Asien

Kambodscha – Hinter der Kulisse von Angkor Wat

Von Carina Müßen , 22. Dezember 2015

Besuch aus Kambodscha

Vor kurzem hat es Tourguide Harry aus dem heißen Kambodscha ins kalte und nasse Frankfurt verschlagen, um mit uns über sein Heimatland zu sprechen. Natürlich wollten wir mehr von ihm über dieses kleine Land mit seiner tragischen und gleichzeitig faszinierenden Geschichte erfahren. Denn auch wenn alle Welt schon einmal von Angkor Wat gehört hat: dieses Land hat noch wesentlich mehr zu bieten und Harry gibt uns ein paar richtig gute Gründe für eine Reise nach Kambodscha.

Harry, für welchen Typ Reisenden ist Kambodscha wohl am besten geeignet?

Am besten eignet sich Kambodscha für Backpacker und Alleinreisende, da man eine recht gute Infrastruktur vorfindet und gut per Bus und Bahn und Tuk Tuk durch das Land reisen kann. Es ist außerdem sehr sicher und macht es dadurch auch allein reisenden Frauen einfacher sich frei zu bewegen. Auch für Menschen, die eher auf einem Standard-Level reisen und keinen großen Wert auf viel Luxus legen, hat Kambodsch viel zu bieten.

Es gibt viele Reisende, die einen Trip nach Vietnam oder Thailand planen, allerdings Kambodscha häufig nur am Rande, oder ledigliche Angkor Wat mit einbeziehen. Weshalb würdest du eine reine Kambodscha-Reise empfehlen?

Das ist einfach: wegen der unglaublich tollen Menschen in Kambodscha und natürlich auf Grund des Landes mit seiner tollen Landschaft und der Kultur selbst. 🙂

Was sollte man neben Angkor Wat auf keinen Fall verpassen, wenn man eine Reise nach Kambodscha plant?

Tonle Sap

Den großen See, Tonle Sap! Er ist nicht nur der größte See Kambodschas sondern sogar ganz Südostasiens. Fünf Provinzen grenzen an den See und um Tonle Sap herum leben etwa 1 Million Menschen, natürlich darunter viele Fischer. Deren Floating Villages können natürlich bei einer Bootstour besichtigt werden. Im Süden des Sees beginnt der Tonle Sap Fluss, der bei Phnom Penh in den Mekong mündet. Der Mekong führt auch dazu, dass sich am Tonle Sap See im Juni ein einzigartiges Naturphänomen abspielt: der Mekong ist durch den Monsun und Schmelzwasser aus dem Himalaya so stark, dass er in den Tonle Sap Fluss drängt, dieser seine Fließrichtung ändert und damit in den See fließt und diesen enorm füllt. Erst im November nimmt das Wasserniveau des Tonle Sap wieder ab. Da wird dann auch das Wasserfest „Bon Om Touk“ gefeiert.

Battambang

In der Stadt Battambang findet man die wohl am besten erhaltene französische Kolonialarchitektur in ganz Kambodscha. Rund um die Stadt lohnt es sich definitiv mit einem Motobud oder per Tuk Tuk die verstreuten Hügel-Tempel und Wats zu erkunden.

Etwa 11km vor Battambang, befindet sich auch Phnom Sampeau mit den so genannten Killing Caves. Das Höhlensystem beheimatet neben einem liegenden Buddha und Pagoden auch einen Ort, an dem die Roten Khmer ihr Opfer in Felsspalten in den Tod gestürzt haben.

Am Fuße des Phnom Sampeau befinden sich die so genannten Bat Caves wo man sich bei Einbruch der Dämmerung ein gruseliges Schauspiel ansehen kann: hunderte von Fledermäusen die zur Jagd aufbrechen und den Himmel schwarz färben.

Bamboo Train

Wohl die Hauptattraktion von Battambang. Per Tuk Tuk kommt man zur Station der berühmt-berüchtigten Draisinenbahn: eine Holzplattform auf zwei Achsen, „norry“ (nori) genannt, saust, angetrieben durch einen Benzinmotor, über die ehemalige, koloniale Bahnstrecke.

Was macht Kambodscha für dich so besonders? Was ist typisch für dein Land?

Kambodscha ist ein sehr altes Land, wovon die Ruinen alter Bauwerke aus verschiedenen Dynastien noch heute zeugen. Die Kultur Kambodschas ist bereits etwas Besonderes, sie ist sehr einladend und herzlich, die Menschen bei uns sind unglaublich entspannt und bescheiden. Für die Leute in Kambodscha gilt „sharing is caring“. Selbst wenn man als Reisender viellicht eher ungern das Thema des Krieges vor Ort anspricht, die Menschen teilen gern ihre Erfahrungen und die ihrer Familie.

Mal abgesehen von frittierten Heuschrecken und Vogelspinnen, welche kulinarischen Köstlichkeiten sollte man deiner Meinung nach in Kambodscha auf jeden Fall probieren?

