Reiseberichte

5 Erlebnisse in Rio de Janeiro, Buenos Aires & Umgebung

Von Die STA Travel Reiseexperten , 09. Mai 2019

Das Wichtigste beim Reisen ist für mich immer, ein Land so authentisch wie möglich zu erleben – egal ob es um das Essen, die Unterkünfte oder die Aktivitäten vor Ort geht. Bisher habe ich das geschafft, indem ich individuell gereist bin und mir viel Zeit gelassen habe. Da das aber leider nicht immer möglich ist, habe ich mich bei meiner Reise durch Brasilien und Argentinien auf ein Abenteuer der anderen Art eingelassen – eine geführte Rundreise in der Kleingruppe. Und ich wurde mehr als positiv überrascht! Bei keiner meiner Reisen habe ich in so kurzer Zeit so viel gesehen und gelernt wie in dieser Woche in Südamerika. Was das Ganze besonders spannend machte, war unser Local Guide Vladimir, der halb Brasilianer, halb Bolivianer ist, auch wenn der Name anderes vermuten lässt, dessen Wissen über die Geschichte, Politik, Bräuche und Sitten der Länder, die wir bereisten, schier unbegrenzt schien. Dies sind meine 5 Highlights, die ihr in Rio de Janeiro und Buenos Aires auf keinen Fall verpassen solltet.

Diese Aktivitäten solltet ihr in Rio de Janeiro und Buenos Aires nicht verpassen

Spürt an der Copacabana die untergehende Sonne auf der Haut

Ein Besuch der berühmte Copacabana ist ein Muss bei einer Reise nach Rio de Janeiro. Besonders schön, und auch etwas ruhiger als tagsüber, ist es dort bei Sonnenaufgang oder für Langschläfer bei Sonnenuntergang. Schnappt euch einen frisch gemixten Caipirinha bei einem der zahlreichen Verkäufer entlang der Promenade und genießt die entspannte Strandatmosphäre. Es lohnt sich auch, zum Forte de Copacabana zu schlendern. Es liegt zwischen dem Copacabana Beach und dem Ipanema Beach und bietet insbesondere bei Sonnenuntergang eine einmalige Aussicht sowohl auf die Bucht als auch auf den Zuckerhut.

Brasilien_Rio_de_JaneiroSonnenuntergang am Strand von Rio de Janeiro

 

Brasilien_Rio_de_JaneiroFrisch gemixte Caipirinhas an der Copacabana

Sehe Rio durch die Augen der Einheimischen

Jeder kennt den Zuckerhut, portugiesisch Pão de Açúcar, und auch die Cristo Redentor Statue steht bei den meisten Rio-Besuchern ganz oben auf der Liste – und das völlig zu Recht. Wenn ihr aber mehr als die üblichen Touristenhotspots sehen und Rio wie die Einheimischen erleben möchtet, lohnt sich der Besuch einer Favela.

Brasilien_Rio-de-Janeiro_VidigalVidigal gilt als eine der sichersten und modernsten Favelas in Rio

Favelas sind die Randgebiete brasilianischer Städte. Rund um Rio de Janeiro gibt es die größten Favelas, denn fast ein Drittel aller Einwohner Rios lebt dort. Diese Viertel wurden zumeist an Hängen illegal errichtet, woher sie ihren Namen haben: „Favela“. Denn so heißt auch eine brasilianische Kletterpflanze. Ohne Strom- und Wasserversorgung, ohne öffentliches Verkehrsnetz und andere infrastrukturelle Einrichtungen wie Schulen oder Krankenhäuser entwickelten sich die Favelas zu den gefürchteten Schauplätzen von Drogenbossen und Bandenkriegen, welche man auch aus Filmen wie City of God kennt. Mittlerweile hat sich die Lage in vielen Favelas aber gebessert und die Regierung versucht, durch Hilfsprogramme die Versorgung in den ärmeren Vororten auszubauen. Heute gelten einige der Favelas, vor allem im Süden Rios, als „befriedet“. Sie stehen also nicht mehr unter der Kontrolle einer Gang oder eines Drogenbosses und bieten den Bewohnern eine entsprechende Versorgung, um die Lebensqualität zu verbessern.

