Reiseberichte

Japan kann mehr als Sushi

Von Cornelia Zausinger , 19. Dezember 2013

Meine Reise nach Japan war auch gleichzeitig mein erster Trip nach Asien und es hat mich wirklich umgehauen. Ich habe es mir aber auch am Anfang direkt richtig gegeben und bin als aller erstes nach Shibuya gefahren. An der berühmten Kreuzung neben der U-Bahnstation Shibuya, überqueren in einer Ampelphase tausende Fußgänger gleichzeitig die Straße und das alleine ist schon ein Erlebnis der besonderen Art. Aber nicht nur die Menschenmassen haben mich umgehauen, sondern auch die tausenden Lichter und das viele „Bling Bling“ an jeder Ecke. Dazu kommt, dass man um sich herum kein einziges Wort versteht. Egal wohin man schaut, es kommt einem nichts bekannt vor und man kann nur raten was die Reklame einem sagen will. Am ersten Tag habe ich mich in Tokio also eher gefühlt wie Bill Murray in „Lost in Translation“, aber das hat sich ganz schnell geändert und am Ende hat Shibuya zu einem meiner Lieblingsorte gezählt.

Insgesamt bin ich knapp drei Wochen in Japan gewesen und ich habe mich von Tokio über Kyoto in den Süden bis nach Beppu vorgearbeitet.  Dann ging es mit dem Shinkansen in Rekordzeit wieder nach Tokio und von dort zurück in die Heimat.

Das gibt es so wohl nur in Japan:

„Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht!“ Das Sprichwort bekommt in Japan eine vollkommen neue Bedeutung, gerade wenn man sich in den Kaufhäusern und unzähligen abgefahren Shops umschaut. Einer meiner Lieblingsfunde ist der „Beauty Smile Trainer“ oder das „Slim Mouth Piece“, die für das perfekte Lächeln sorgen (sollen) 🙂

Tokio ist voll von verrückten Mitbringseln

Tokio ist voll von verrückten Mitbringseln

U-Bahn fahren in Tokio ist aber mindestens genauso besonders. Hat man es mal geschafft sich im U-Bahnnetz einigermaßen zurecht zu finden, dann erwarten einen die saubersten Stationen und Bahnen der Welt und vor allen Dingen die Pünktlichsten. Angestanden wird auf der jeweiligen Markierung auf dem Bahnsteig, dann wird sich mit System in die Bahn gequetscht und manchmal auch noch von außen nachgedrückt. In der Bahn wird dann erst mal ein Nickerchen eingelegt und an jeder Station wird ein spezieller Jingle gespielt, der die Schlafenden weckt und noch rechtzeitig aus der Bahn eilen lässt.

Nur ein echter Japaner hat in Tokio die Ruhe weg, um in der U-Bahn ein Schläfchen zu machen

Nur ein echter Japaner hat in Tokio die Ruhe weg, um in der U-Bahn ein Schläfchen zu machen

Auch außerhalb von Tokio erwartet einen das perfekte Zugvergnügen. Mit der Sitzplatzreservierung in der Hand stellt man sich an der passenden Markierung am Bahnsteig an und wenn der Zug auf die Sekunde genau (@Deutsche Bahn: Ein Fernzug kommt dort auf die Sekunde pünktlich!!!) einrollt erwarten einen im Innenraum extrem bequeme Sitze mit viel Platz und 200 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit. Und so saubere Toiletten wie im Zug gibt es bei uns nicht mal im Restaurant! Aber die Toiletten in Japan sind sowieso nochmal ein ganz eigenes Thema…

An den Bahnstationen sind die Wartebereiche zum Ein- und Aussteigen genau markiert

An den Bahnstationen sind die Wartebereiche zum Ein- und Aussteigen genau markiert

Die meisten Leute haben sicher schon mal von den High-Tech-Toiletten in Japan gehört und ich muss sagen, die Japaner haben es einfach drauf. Die Bedienung ist auf jeden Fall gewöhnungsbedürftig, aber beheizte Toilettensitze sind wirklich ein Luxus den es auch in Europa geben sollte!

