Reiseberichte

Erfahrungsbericht: Freiwilligenarbeit in Thailand

Von Die STA Travel Reiseexperten , 15. Februar 2011

In der Fremde – Ein Erfahrungsbericht über meine Zeit als Volunteer in Thailand, Februar bis Mai 2006

„Blicke niemals zurück“ war der Rat meines Bruders, als er mich im Februar 2006 an den Flughafen brachte. Leichter gesagt als getan, wenn man sich so wie ich spontan auf eine Reise nach Thailand macht, um dort Waisenkinder zu betreuen. Ich war so nervös, als ich durch die Kontrolle am Flughafen ging, dass mir die Rose, die er mir zum Abschied überreicht hatte, aus der Hand fiel. Ich bückte mich, warf einen schüchternen Blick zurück und sah in die lachenden Gesichter meines großen Bruders und eines engen Freundes, die mir Mut zu winkten.

Drei Monate zuvor hatte eine Freundin mir von der School for Life in Doi Saket, nicht weit von Chiang Mai im Norden Thailands gelegen, erzählt. Bei dieser Schule handelt es sich um ein international gefördertes non-profit Projekt, das sich um Aidswaisen und Kinder aus schwierigen Verhältnissen kümmert. Ich hatte gerade mein Amerikanistik-Studium abgebrochen und suchte nach einer sinnvollen Aufgabe in meinem Leben. Die Vorstellung, auf freiwilliger Basis Kindern zu helfen, gefiel mir und ich bewarb mich kurzerhand. Dann ging alles flott voran. Ich wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen und erhielt bereits einen Tag später den Vertrag. Ich hatte mich mit der Direktorin des Instituts aufgrund meiner Ausbildung, darauf geeinigt, in der Schule Englisch zu unterrichten und den Bereich Tourismus zu unterstützen.

Schon sechs Wochen später ging mein Flug nach Chiang Mai. Zu meinem Gepäck gehörten vor allem Bücher, von denen ich glaubte, sie würden mir den Weg in die thailändische Kultur eröffnen – u.a. „Thai – Wort für Wort“ und „Reisegast in Thailand“. Rückblickend muss ich gestehen, dass das arg naiv von mir war und ich habe mir so manches Mal gewünscht, ich hätte eine intensive Einführung von jemandem bekommen, der die Menschen und ihre Kultur dort kennt und mit ihnen vertraut ist. Es ist eine Sache, ein Land zu bereisen, selbst wenn man, wie es so schön heißt „jenseits der Touristenpfade“ unterwegs ist. Eine ganz andere ist es, dort mit den Menschen, deren Sprache man weder spricht noch versteht, zu leben und zu arbeiten.

Ich muss lachen, wenn ich mich an meinen ersten Fauxpas erinnere: ganz klassisch vergaß ich beim Betreten des Aufenthaltsraums meine Flipflops vor der Türe abzustreifen. In der für die Thailänder typischen zurückhaltenden Art wurde ich dezent darauf aufmerksam gemacht. Ich fühlte mich wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen! In der thailändischen Kultur ist es ebenso Sitte, einen Raum niemals mit Schuhen zu betreten, wie es sich gehört, mit dem „wai“ zu grüßen. Die Geste gilt als Respekt-Erweisung und sollte, zusammengefasst, stets vom Rang niedrigeren zuerst ausgeführt werden. Außerdem wurde mir sehr bald klar, was es bedeutet, dass die Asiaten stets darauf bedacht sind, ihr Gesicht zu wahren. Da kann es schon mal vorkommen, dass man ein „Ja“ erhält und hinterher geschieht nichts, um nur eines von vielen Beispielen zu geben. Dies könnte durchaus daran liegen, dass der Gesprächspartner schlicht nicht zugibt, einen nicht verstanden zu haben.

Kurz nach meiner Ankunft wurde ich darüber informiert, dass es in zwei Wochen Sommerferien geben werde und eine vier Wochen dauernde Promotion-Tour durch den Osten von Thailand geplant sei. Die Tour diente dem Zweck, das Projekt bekannt zu machen und Sponsoren zu gewinnen. Die Kinder sangen, tanzten und malten wunderschön und es ging mir immer wieder das Herz auf, wenn ich sie auf der Bühne beobachtete. Auf der einen Seite war das eine sehr spannende und schöne Reise für mich, auf der anderen Seite hatte es jedoch nicht mehr viel mit dem gemein, weshalb ich gekommen war. Denn auf der Tour war kaum noch Zeit für den Englisch-Unterricht und die geplanten Aufgaben im Bereich Touristik konnte ich ebenfalls nicht wahrnehmen.

Unterwegs kam es immer wieder zu kurzfristigen Änderungen der Reisepläne. Nicht selten kam es vor, dass ich eher zufällig mitbekam, dass allgemeine Aufbruchsstimmung herrschte, so dass ich gerade noch schnell meine sieben Sachen schnappen und zum Bus eilen konnte. Dabei spielte natürlich die Sprachbarriere eine große Rolle. Ich staunte oft – staune noch immer – wie sich von einer Minute zur anderen Pläne änderten und mit welchem Geschick die Thailänder stets zu improvisieren wussten.

Während dieser Reise fühlte ich mich häufig überflüssig und hatte Schwierigkeiten damit, dass es kaum Privatsphäre gab. Kurz, es fiel mir nicht leicht, mich von meinen westlichen Vorstellungen und Gewohnheiten zu lösen. Ich war dort die meiste Zeit auf mich allein gestellt, was mir einerseits natürlich nicht geschadet hat, andererseits hätte es mir gleichwohl geholfen, die Zeit intensiver zu nutzen, zu gestalten und zu genießen, wenn ich, insbesondere während wir unterwegs waren, einen Ansprechpartner gehabt hätte.

Zurückblickend empfinde ich die drei Monate, die ich mit den Kindern und Lehrern der School for Life verbracht habe als eine sehr lehrreiche und interessante Erfahrung. Ich habe sehr viel über mich selbst gelernt und darüber, wie verschieden zwei Kulturen sein können. Und das mehr als guter Wille dazu gehört, diese Unterschiede zu überbrücken. Respekt, Akzeptanz, Geduld und eine gewisse Zurückhaltung sind dabei unentbehrlich.

3 Antworten zu “Erfahrungsbericht: Freiwilligenarbeit in Thailand”

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