegs z.B. in Restaurants oder auf Märkten nicht ganz sicher, ob es wirklich glutenfrei ist? Habt keine Scheu zu fragen. Meist kann man auch gerne die Etiketten der Zutaten durchgucken oder direkt beim Kochen über die Schulter schauen. Fragt, ob zur Sicherheit die Pfannen und Utensilien vorher noch einmal richtig geschrubbt werden können, wenn du dir unsicher bist! Fragen kostet ja bekanntlich nichts.

In Restaurants kann man auch manchmal Glück haben und es gibt eine spezielle Karte, in der die Allergene ausgezeichnet sind.

Eine glutenfreie Speisekarte in einem Tapasrestaurant in Porto.

Dass glutenfreie Dinge vorhanden sind, bedeutet noch nicht automatisch, dass diese ohne Kontamination auf dem Teller oder im Bauch ankommen. Versichert euch, wie das Brötchen oder der Toast aufgebacken werden. Es bringt nicht viel, wenn ein eigentlich glutenfreies Brötchen in den Krümeln von glutenhaltigen Backwaren oder im gleichen Toaster aufgebacken wird. Es ist immer hilfreich, das Servicepersonal zu fragen, ob es möglich ist, kurz mit dem Koch zu sprechen. Wer sollte besser wissen, was im Essen enthalten ist oder wie es zubereitet wird, als der Künstler selbst?

Bei Brotscheiben frage ich immer ganz explizit danach, ob sie vielleicht in einer sauberen Pfanne angeröstet werden können, damit sie nicht mit Toasterkrümeln oder sonst etwas in Berührung kommen.

In manchen Hotels hat man Glück mit seinem glutenfreien Frühstück.

Leider war es im Endeffekt hier nicht glutenfrei – gut, dass ich vorher gefragt habe!

9. Vertraut nicht blind und verzichtet bei Unsicherheit.

Gib aber am Buffet acht, wie andere Gäste mit den angerichteten Speisen umgehen. War der Löffel für die glutenfreien Sachen vielleicht gerade schon einmal in den Nudeln nebenan? Oder hat der Gast vor euch mit seinen Brötchen eine Krümelspur auf dem Buffet hinterlassen? Wurde der Löffel für die Croutons auch schon für andere Salatzutaten benutzt? Haltet einfach die Augen offen, wie auch andere Gäste mit den Lebensmitteln und Bestecken am Buffet umgehen.

In Restaurants oder Cafés wird letzter Zeit immer mehr mit glutenfreien Sachen geworben. Aber auch hier muss zusätzlich nachgefragt werden, wie die Gerichte zubereitet werden. Vom Grundgedanken her ist es ja toll, wenn z.B. in einem Café glutenfreie Crèpes angeboten werden – aber wenn sie auf der gleichen Platte gemacht werden, wie die aus Weizenmehl, hat sich das für Menschen mit Zöliakie auch schon wieder erledigt. Leider wird „glutenfrei“ zunehmend als Marketingmittel eingesetzt, obwohl man sich mit der Thematik nicht komplett auskennt – hier muss ich  noch einmal deutlich machen, dass für Menschen mit Zöliakie wirklich keine Spur Gluten im Essen enthalten sein darf.

Zur Sicherheit kann da die Bitte an den Koch auf der jeweiligen Landessprache weiterhelfen, die man sich online herunterladen kann. Wenn man schon ein unsicheres Gefühl hast und meint, dass der Koch nur erzählt, dass das Essen glutenfrei ist, damit er seinen Umsatz steigert, dann lasst bitte die Finger davon!

Bei solchen Hinweisen bin ich schon immer beruhigt!

10. Sei nachsichtig.

Ich weiss, wie schwierig es manchmal ist, geduldig zu bleiben. Das ein oder andere Mal wäre ich selbst gerne schon durch die Decke gegangen. Man fühlt sich so unverstanden und machtlos. Aber wenn jemand noch nie etwas von unseren Leiden gehört hat, ist es wahrscheinlich ganz normal, dass komisch reagiert wird. Für uns ist essentiell, dass auf jedes kleine Detail geachtet wird. Für andere gelten wir schnell als pingelig, nörgelnd und anstrengend.

Versucht einfach in Gedanken die Rollen zu tauschen – wie würdet ihr reagieren, wenn ihr noch nie etwas von Zöliakie gehört hättet und jemand nun mit ganz außergewöhnlichen Bedürfnissen vor euch steht? Wahrscheinlich würdet ihr euch auch wünschen, dass die betroffene Person erklärt, warum sie all diese essenstechnischen Verhaltensregeln herunterrattert? Setzt auf Verständnis – wenn ihr entspannt und lieb fragt, ist es wahrscheinlicher, dass man eure (notwendigen) Wünsche gerne erfüllt oder sich zumindest mehr bemüht. Aber solltet ihr trotzdem ein unsicheres Gefühl haben, gilt Tipp 9!

Für mich ist jeder, der trotz seiner Zöliakie die Welt erkundet, so etwas wie ein Abenteuerurlauber. Man kann nie wissen, was einen erwartet und man muss auf alles vorbereitet sein. Falls du auch Zöliakie hast und das Reisen zu deiner Leidenschaft gehört, hoffe ich, dass dir meine Tipps auf deiner nächsten Reise weiterhelfen. Sollte sich der Artikel für dich etwas paranoid oder krankhaft anhören, kann ich das auch gut verstehen. Wäre ich selbst nicht betroffen, wäre das bei mir bestimmt nicht anders. Aber da siehst du, wie froh du sein kannst, wenn du dir bei deiner Reisevorbereitung und unterwegs nicht noch Gedanken darum machen musst, wie du was wo und warum isst – oder eben auch nicht!

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Eine Antwort zu “10 Tipps für Reisen mit Zöliakie”

  1. Darja sagt:

    Hallo! Ich finde deinen Blog sehr hilfreich. Hast du auch Erfahrungen im Land Mexico?

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