Brasilien_Rio-de-Janeiro_VidigalVidigal von oben

Als ich erfahren habe, dass eine Favela-Tour auf dem Programm steht, hatte ich zuerst sehr gemischte Gefühle. Es fühlte sich einfach nicht richtig an, die Armut anderer Menschen anzuschauen. Nach einiger Überlegung habe ich mich aber dazu entschlossen, aufgeschlossen für die Erfahrung zu sein. Im Nachhinein betrachtet war der Besuch der Favela eines der absoluten Highlights meiner Reise. Ich bin nun davon überzeugt, dass diese Art von Tourismus eine wichtige Rolle dabei spielt, Vorurteile abzubauen und ein besseres Verständnis für das Leben anderer Menschen zu bekommen. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Angebote von den Einheimischen ausgehen und ihnen nichts aufgezwungen wird.

Unser Guide Vladimir führte uns durch das Verkehrschaos Rios nach Vidigal. Sie galt aufgrund von Drogengeschäften lange Zeit als eine der gefährlichsten Favelas, zählt aber seit der Befriedung 2011 zu den sichersten und modernsten. Dort gibt es auch ein Hostel und verschiedene Freiwilligenprogramme. Über diese kann man im Austausch gegen Mithilfe bei verschiedenen Projekten wochen- oder monatelang in Vidigal wohnen und portugiesisch lernen. Die Projekte, die ich kennenlernen durfte, wurden alle von Bewohnern der Favela ins Leben gerufen. Wir besuchten unter anderem den Gemeinschaftsgarten Sitiê Eco Park, eine ehemalige Müllhalde, die nun in einen Dschungel verwandelt wurde, die junge Gründerin von Batuca Vidi, eine Percussiongruppe für Kinder und Jugendliche in der Favela, das Vidigal Capoeira Studio und Vidigal Beer, eine Brauerei über den Dächern der Favela. Zum Abschluss sprachen wir noch mit Adam Newman, dem CEO der sozialen Initiative Favela Experience. Adam sieht Touren wie jene, an der ich teilnehmen durfte, nicht als „Safari-Touren“ sondern ist davon überzeugt, dass durch den Kontakt mit den Einheimischen Vorurteile auf beiden Seiten abgebaut werden und alle Beteiligten voneinander lernen können. Ich für meinen Teil bin sehr froh, diese einzigartige Erfahrung gemacht zu haben.

Brasilien_Rio-de-JaneiroEine Einführung in verschiedene brasilianische Musikinstrumente bei Vidigal Capoeira

Worauf ihr achten solltet: Der Besuch einer Favela als Tourist kann nach wie vor gefährlich sein. Die engen Gassen und Treppen, die wie ein Labyrinth angelegt sind, machen es zudem nicht leicht, sich ohne Guide zurechtzufinden. Informiert euch gut, in welche der Viertel man alleine gehen kann, wo man besser eine Tour machen und welche man gänzlich vermeiden sollte. Nehmt am besten nur die nötigsten Wertsachen mit und tragt sie nicht sichtbar am Körper. Geht außerdem nicht nachts in eine Gegend, die ihr nicht kennt. Aufgrund der hohen Armut ist Kriminalität noch immer gang und gäbe, auch wenn sich die Lebenssituation der Menschen gebessert hat. Ein weiterer wichtiger Hinweis ist, Menschen nur mit deren Erlaubnis zu fotografieren. Achtet auch darauf, euch beim Buchen einer Favela-Tour folgende Fragen zu stellen:

– Von wem wird die Tour organisiert, geht sie von der Gemeinschaft selbst aus oder von außerhalb?

– Wer profitiert davon? Bleiben die Gewinne in der Favela?

– Ist der Guide ein Einheimischer? Wie sieht während der Tour der Kontakt mit den Einwohnern der Favela aus?

