Ozeanien

Zu Fuß durch Westaustralien – 1.000 km Wandern auf dem Bibbulmun Track

Von Gastblogger , 22. März 2018

„Fernwandern in Westaustralien, da muss man doch verrückt sein. Immerhin gibt es dort allerlei gefährliches Getier, es ist heiß und verdursten muss man wahrscheinlich auch.“ …so oder so ähnlich waren meine Gedanken, als ich zum ersten Mal von der 1.000 km langen Fernwanderung auf dem Bibbulmun Track im Südwesten Australiens hörte. Der Gedanke daran ließ mich trotzdem (oder gerade deswegen?) nicht mehr los und nach einiger Recherche stellte ich glücklicherweise fest, dass das alles auch nur halb so wild ist.

Zugegeben: Um Tiere wie giftige Schlangen und handtellergroße Spinnen kommt man nicht drum herum. Aber die wollen ja eigentlich gar nichts mit Wanderern zu tun haben und verhalten sich in aller Regel auch so. Und ja, auch heiß kann es entlang des Tracks werden. Allerdings vor allem im australischen Sommer, während es im Frühling und Herbst, der besten Wanderzeit für den Trail, oft angenehm mild ist und vor allem nachts sogar noch ziemlich frisch werden kann. Genauso ist die Wasserversorgung dank des regenreichen Winters im Südwesten des Landes und Wassertanks, die diesen Regen für durstige Wanderer sammeln, gesichert.

Kaum waren die letzten Zweifel über Bord geworfen, war auch schon mein Flug nach Perth, in die Hauptstadt Westaustraliens gebucht. Und ein paar Monate später stand ich endlich am nördlichen Startpunkt des Bibbulmun Track im kleinen Ort Kalamunda, eine halbstündige Autofahrt von Perth entfernt. Der Rucksack wog schwer mit all dem Essen für zehn Tagesetappen im Gepäck. Aber immerhin wurde der ja dann von Tag zu Tag leichter – und sollte auch nie wieder so schwer werden. Abgesehen von diesem ersten Abschnitt hat man nämlich mindestens einmal pro Woche die Möglichkeit, Nachschub einzukaufen.

Kaum lagen die ersten Kilometer hinter mir, war ich ganz und gar in dieser neuen, anderen Welt angekommen. War von nichts anderem umgeben als dichtem Eukalyptuswald und zahlreichen Vögeln in allen Farben und Formen, deren Geschnatter je nach Vogelart mal mehr (zum Beispiel im Falle der tiefblauen Fairy Wrens) und mal weniger lieblich (wie bei Kakadus oder Kookaburras) ausfiel. Ab und an hüpfte ein Känguru oder Wallaby vorbei, als wollten sie mich zwischendurch daran erinnern, in welchem Land ich mich befand. Und ich hatte quasi nichts anderes zu tun, als einen Fuß vor den anderen zu setzen und all das zu genießen.

Was so schön klingt, war allerdings nicht immer einfach, denn selbst wenn in Südwestaustralien keine großen Berge beheimatet sind, geht es doch vor allem im ersten Teil der Wanderung fröhlich auf und ab und auf und ab und (…). Sogar der ein oder andere Gipfel ist dabei, von dem aus man dann allerdings auch eine atemberaubende Rundum-Sicht auf die endlosen Eukalyptuswälder hat. Durch diese wunderschönen Wälder führt der Bibbulmun Track hauptsächlich auf den ersten 750 Kilometern, bis… ja bis es irgendwann nicht mehr weiter nach Süden geht, weil die tosenden Wellen des Südlichen Ozeans den Weg versperren. Und allein für dieses Gefühl, nach sechs Wochen wandern durch den australischen Busch plötzlich auf türkisblaue Wellen und weiße Strände zu blicken, lohnt sich diese Wanderung und all ihre Anstrengung.

Für das letzte Viertel der Strecke darf man diesen Anblick dann zur Belohnung auch behalten, denn auf diesem Abschnitt bleibt der Trail die meiste Zeit direkt an der Küste, verläuft dort über steile Klippen, wilde Dünen und immer wieder sogar direkt auf dem Strand entlang. Nur für das Valley of the Giants in der Nähe von Walpole macht die Route nochmal einen größeren Schlenker ins Inland. Hier wohnen nämlich die bis zu 40 Meter hohen und 400 Jahre alten Red Tingle-Bäume, die sich nicht nur von unten, sondern dank eines Baumkronenpfades auch von weit über dem Boden bestaunen lassen.