Wer hier den falschen Knopf drückt, kann was erleben…

Wer hier den falschen Knopf drückt, kann was erleben…

Die Sprachbarriere in Japan ist wirklich enorm, da man selbst als lernbegeisterter Tourist nicht über ein „Guten Tag“, „Danke“ und „Auf Wiedersehen“ auf Japanisch hinaus kommt. In Tokio kommt man mit Englisch noch ziemlich gut durch, aber im tiefen Süden spricht meist nur die nette Dame in der Touri-Info Englisch. Doch mit Händen und Füssen klappt es ja zum Glück immer wieder, sich auch am anderen Ende der Welt durchzuschlagen. Selbst in einem Izakaya (traditionellen japanischen Gastwirtschaft) in Beppu schafft man es als einziger gaijin (so heißen alle Nicht-Japaner, wörtlich bedeutet es „Mensch von draußen“) im Laden ein herrliches Essen zu bekommen und sich mit ein paar Japanern anzufreunden und den Haus-Sake zu probieren.

Auch ohne Japanisch findet man schnell neue Freunde

Auch ohne Japanisch findet man schnell neue Freunde

Meine absoluten Highlights:

Tokio

Tokio ist riesig und es gibt endlos viele tolle Stadtteile, von denen sich jeder auf ein bestimmtes Thema spezialisert hat. Klamotten shoppt man in Shibuya und Harajuku, Elektronik in Akihabara und traditinelles Kunsthandwerk in Asakusa. Und dann gibt es noch endlos viele Tempel, Ausstellungen und natürlich den großen Fischmarkt. Kurz gesagt: Eine Woche sollte man für Tokio auf jeden Fall einplanen!

Direkt an der bekannten Straßenkreuzung in Shibuya gibt es einen Starbucks im ersten Stock. Dort habe ich stundenlang mit einem Kaffee gesesen und das Schauspiel auf der Straße beobachten.

Hier überqueren mehrere tausend Menschen gleichzeitig die Straße

Hier überqueren mehrere tausend Menschen gleichzeitig die Straße

Das Tokio Rathaus  liegt in Shinjuku und hat im 45. Stock eine kostenlose Aussichtplattform. Egal aus welchem Fenster man schaut, es ist kein Ende der Stadt in Sicht und bei klarem Wetter kann man auch einen Blick auf den Fuji erhaschen.

Der Ausblick vom Tokio Rathaus ist kostenlos und atemberaubend

Der Ausblick vom Tokio Rathaus ist kostenlos und atemberaubend

Der Fischmarkt in Tokio ist der größte Fischmarkt der Welt. Für einen Besuch sollte man auf jeden Fall früh aufstehen, damit man das geschäftige Treiben und die Auktionen auch noch mitbekommt. Wer es zu so früher Stunde schon verträgt bekommt außerdem das wohl frischste Sushi der Welt!

8_Fischmarkt_550px

Der größte Fischmarkt der Welt ist in Tokio zu Hause

Der größte Fischmarkt der Welt ist in Tokio zu Hause

Nahe Tokio liegt Kamakura direkt an der Küste und die kleine Stadt ist auf jeden Fall einen Ausflug wert. Neben ein paar Stränden sind vor allem die Tempel sehenswert und der große Buddha vom Kamakura ist mit einen 11 Metern Größe sehr beeindruckend.

Der Große Buddha in Kamakura ist über elf Meter hoch

Der Große Buddha in Kamakura ist über elf Meter hoch

Aber auch die kleinen Buddhas in den vielen Tempelanlagen sind nicht zu verachten

Aber auch die kleinen Buddhas in den vielen Tempelanlagen sind nicht zu verachten

Kyoto

Nach Tokio ist Kyoto wunderbar ruhig und entspannend. In der historischen Stadt kommen Tempel- und Schrein Freunde voll auf ihre Kosten. Der wohl prächtigste Tempel ist der Goldene Pavillion.