 

Höre das Rauschen der Iguazú Wasserfälle aus nächster Nähe

Die Wasserfälle von Iguazú liegen an der Grenze zwischen Brasilien, Argentinien und Paraguay. Mit einer Ausdehnung von 2,7 Kilometern sind sie die größten Wasserfälle der Welt. Pro Sekunde rauschen hier zwischen 1.500m³ bis über 7.000m³ Wasser über die zahlreichen Abgründe!

Argentinien_IguazuAusblick auf einen Teil der gigantischen Iguazú Wasserfälle

Es lohnt sich, für den Besuch zumindest eineinhalb Tage Zeit einzuplanen. Am besten startet man die Erkundung der Wasserfälle von Foz do Iguaçu und erkundet sowohl die brasilianische als auch die argentinische Seite. Von der brasilianischen Seite aus hat man einen wunderschönen Panoramablick auf die Wasserfälle. Hier kann man circa zwei Stunden einen asphaltierten Weg entlang spazieren und tolle Fotos machen. Auf der argentinischen Seite hingegen kommt man den Wasserfällen so richtig nahe – insbesondere dem Hauptwasserfall Garganta del Diablo, dem Teufelsschlund, einer U-förmigen und 700 Meter langen Schlucht, in die die Wassermassen nur so hinunterdonnern. Für diesen Teil des Nationalparks rund um die Fälle sollte man mindestens einen ganzen Tag einplanen und am besten früh morgens starten. So vermeidet man die Touristenmassen, die in großen Bussen anreisen. Zwischen den Stationen, von welchen aus man die verschiedenen Abschnitte der Wasserfälle erkunden kann, fährt ein kleiner Zug.

Argentinien_IguazuGarganta del Diablo, der Teufelsschlund

Die Iguazú Wasserfälle sind ein einmaliges Naturspektakel. Wenn ihr sie auf noch eindrucksvollere Art erleben möchtet, empfehle ich euch, mit dem Boot direkt an den Fuß der Fälle zu fahren. Diese Bootsfahrten werden auf der argentinischen Seite des Nationalparks angeboten. Sie sind weniger eine gemütliche Bootsrundfahrt und mehr Adrenalinschub. Die Speed-Boote fahren nämlich nicht nur in die Nähe der Fälle, sondern direkt darunter durch. Ihr könnt euch also darauf einstellen, komplett durchnässt zu werden. Mein Tipp ist, nur in Bikini oder Badehose aufs Boot zu gehen und alles andere in den wasserdichten Säcken zu verstauen, die zur Verfügung gestellt werden. Mit Poncho oder Regenjacke kommt man hier nämlich nicht sehr weit.

Argentinien_IguazuEs ist ein ganz besonderes Abenteuer, mit dem Boot durch die Wasserfälle zu fahren

Erkunde Buenos Aires mit dem Fahrrad

Buenos Aires ist eine Stadt, die mich vom ersten Moment an überrascht und in ihren Bann gezogen hat. Sie ist zu gleichen Teilen modern und voller Geschichte, welche sich unter anderem in den prächtigen alten Gebäuden wie etwa der Casa Rosada oder dem Palacio Barolo widerspiegelt. Die Einwohner Buenos Aires nennen sich „Porteños“, abgeleitet von „puerto“, dem Hafen, und sind stolz auf ihre Einwandererwurzeln.

Argentinien_Buenos-AiresCaminito, die farbenfrohen Straßen im Hafenviertel La Boca

Am meisten sieht man von der 3-Millionen-Stadt, wenn man das Häusermeer mit dem Fahrrad erkundet. Buenos Aires ist ideal zum Radeln. Es geht durchgehend sehr flach dahin und es gibt viele von den Straßen abgegrenzte Fahrradwege. Unser einheimischer Guide Federico führte uns auf den Rädern vom Stadtviertel Monserrat aus, wo sich der Fahrradverleih befindet, in den Süden der Stadt. Dort findet man die ältesten und geschichtsträchtigsten Stadtteile Buenos Aires, da hier die Stadt vor circa 500 Jahren entstanden ist.