Übernachtet wird hier wie überall entlang des Tracks in einfachen, zu drei Seiten geschlossenen Hütten, in denen man auf hölzernen Plattformen Isomatte und Schlafsack ausrollt. Und am Meer kann man von dort aus an den Wander-Feierabenden nicht nur Bäume und Kängurus, sondern auch Wellen und mit etwas Glück sogar Wale zählen!

Inmitten dieser Kulisse verflog die Zeit sehr viel schneller als mir lieb war. Und ehe ich mich versah, war ich auch schon in Albany und damit am südlichen Ende des Bibbulmun Tracks angekommen. Hinter mir lagen großartige zwei Monate, die ich inmitten der faszinierenden Natur Westaustraliens verbringen durfte. Und dabei bin ich weder verdurstet noch von irgendwelchen Tieren angefallen worden (mal abgesehen von den Moskitos, die mir während der warmen Tage am Meer das Leben schwer gemacht haben.) Wer hätte das gedacht?!

Was Du über den Bibbulmun Track wissen musst

Länge: rund 1.000 km

Route: von Kalamunda in der Nähe von Perth bis Albany an der Südküste Westaustraliens über Wanderwege und teilweise auf Forststraßen und Jeep Tracks

Schwierigkeit: Du brauchst keine besonderen Fähigkeiten, aber aufgrund der Länge natürlich Durchhaltevermögen, vor allem auch für die bergigen Regionen im Norden und die Sanddünen im Süden. Der Trail ist mit gelben Dreiecken gekennzeichnet, die ein stilisiertes Waugal zeigen (eine Regenbogenschlange aus den Traumzeitgeschichten der Aborigines) und in aller Regel gut erkennbar, ein paar Grundkenntnisse in Sachen Wegfindung sowie die Wanderkarten solltest Du aber trotzdem im Gepäck haben. Je nach Wetter und Jahreszeit kann der Trail zudem stellenweise überschwemmt und schlammig sein.

Beste Reisezeit: Die beste Zeit für den Bibbulmun Track sind September und Oktober, also der australische Frühling. Dann ist es noch nicht zu heiß, aber auch nicht mehr so kalt und nass wie im Winter. Die Regenwassertanks sind gut gefüllt und die Gefahr für Waldbrände noch relativ gering. Außerdem blühen zu dieser Zeit die Wildblumen. Auch der Herbst ist prinzipiell gut geeignet, dann aber ohne Blumen und mit einem gewissen Risiko für Wasserknappheit.

Übernachten: Ca. alle 20 km gibt es einfache, zu drei Seiten geschlossene Hütten mit Plattformen für Isomatte und Schlafsack, Regenwassertanks, Tischen/Bänken und Toiletten. Auch Lagerfeuerstellen gibt es an vielen Hütten. Ein leichtes Zelt solltest Du aber trotzdem dabei haben, falls zum Beispiel Hütten belegt sind oder auch zum Schutz gegen Moskitos.

Versorgung: Wasser kannst Du täglich an den Regenwassertanks auffüllen und Proviant in regelmäßigen Abständen in Orten am Wegesrand nachkaufen. Hier kannst Du auch zur Abwechslung mal in einem richtigen Bett schlafen, Wäsche waschen, Deine Geräte aufladen usw.

Varianten: Wenn Du nicht gleich für zwei Monate den Rucksack schultern willst, kannst Du auch nur einen Abschnitt des Weges gehen oder Tagestouren auf dem Bibbulmun Track machen. Ein besonders schöner Teil des Fernwanderwegs ist zum Beispiel der zwischen Walpole und Denmark, wo der Bibbulmun Track nicht nur einem wunderschönen Küstenabschnitt folgt, sondern auch durch Wälder mit riesigen und alten Eukalyptusbäumen führt.

Mehr Infos: Die Webseite der Bibbulmun Track Foundation ist sehr ausführlich und hilfreich. Außerdem gibt es auf meinem Blog detaillierte Berichte, eine Packliste und mehr.

 

Unsere Gastbloggerin Kathrin berichtet auf ihrem Blog „Fräulein Draussen“ über ihre große Leidenschaft – das Wandern. Und am liebsten sucht sie sich die richtig langen Wanderungen aus und ist auch schon einmal komplett durch Großbritannien gewandert.

Eine Antwort zu “Zu Fuß durch Westaustralien – 1.000 km Wandern auf dem Bibbulmun Track”

  1. Stefan Kuhn sagt:

    Wir haben den Weg ohne jegliche Wasserprobleme im australischen Herbst gemacht. Vorteil: Die Inlets an der Küste lassen sich zu dieser Zeit immer bequem über eine Sandbank queren. Mehr zu unserer Tour unter: https://happyhiker.de/bibbulmun-track-albany-denmark/

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