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Alles aufgeben und reisen: die beste Entscheidung meines Lebens

Von Carina Müßen , 28. Mai 2015

Saxon Yuen gab seinen geliebten Job im STA Travel Marketing Team in London auf, um sich seinen Traum zu erfüllen: reisen und Filme über das Reisen zu drehen. 1 Jahr an Erfahrung reicher ist er zurück und lässt uns wissen, ob auch wir darüber nachdenken sollten, einfach unsere Tastaturen aus dem Fenster zu werfen…

Warum alles aufzugeben und zu reisen die beste Entscheidung meines Lebens war

Vor knapp einem Jahr warf ich nicht nur eine vielversprechende Karriere hin, sondern auch einen Job den ich liebte. Ich sagte meinen Freunden Auf Wiedersehen, verließ meine Wohnung, meine Stadt, meinen heißgeliebten chinesischen Takeaway – mein ganzes Leben, wie ich es kannte – um zu reisen und um einem Traum zu folgen.

Fühle ich mich immer noch wohl mit dieser Entscheidung? Ist das Leben immer noch schön? Hat der Typhus meinem Traum einen Zacken aus der Krone gebrochen? Nun, wenn der Titel dieses Posts nicht schon genug darüber aussagt, dann lest weiter und ich lass es euch wissen…

alles aufgeben und reisen

Damals fühlte sich alles aufzugeben an wie ein unglaublich einschüchterndes und absolut verrücktes  Manöver an, um eine neue Karriere im Reisefilme machen aufzubauen. Ernsthaft, obwohl ich mich vorab gut informiert hatte, einen Partner für das Filme machen an meiner Seite hatte und ein brennendes Verlangen danach Filme über das Reisen zu drehen, gab es natürlich keine Garantie für das Gelingen. Ich wusste nicht, ob ich meinem Herzen folgte oder einfach nur dämlich war. Nun ist ein Jahr vergangen und ich kenne die Antwort: es war ein bisschen von beidem. Aber das ist an dieser Stelle nicht wirklich wichtig.

Am wichtigsten ist, dass ich ein unglaubliches Jahr überstanden habe, mich selbst mit meiner Leidenschaft über Wasser gehalten habe und ich währenddessen unglaublich viel von diesem wunderschönen Planeten gesehen habe. Zusammen mit meiner Filmemacher-Kollegin Nicola, die übrigens im sonnigen Bad Homburg aufgewachsen ist, haben wir bislang mehr als 35 Kurzfilme gedreht. Einer unserer Lieblingsfilme wird auch von STA Travel gefeatured. Es ist eine visuelle Darstellung unserer großartigen Reise – 25.000 Meilen durch 19 Länder und 3 Kontinente von London nach Sydney. Der Film nahm 11 Monate Produktionszeit in Anspruch (ist schließlich ja auch ein langer Trip!) und ihr könnt euch den Trip hier innerhalb von 2 Minuten ansehen.

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Sieht aus, als würden wir den Traum leben, nicht wahr?

Nun, ich glaube auf eine bestimmte Art und Weise ist es das auch gewesen. Wenn ich mal 82 bin werde ich meine Enkel damit langweilen, wie ich damals mit der Transsibirischen Eisenbahn gefahren bin und auf einem Husky-Schlitten. Oder als wir japanische Schneeaffen gefilmt haben oder ein Werbevideo über Hop-on Hop-off Busreisen durch Vietnam, Thailand und Laos.

Ich werde den Enkeln erzählen, wie ich an einem geheimen australischen Surf-Spot mein Mojo gefunden habe, als ich Surf-Lernkurse filmte. Und vielleicht gebe ich sogar zu, dass mir während eines fantastischen Camper Roadtrips durch das Zentrum Australiens eine Träne der Begeisterung über die Wange kullerte, während ich die Sonne über einer menschenverlassenen, blutroten Wüste aufgehen sah.