Argentinien_Buenos-AiresCasa Rosada: der Palast des argentinischen Präsidenten

Auf dem Weg blieben wir bei zahlreichen Denkmälern stehen, lernten viel über deren Entstehung und Geschichte. Im Arbeiterviertel La Boca besuchten wir den Caminito. Diese bunte Fußgängerzone ist der Geburtsort des Tangos. Dort hatten wir Zeit zu essen und herumzuschlendern. Auch im modernsten Viertel Buenos Aires, Puerto Madero, legten wir einen Stopp ein. Hier wurden Teile des alten Hafens in moderne Büro- und Wohngebäude verwandelt. In den Penthouse-Wohnungen der schicken Hochhäuser leben laut Federico nur berühmte argentinische Fußballer, die Frauen und Ex-Frauen von Fußballern und korrupte Politiker.

Argentinien_Buenos-AiresEntlang der Avenida 9 de Julio, mit Blick auf den berühmten Obelisken von Buenos Aires

BA Bikes bietet auch eigene Foodie-Touren, Street-Art-Touren und sogar einen Ganztagesausflug an, auf welchem man mit dem Fahrrad von Buenos Aires nach Uruguay fährt.

Tanze Tango in seiner Geburtsstadt Buenos Aires

Buenos Aires ist nicht nur die Welthauptstadt des Fußballs und der großartigen Steaks, hier liegt auch der Ursprung des Tangos. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts strömten Einwanderer nach Südamerika, vor allem aus Spanien, Italien oder auch Osteuropa. Viele landeten in den Armenvierteln am Stadtrand von Buenos Aires, z.B. dem heutigen La Boca. Man hatte zwar nicht dieselbe Sprache wie der Nachbar, doch es wurde viel gemeinsam musiziert, gesungen und getanzt. Aus den verschiedenen Einflüssen entstand über die letzten 150 Jahre der Tango wie wir ihn heute kennen. Was damals als verrucht galt, hat sich mittlerweile zu einem Sinnbild von Leidenschaft und Sinnlichkeit entwickelt.

Argentinien_Buenos-AiresDas historische Tangorestaurant El Querandi

Im Hinblick auf die faszinierende Entstehungsgeschichte des Tangos in Buenos Aires kann man nicht umhin, sich bei einem Aufenthalt in der Stadt damit zu befassen. Am besten macht man das bei den Tangoshows, welche in verschiedenen Restaurants angeboten werden. Wir waren am Abend zum Beispiel im El Querandi, wo wir zunächst eine Einführung erhielten und dann selbst das Tanzbein schwingen durften. Im Anschluss wurden wir in den Festsaal geführt, in welchem es scheint, als wäre die Zeit vor hundert Jahren stehen geblieben.

Argentinien_Buenos-AiresTänzer während der Tangoshow

Nachdem ein 3-Gänge-Menü serviert wurde, startete die Tangoshow, in welcher wir eine Zeitreise durch die Geschichte des Tangos von den Anfängen bis in die Gegenwart machten. Die sechs Tänzer und Tänzerinnen wurden begleitet von zwei Live-Sängern und vier Musikern. Ein gelungener Abend in sehr schöner Atmosphäre, der euren Aufenthalt in Buenos Aires sicher bereichern wird!

Auch euch hat das Reisefieber gepackt? Entdeckt hier unsere Südamerika-Rundreisen und –Flüge.

Ihr möchtet euch bei einem Freiwilligenprojekt in Rio de Janeiro engagieren? Hier findet ihr unsere Angebote.

Lest weiter: „Südamerika – Buenos Aires, Iguazú-Wasserfälle und Ilha Grande“

Lest weiter: „Viele Tipps und Highlights für eine Reise nach Bolivien“

Lest weiter: „Eine Vulkanwanderung in Guatemala“

Kommentare sind geschlossen.