Oh, da gibt es einiges! Hier kommt meine kleine Auswahl:

Lok Lak

Ein traditionelles Khmer-Gericht, das relativ einfach ist, aber geschmacklich einfach sehr gut. Im Endeffekt besteht Lok Lak aus gebratenen Rinderstreifen oder Würfeln, die in einer Sauce, die hauptsächlich aus frischen Limetten und Kampotpfeffer (aus der gleichnamigen Region, gilt landläufig als der beste Pfeffer der Welt) besteht, geschwenkt werden. Serviert wird dies auf Salatblättern mit Tomaten und Zwiebeln. Bei einer ganz klassischen Zubereitung, gibt es noch gebratene Eier als Topping obendrauf. Ein Gedicht!

Amok

Hat nichts mit „Amok laufen“ zu tun, sondern ist ein Fisch-Curry, das traditionell in einem Bananenblatt serviert wird. Hauptbestandteil von Amok sind natürlich Fischfilets, jede Menge Zitronengras, Kokoscreme und natürlich Chili.

Curry im Allgemeinen

Traditionelles Curry aus der Khmer-Küche ist definitiv einen Versuch wert.

Wann ist die beste Reisezeit für Kambodscha?

Die wirklich beste Reisezeit liegt zwischen September und Ende Februar. Dann ist es nicht allzu heiß und nass, denn im April und Mai kann das Thermometer auf bis zu 40° Grad klettern. Wenn man Reisepläne für das Frühjahr schmiedet, sollte man beachten, dass es sich mit dem Khmer Neujahrsfest verhält wie zur Zeit des Tet Fest in Vietnam: vieles ist schon im Vorfeld ausgebucht oder gar ganz geschlossen.

Harry, nenne uns doch bitte 3 Do’s und 3 Don’ts, die Reisende beachten sollten, wenn sie in Kambodscha unterwegs sind.

Do’s

  • Reisende sollten im Hinterkopf behalten, dass sie sich in einem stark buddhistisch geprägten Land befinden und sich auf jeden Fall der Situation entsprechend anziehen. Ganz besonders beim Besuch von Tempeln sollte man darauf achten, keine ärmellosen Oberteile und keine kurzen Hosen/Hot Pants oder Röcke zu tragen.
  • Der hiesigen Tradition folgen und den Mönchen Zuwendungen in Form von Essensgaben bringen. Dies geschieht morgens zwischen 7-9 Uhr. Am einfachsten ist es, wenn man in einem Homestay übernachtet und sich den Einheimischen dort anschließt.
  • In Sihanoukville & Phnom Penh die historischen Kriegsschauplätze besuchen und die Gelenheit zu nutzen, sich mit dem Genozid und dem Krieg an sich auseinanderzusetzen.

Don’ts

  • Wenn man mit dem Bus unterwegs ist, sollte man auf keinen Fall die Füße auf die Sitze und schon gar nicht auf die vordere Lehne legen.
  • Frauen sollten Mönche nicht anfassen. Die Mönche haben alles in ihrem Leben aufgegeben um Mönch zu werden, die Berührung durch eine Frau wird als Affront gesehen.
  • Nie die Köpfe von anderen Menschen, auch nicht die von Kindern berühren. Der Kopf wird als heiliger Ort betrachtet, in dem die Seele wohnt. Fasst ein Fremder ihn an besteht die Gefahr, dass die Seele des Angefassten entweicht.


Welche Events sollte man sich als Reisender in Kambodscha nicht entgehen lassen?

Da gibt es natürlich das Khmer Neujahrsfest. Aber am wichtigsten und eindrucksvollsten ist eigentlich das Water Festival bzw. Bon Om Touk, das ich bereits eingangs erwähnt hatte. Es findet gegen Ende Oktober, Anfang November (während des Vollmondes im buddhistischen Monat Kadeuk) statt, wenn der Tonle Sap dank des Wasserrückflusses über den Fluß wieder auf seine normale Größe schrumpft. Die Feierlichkeiten gehen über drei Tage und neben Wasserparaden, Konzerten, Tanzdarbietungen und Feuerwerken, finden auch Bootsrennen auf dem Fluß statt. Jede Provinz schickt ein Long Tail Boot ins Rennen.

Da der Tonle Sap See Lebensmittelpunkt von so vielen Menschen in Kambodscha ist, kann das Fest als ein Dank an den See gesehen werden. Allerdings geht das Fest zurück auf den Angkor König Jayavarman VII, der Bon Om Touk zum Auftakt der Fischereisaison im 12. Jahrhundert ins Leben gerufen hat. Sehr eindrucksvoll ist es, das Fest in Phnom Penh mitzuerleben.

Ein dickes Dankeschön an dieser Stelle an Harry, der sich so viel Zeit für mich und meine Fragen genommen hat. Auch ihr möchtet euch von der wunderbaren Kultur Kambodschas überzeugen? Dann schaut doch gleich mal bei unseren Erlebnisreisen vorbei.

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