Afrika & Mittlerer Osten

Freiwilligenarbeit – Bildungsprojekt auf Sansibar

Von Die STA Travel Reiseexperten , 17. Oktober 2015

„I haven’t been everywhere but it’s on my list.“ Genau nach diesem Motto bewarb ich mich bei dem STA Travel Wettbewerb „Werde unser Botschafter“ und gewann eine abenteuerliche und beeindruckende Freiwilligenreise nach Sansibar. Mein Name ist Maya, ich bin 22 Jahre alt und liebe das Reisen über Alles. In meiner Freizeit bin ich tätig als Leiterin der Jungwacht und Blauring Uster. Gerne entspanne ich zu einem Buch oder wenn ich draussen joggen gehe. Meine Freunde sind mir sehr wichtig und ich geniesse es immer etwas mit ihnen zu unternehmen. Mit der Freiwilligenarbeit hatte ich mich zuvor nur auf Broschüren auseinander gesetzt. Freiwilligenarbeit live in Sansibar zu erleben hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen.“

Freiwilligenarbeit_Sansibar_Maya

So das Resümee unserer Gewinnerin Maya, die nach Tansania reisen und beim Bildungsprojekt „Teaching and Community“ von African Impact in dem Fischerdorf Jambiani an der Ostküste Sansibars mitwirken durfte. Ich habe sie diesen September auf ihrer Reise begleitet und unseren abwechslungsreichen Aufenthalt dokumentiert.

Botschafter für Freiwilligenarbeit auf Sansibar

Am Samstagmittag trafen wir uns in Zürich um unsere lange Reise nach Sansibar anzutreten. Unser Weg führte von Zürich via Doha ins Paradies. Da das Projekt erst am Montag begann, haben wir vorgängig ein Hotel gebucht. Das Hotel lag gerade neben Jambiani – dem Ort wo das Projekt stattfand. Mit einem leckeren Abendessen liessen wir den ersten Tag ausklingen.

Nach einer erholsamen Nacht genossen wir ein Frühstück direkt am wunderschönen weissen Sandstrand. Danach ging es auch schon los. Wir wurden gegen Mittag abgeholt und hatten bereits beim Transfer zwei weitere Volontäre kennen gelernt. Bei unserer Unterkunft „The Grand Bungalow“ angekommen, begrüsste uns auch schon die Projekt Managerin Nici. Wir konnten direkt unser Zimmer beziehen. Das Zimmer war mit drei Betten bestückt. Mit uns im Zimmer war Jess aus Australien, welche auch als freiwillige Helferin beim Teaching and Community Project aktiv war. Nach dem kurzen Auspacken erkundeten wir den Strand, der sich gerade vor dem Grand Bungalow befand. Der weisse Sandstrand und das türkisblaue Wasser waren atemberaubend schön. Kaum eine Minute am Strand lernten wir auch bereits die ersten Massai kennen, die ihren selbstgemachten Schmuck verkauften und unsere zukünftigen Schüler waren. Beim Mittagessen trafen wir auf die restlichen Volontäre, die aus der ganzen Welt kamen: Australien, USA, Neuseeland, UK, Frankreich und Deutschland.

Freiwilligenarbeit_Sansibar_Aussicht

Am Nachmittag konnten wir bereits mit Unterrichten beginnen. Wir hatten die Möglichkeit bei den Erwachsenen Klasse rein zu schauen – diese Chance mussten wir natürlich nutzen. Mit den Fahrrädern über die holperigen Strassen gelangten wir zu der Schule. Wir und zweit weitere Lehrer unterrichteten die Literary Class. In dieser Klasse waren hauptsächlich Massai, welche zum Teil nicht lesen und schreiben konnten. Die Aufgaben wurden so verteilt, dass zwei Lehrer die Massai unterrichteten, die lesen und schreiben auf Swahili lernten. Jemand war für jene zuständig, die gerade angefangen haben englisch zu lernen. Die vierte Lernperson übernahm der Teil der Klasse, der schon etwas vorgeschritten war, aber noch nicht das Level für die Gruppe 1 erreicht hatten. Die sogenannten Adult Classes waren in 4 Level resp. Gruppen unterteilt.

Freiwilligenarbeit_Sansibar_Adult-Class-3

Freiwilligenarbeit_Sansibar_Adult-Class-1

Freiwilligenarbeit_Sansibar_Adult-Class-2

Die zwei Stunden in der Schule vergingen wie im Flug. Zurück in der Unterkunft gab uns unsere Projektleiterin Nici eine Instruktion zum Projekt und den Hausordnungen. Da wir in einem islamischen Land waren, gab es klare Regeln – Schultern und Knie bedeckt, keine engen Kleidungsstücke oder solche mit tiefem Ausschnitt bei Frauen. So ging der erste Tag rasch zu Ende und wir fielen völlig erschöpft in unsere Betten.