Der Goldene Pavillon ist einer der Haupt Touristenmagnete in Kyoto

Der Goldene Pavillon ist einer der Haupt Touristenmagnete in Kyoto

Die vielen wunderbaren Tempel in Kyoto haben mich richtig begeistert, aber mein persönliches Highlight waren die heiligen Rehe in Nara. Nara liegt nur eine kurze Zugfahrt von Kyoto entfernt und auf dem dortigen Tempelgelände leben über 1000 Hirsche, die bei den Japanern als heilig gelten. Ich bin den ganzen Tag durch die wunderschöne Anlage gelaufen und habe nach jedem Tempel eine Pause mit meinen neuen Hirschfreunden eingelegt. Alledings sind die ziemlich verfressen und mit Keksen in der Hand wird man sehr beliebt und auch schnell mal umgeschubst.

Die heiligen Hirsche in der Tempelanlage in Nara gehörten zu meinen absoluten Japan Highlights

Die heiligen Hirsche in der Tempelanlage in Nara gehörten zu meinen absoluten Japan Highlights

14_Nara_550px15_Nara_550px

Onsen

Nach der Hektik in Tokio gibt es nichts Besseres als ein Onsen zum Entspannen. Ein Onsen ist eigentlich eine Therme die traditionell an eine heiße Quelle angeschlossen ist. Männer und Frauen entspannen sich getrennt und Tattoos sind in den traditionellen Onsen nicht gerne gesehen, da sie ein Zeichen der Yakuza sind. In touristischen Onsen ist das allerdings gar kein Problem. Im Onsen wird sich in der Waschecke erst mal ordentlich abgeschrubbt und danach geht es ins heiße Becken. Die größeren Onsen haben verschiedene Becken (drinnen und draußen) mit unterschiedlichen Temperaturen und große Felder auf denen man sich in heißem Sand eingräbt. Anschließend schmeißt man sich in einen Hauskimono, trinkt grünen Tee und schläft selig ein.

Nach dem Onsen schläft es sich auch auf der Tatamimatte richtig gut

Nach dem Onsen schläft es sich auch auf der Tatamimatte richtig gut

Essen

Japan = Sushi. Ne ne, das ist ganz und gar nicht so. Zugegeben es gibt dort das frischste und schmackhafteste Sushi der Welt, aber nicht wie bei uns am Fließband. Die Japaner gehen zu besonderen Gelegenheiten in ein Sushi Restaurant und setzen sich dann dort auch gerne in ein Separee, wo dann mit viel Zeit die Fischkreationen genossen werden. Billig ist die ganze Sache auch nicht, aber Essentechnisch kommt man in Japan auch so auf seine Kosten. Es gibt viele Schnellrestaurants in denen es sich gut und günstig essen lässt. Es gibt frische Suppen, Reisgerichte, frittiertes Fleisch und Currys. Am liebsten bin ich in die traditionellen Izakayas gegangen, in denen man nach dem Essen auch gerne noch sitzen bleibt und ein paar Bier oder Sake trinkt. Zum Glück werden in den Restaurants Plastikimitationen der Gerichte in einer Vitrine ausgestellt, so dass man auch ohne Japanisch das richtige Essen findet.

Ramen sind wohl das beliebteste Essen in Japans Izakayas

Ramen sind wohl das beliebteste Essen in Japans Izakayas

Was auch sofort auffällt: in Japan isst man nicht auf die Schnelle was auf dem Weg. Im Gehen wird dort nicht gegessen und auch nicht geraucht. Geraucht wird in markierten Raucherbereichen an großen Straßenkreuzungen. Man wüsste auch gar nicht, wo man anschließend seinen Müll oder seine Kippe entsorgen soll, weil es nämlich so gut wie keine Mülleimer gibt. Ob es die jetzt nicht gibt, weil niemand im Gehen isst oder ob keiner im Gehen isst, weil es keine Mülleimer gibt, das habe ich leider nicht herausgefunden. Ich muss wohl nochmal hinfahren und der Frage auf den Grund gehen!