So, würde ich sagen: ich hab’s geschafft?

Kaum. Der ganze Kram hört sich erstaunlich an und ist es auch, aber es ist auch wirklich harte Arbeit wenn man ernsthaft versucht, eine Karriere und ein Geschäft daraus zu machen. Das wird einem erst so richtig schmerzlich bewusst, wenn man kurz vor einer Deadline bereits im dritten Anlauf versucht, das Video für einen Kunden hochzuladen, der Upload ist bei 98% und der Strom fällt aus und du hast in den vergangenen zwei Tagen weder richtig geschlafen noch geduscht und du weißt, dass der nächste Bus um 5 Uhr früh losfährt, du weißt jedoch nicht, wo du die nächste Nacht verbringst und du bist gerade deine letzten drei Mahlzeiten auf sehr unschöne Art und Weise losgeworden und verzweifelt auf der Suche nach einer Rolle Toilettenpapier, weil du dir Typhus eingefangen hast… nun ja, ihr versteht worauf ich damit hinaus will.*

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Aber ich würde sagen, der bei weitem schwierigste Part des gesamten Vorhabens war die generelle Unsicherheit. Nicht zu wissen, wo man die nächste Nacht verbringt, nicht zu wissen wohin uns das nächste Filmprojekt verschlagen wird und am allerschlimmsten: nicht zu wissen wo der nächste Lohn herkommt. Natürlich kann das alles sehr aufregend sein, aber nach über einem Jahr von Augenblick zu Augenblick und aus dem Backpack zu leben, ist dies auch sehr, sehr ermüdend und Kräfte zehrend.

Allerdings, wenn ich dieses ganze Drumherum nicht lieben würde, wäre ich einfach zu Hause geblieben und mir eine schöne Box Chicken Chow Mein vom Asiaten meines Vertrauens gegönnt.

Und ich bin nicht zu Hause geblieben, stattdessen nahm ich einen Weg, der mich hierher führte. Das Wissen, dass ich mich nicht einfach mit der bequemen Option zufrieden gegeben habe, sondern mich kopfüber in einen verrückten Strudel des Lebens gestürzt habe um zu finden, was ich wirklich und aus tiefstem Herzen mit der begrenzten Zeit, die ich auf diesem Planeten habe machen möchte, treibt mich voran und schenkt mir jeden Tag ein Lächeln.

In diesem Augenblick schreibe ich euch aus einer Stadt in Nordaustralien, nicht weit vom Great Barrier Reef entfernt. Wir sind dabei die letzten 17 Info- & Werbefilme für vier großartige Reiseunternehmen zu finalisieren. Unser nächstes Projekt wird uns nach Kambodscha und Myanmar führen. Was für ein Leben.

alles aufgeben und reisen

Also, würde ich euch diesen ganzen Quatsch mit „Gib-alles-auf-um-die-Welt-zu-bereisen-und-deinem-Traum-zu-folgen“ ans Herz legen?

Nun, das ist nicht wirklich eine Sache mit der ich euch helfen kann. Denn nur ihr kennt eure Träume, Leidenschaften und Fähigkeiten. Was ich allerdings mit absoluter Sicherheit sagen kann ist, selbst wenn ihr es euch in eurer Komfortzone gemütlich gemacht habt, umringt von euren Freunden und der Familie, eurem Chef, euren Deadlines und eurem liebsten Coffee Shop an der Ecke – manche Dinge, die scheinbar so weit entfernt sind, sind tatsächlich möglich, machbar und euch näher als ihr denkt. Vielleicht müsst ihr einfach nur diesen einen Sprung wagen, um es herauszufinden?

* Das ist übrigens tatsächlich passiert.

Mehr Infos zum Werken von Nicola und Saxon findet ihr auf deren Webseite Rat&Dragon. Wir freuen uns auf jeden Fall, in Zukunft noch mehr von den beiden zu hören.

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