Am Dienstagmorgen ging es weiter mit projektspezifischen Instruktionen. Sara war für das „Teaching Project“ verantwortlich. Sie erklärte uns den Ursprung des Projekts und wie der Wochenplan aufgebaut war. Puh, wie schaffen wir das nur? Das war so ziemlich der erste Gedanke, der uns beiden durch den Kopf schoss, als der ganze Informationsfluss durch war. Damit wir einen Einblick in die Kindergärten erhalten konnten, nahm uns Abdalla (ein weiterer Projektmanager) auf eine Fahrradtour durch seinen Ort. Er wuchs in Jambiani auf und war bereits seit Beginn des Projektes dabei. Wir haben zwei von vier sogenannten „Nursery Schools“ besucht. Es war sehr beeindruckend zu sehen, wie unterrichtet wird und wie aufgeschlossen die Kinder sind. Nach dem Mittagessen ging es auf zu den Adult Classes.

An diesem Tag jedoch machten wir uns nach dem Unterricht auf den Weg zu den „Kenga Ladies“. Dies ist eine Gruppe von Frauen, die wir abends jeweils von 16:30 Uhr – 18:00 Uhr unterrichteten. Meistens nähten sie jedoch ihre Gebetsflaggen, die sie dann auf dem Markt verkaufen konnten um ihr Einkommen etwas aufzubessern und tauschten den neusten Klatsch und Tratsch aus. Daher fiel das Englischlernen etwas in den Hintergrund. Daher unterstützen wir die Frauen tatkräftig mit unseren Nähkünsten.

Freiwilligenarbeit_Sansibar_kenga_ladies

Auch dieser Tag verging unglaublich schnell und wir gingen früh zu Bett.

Am nächsten Tag waren wir bereits eingeplant, bei einer Schulstunde eines anderen Volontärs mitzuwirken und zu beobachten. Bald schon sollten wir eine eigene Klasse alleine unterrichten. Nur einer der vier Kindergärten hatte das Glück sauberes und fliessendes Wasser zu haben. Mit den Kindern dieser Schule hatten wir die Chance Zähne zu putzen und die Hände zu waschen. Nach dem Waschen begann der reguläre Unterricht, der jeden Tag denselben Ablauf besaß:

Mit dem „Hello Song“ begannen wir die Schulstunde. Die Freude und Motivation in den Augen der Kinder zu sehen war sehr berührend. Also ging es mit vollem Elan weiter.

Jedes Kind trug ein Namensschild, welches wir verteilten. Um ihr Namensschild zu erhalten wurde jedes einzelne Kinde aufgerufen dem Lehrer die Hand zu schütteln und drei Fragen zu beantworten. Wie heisst du? Wie alt bist du? Wo lebst du? Zu sehen wie die Schüler die Fragen nur zögerlich und unglaublich schüchtern beantworteten, war eines der süssesten Ereignisse in jedem Unterricht. Nach jedem „Nzuri Sana“ (gut gemacht auf Swahili) war jede Unsicherheit aus dem Gesicht der Kinder wie weggefegt und sie strahlten vor Stolz.

Danach konnten die drei Schüler, welche die Fragen am besten beantwortet haben ihren Namen in die „Nzuri Sana“-Box werfen und erhielten einen Kleber auf ihr Namensschild. Ende der Woche wurde aus der „Nzuri Sana“-Box ein Name gezogen. Dieses Kind erhielt jeweils eine kleine Belohnung für die gute Leistung in Form eines kleinen Geschenkes. Die Geschenke waren sehr unterschiedlich. Es konnten unter anderem Armbänder, Stifte, Spiele usw. sein.

Jede Woche war laut Lehrplan ein anderes Thema vorgesehen. So hatten wir zum Beispiel als Wochenthema Früchte, Gemüse, Transporte, Berufe ect. Nach der Übergabe der Namensschilder sangen wir gemeinsam ein zum Thema passendes Lied.

Der nächste Schritt war das verbale Training. Dafür benötigen wir Karten auf denen Objekte zum Wochenthema passend gezeichnet waren. Neben den Zeichnungen stand jeweils der Gegenstand auf Englisch und Swahili geschrieben. Wir hielten die Karten in die Höhe und die Klasse schrie was sie auf den Zeichnungen erkannte. Bei neuen Themen wurde jeweils vorher die Aussprache des Wortes geübt.