Du willst auch nach Japan? Kein Problem wir haben bestimmt den passenden Flug und die passende Erlebnisreise für dich! Schau doch mal in unseren druckfrischen Asien-Katalog.

5 Antworten zu “Japan kann mehr als Sushi”

  1. Alice sagt:

    Heeey!

    wir sind Julien und Alice und wir fliegen mitte März auch nach Japan es wird unser zweiter Stop in Asien sein!

    Dein Artikel Hört sich Super an!!!!
    Wir freuen uns schon Riesig auf Japan und nach deinem Artikel noch mehr!!!!

    Könntest du uns vielleicht noch ein Paar Tips geben?

    Wir sind 6 Wochen in Japan und würden gerne wissen wie Teuer es so im Durchschnitt ist.

    Wir würden uns Riesig freuen wenn du dich bei uns melden Würdest

    Liebe grüße aus Johannesburg!
    Alice und Julien

  2. Hey Cornelia,

    Wir sind auch gerade mit STA Travel unterwegs, mitte Märzen sind wir auch in Japan.

    Dein Artikel ist super, jetzt freuen wir uns umso mehr auf Japan!!!

    hättest du vielleicht noch ein Paar Tips für uns?

    Uns würde auch interessieren mit was für einem Tagesbudge wir rechnen müssen?

    Wir freuen uns auf eine Antwort und wünschen schonmal schöne Weihnachten:)

    Liebe Grüße aus dem heißen und ( iwie so garnicht Weihnachtlichen) Johannesburg.

    Julien und Alice

  3. Cornelia sagt:

    Hallo Julien und Alice!

    Es freut mich sehr, dass euch mein Bericht gefallen hat 🙂

    Ich hatte das Glück, dass ich in Tokio bei Freunden wohnen konnte und daher hab ich da schon mal ordentlich gespart. Auf der restlichen Reise habe ich in Hostels gewohnt und dort sind die Preise mit denen in Europa vergleichbar.
    Verpflegung ist in Japan sehr lecker und auch preiswert. Es gibt auch an jeder Ecke einen Covenience Store, bei dem man sich mit Bento Boxen versorgen kann.
    Wirklich zu empfehlen ist der Japan Rail Pass, mit dem man quer durchs Land fahren kann. Der kostet je nach Gültigkeit zwischen 300-750 EUR und ist damit viel billiger als die Flüge und man sieht noch mehr von Japan.
    Shopping in Tokio ist ebenfalls mit europäischen Preisen vergleichbar. Wirklich tolle und günstige Klamotten findet ihr bei Uniqlo (der japanische H&M).

    Generell ist Japan teurer als andere asiatische Länder, aber es lohnt sich auf jeden Fall! Man muss halt ein wenig nach den kostengünstigen Alternativen Ausschau halten (viele Tempel sind kostenlos und durch die Straßen von Tokio zu laufen und zu staunen koste auch nichts ;-))

    Ich wünsche Euch eine ganz tolle Reise und frohe Weihnachten im warmen Südafrika!

    Cornelia

  4. Mario sagt:

    Wart ihr auch in diesem verrückten Sushirestaurant im Bahnhof unten drin? Da gibts auch ne Doku drüber. Glaube „Jiro dreams of sushi“..

  5. Arjuna sagt:

    Spannender Bericht! Japan ist wirklich ein extrem spannendes Land, welches sehr viel zu bieten hat. Ich hoffe, bald wieder nach Japan reisen zu können… 🙂
    Hier gibt’s übrigens 20 tolle Tipps, wie man bei einer Reise nach Japan Geld sparen kann:

    http://www.reisegeek.de/backpacking-japan-20-tipps-um-das-land-guenstig-zu-bereisen/

    Liebe Grüsse,
    Arjuna

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.