Freiwilligenarbeit_Sansibar_Unterrichtsmaterial

Jeden Tag wurde nach dem verbalen Training dasselbe Spiel gespielt – „Blue Monkey / Red Monkey“. Bei dem Spiel trennte der Lehrer die Klasse in zwei Gruppen. Ein Kind aus jeder Gruppe rief er zu sich ans Ende des Klassenzimmers. Dann flüsterte er den Kindern eines der gelernten Wörter zu. Nach dem Wiederholen der Wörter, rannten die beiden Schüler zu den Karten, die bei der Wandtafel am Boden verteilt waren. Das Kind, welches die richtige Karte als erstes fand, erhielt den Punkt für seine Gruppe.

Natürlich ist auch das Schreiben und Lesen sehr wichtig. Dafür haben wir jeweils einige Beispiele an die Wandtafel gezeichnet und geschrieben. Die Aufgabe der Schüler war es, diese Beispiele dann in ihr Notizbuch zu übertragen. Diese Kinder, die am schönsten geschrieben und gezeichnet haben, konnten am Ende des Unterrichts nochmals ihren Namen in die „Nzuri Sana“-Box werfen.

Normalerweise war es so, dass wir zwei „Nursery Schools“ am Vormittag unterrichten konnten. Also radelten wir quer durch das Dorf zu der anderen Schule – jedoch nicht mittwochs. Da war nur eine Unterrichtsstunde pro Volontär geplant. Deshalb fuhren wir zurück zu unserer Unterkunft um den Unterrichtsstoff für die nächste Woche vorzubereiten.

Der Nachmittag gestaltete sich wie üblich mit den erwachsenen Schulen und den „Kenga Ladies“.

Am Mittwochabend hatten wir die Möglichkeit ein Abendessen bei einer einheimischen Familie zu geniessen. Alle vom Projekt spazierten durch die Dunkelheit zu der Familie, die bereits mit einem leckeren Abendessen auf uns wartete. Traditionsgemäss sassen wir alle auf dem Boden und haben die Leckereien mit den Händen gegessen. Es war köstlich!

Der nächste Tag war für die Kinder jede Woche ein Highlight. Es war Basteltag. Jeden Donnerstag planten wir für die Kinder etwas gemeinsam zum Wochenthema passendes zu basteln. Die Handfertigkeiten einiger Schüler waren erstaunlich geschickt.

Freiwilligenarbeit, Sansibar, crafts day

Freiwilligenarbeit_Sansibar_CraftDay_2

Auch an diesem Nachmittag unterrichteten wir die Erwachsenen und die Kenga Ladies.

Der letzte Tag der Arbeitswoche gestaltete sich etwas anders. Wir fuhren morgens gemeinsam zum „The Land“. Dies ist ein Grundstück, welches die Organisation African Impact gekauft hatte um eine eigene Schule zu bauen. Alles wird von den Teilnehmer des Freiwiligenprojekts gebaut. Es standen bereits Mauern um das Areal, die von Volontären gebaut wurden. Wir haben uns der Grundierung des Bodens gewidmet, damit eine flache Ebene für die Klassenräume geschaffen werden konnten. Die körperlich anstrengende Arbeit war eine tolle Abwechslung zum Unterricht.

Freiwilligenarbeit, Sansibar

Freiwilligenarbeit_Sansibar_TheLand

Freiwilligenarbeit_Sansibar_TheLand2

Somit hatten wir uns den freien Freitagnachmittag verdient und gingen ins nahegelegene Hotel „Coral Rocks“ um etwas zu entspannen und die Sonne zu geniessen. Am Abend war Quiz Nacht angesagt und viele von den Hotelgästen haben mitgespielt. Das war ein Spass!

Da wir nur ein Wochenende auf Sansibar hatten, wollten wir möglichst viel zu sehen bekommen. Daher buchten wir für Samstagmorgen einen Stadtrundgang durch Stone Town. Der Guide führte uns vier Stunden lang durch die wunderschöne Hauptstadt – durch Märkte, Museen und an Denkmälern vorbei. Nach einem traditionellen Mittagessen fuhren wir nach Prison Island. Die Insel liegt rund 20 Minuten mit dem Boot von Stone Town entfernt. Wir erkundeten die kleine Insel und besuchten deren 158 Jahre alten Bewohner – die Schildkröten. Auf dem Weg zurück in die Hauptstadt hielten wir für einen kurzen Schnorchelstopp. Angekommen gingen wir direkt zum Markt. Dort gab es einige kulinarische Highlights, wie zum Beispiel die Zanzibar – Pizza. Lecker!

Am Sonntag hatten wir eine Eco Tour durch Jambiani geplant. Der Guide zeigte uns wie es mit dem Anbau von Seegras und der weiteren Produktion funktionierte. Ebenfalls führte er uns durch die vielfältige Pflanzenwelt der Insel. Wir besuchten den örtlichen Mediziner, der fast alle Leiden mit Pflanzen behandeln konnte. Zudem lernten wir, wie eine Kokosnuss komplett verwertet werden kann. Dieser Rundgang war wirklich sehr eindrücklich!

Freiwilligenarbeit_Sansibar_Seaweedfarming

Am Nachmittag wandten wir uns wieder unserem Projekt „braun zu werden“ zu – leider ohne grosse Erfolge feiern zu können. Um 16:00 Uhr ging es nämlich bereits weiter. Wir gingen auf die andere Seite der Insel um den Sonnenuntergang und ein gemütliches BBQ zu geniessen. Es war wunderschön und eindeutig eines der Highlights der Reise. Der Sternenhimmel erschien nach Sonnenuntergang unendlich zu sein. Dazu sangen und tanzen die Einheimischen beim Lagerfeuer. This is Africa – ganz einfach unglaublich schön.

Freiwilligenarbeit_Sansibar_StoneTown

Der Montag brach an und wir konnten das erste Mal alleine eine Klasse unterrichten. Mit etwas gemischten Gefühlen fuhren wir zu den Schulen. Wir waren auf eine Art etwas aufgeregt und ängstlich. Dies auch aus gutem Grund – die Schüler unter Kontrolle zu halten ist nicht immer ganz einfach. Nach dem Vormittag waren wir bereits völlig erschöpft. An was man da alles denken muss – unglaublich. Wir waren wirklich sehr dankbar um die Mittagspause. Am Nachmittag waren wir wie gewohnt bei den Adult Classes und den Kenga Ladies.

Voller Energie starteten wir in den Dienstag – bereits der zweitletzte Tag unseres Aufenthalts. Wir fuhren wie üblich zu den Kindergärten und waren gespannt was uns heute erwartete, nach dem anstrengenden Vortag. Aber völlig überrascht wie toll alles lief mussten wir sagen: Übung macht den Meister! Dies traf wirklich zu. Der Ablauf war klar und wir hatten richtig viel Spass beim Unterrichten. Auch an diesem Nachmittag unterrichten wir den Massai Englisch und halfen den Kenga Ladies beim Nähen.

Und schon war er da – der Tag der Abreise und die letzten Stunden mit den Kindern. Am Morgen gaben wir bei jeweils einer „Nursery School“ Unterricht, denn es war ja Mittwoch. Der Abschied war ausgesprochen herzlich und traurig. Nach dem Mittagessen war es auch bereits an der Zeit sich bei den anderen Volontären zu verabschieden und sich auf den Weg Richtung Flughafen zu machen.

Freiwilligenarbeit, Sansibar, adult class

Selinas Meinung zum Projekt: Es war eine unglaublich tolle Erfahrung! Bei dem Projekt mitzuwirken war ein aussergewöhnliches Erlebnis welches mir auch viel mit auf dem Weg gab. Es war harte Arbeit und kostete viel Energie, auch wenn die Leute, und vor allem die Kinder sehr nett und herzlich waren. Zu sehen wie die Menschen ausserhalb der touristischen Regionen leben war sehr interessant und lehrreich. Eines der schönsten Ereignisse war, als mich ein Junge aus der Klasse auf dem Heimweg durch das Dorf grüsste mit: “Jambo, teacher Selina” – oder als die Massai sich bei uns bedankten. Man hat das Gefühl etwas Kleines bewirkt zu haben. Auch wenn es nur kurz gewesen ist – wenn alle ein wenig beitragen, kann so vieles erreicht werden. Zu sagen ist einfach: Asante Sana! (vielen Dank)

Freiwilligenarbeit_Sansibar_Selina_Kinder

Eine Antwort zu “Freiwilligenarbeit – Bildungsprojekt auf Sansibar”

  1. Rosmarie Zimmermann sagt:

    Der Reisebericht lässt in uns die Schulwelt von Sansibar aufleben, macht Unterschiede bewusst und zeigt: Diese Freiwilligenprojekte sind wichtig – sie geben uns die Möglichkeit kleine Zeichen zu setzen und erweitern unsere Erfahrungswelt. Schön, dass die beiden Frauen sich dieser Herausforderung gestellt haben. Hoffentlich lassen sich viele davon begeistern und nutzen diese Chance.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.