Asien

Malaysia – Dschungelcamp mal anders

Von Anja Mayer , 30. November 2017

Im Oktober hatte ich die Gelegenheit Malaysia von einer anderen Seite kennen zu lernen. Von einer sehr abenteuerlichen und spannenden Seite. Ein richtiges Dschungelabenteuer stand mir da bevor. Mit ein paar Kollegen von STA Travel bin ich in unser Naturschutz Freiwilligenprojekt „Tiger Trail“, in der Nähe des Taman Negara Nationalparks in Malaysia gereist.

Gemeinnütziges Dschungelabenteuer in Malaysia

Unser „Lager“ haben wir in dem kleinen Städtchen Merapoh aufgeschlagen. Die Stadt liegt ca. vier Stunden mit dem Bus von der Hauptstadt Malaysias Kuala Lumpur entfernt. Merapoh wird auch der Eingang zum Taman Negara genannt, da man von hier aus viele Ausflüge in den Park machen kann, dazu jedoch gleich mehr. Die Natur ist hier auch quasi bereits in das Städtchen verankert.

Das Freiwilligenprojekt „Tiger Trail“ im Taman Negara

Zu Beginn erst mal die Erklärung was dieses Naturschutzprojekt umfasst und was sich „Tiger Trail“ zur Aufgabe gemacht hat. Im Taman Negara wohnen noch die „Ureinwohner“ Malaysias – das Batek Volk. Die Batek Leute leben im Wald und sind Anhänger einer Art Naturreligion, weshalb sie die heutige, „normale“ Lebensweise nicht so recht verstehen. Auch wenn sich in ihrer Kultur schon einiges an die unsrige angepasst hat, leben die Batek in Hütten und Häusern im Regenwald. Dabei ernähren sie sich hauptsächlich von der Natur und leben im Einklang mit dieser. Aus diesem Grund ist es für sie sehr wichtig, dass ihr Lebensraum, also der Regenwald und die darin wohnenden Tiere, erhalten bleiben.

Daher beschäftigt sich das Naturschutzprojekt „Tiger Trail“ nicht nur mit dem Erhalt des Regenwalds und dem Schutz der Tiere, die Volunteers kümmern sich auch um die Batek. Ein Ziel des Projektes ist es, die malaysische Bevölkerung wieder näher an die ursprüngliche und naturverbundene Batek Kultur heranzuführen. Daduch soll die malaysische Bevölkerung verstehen wie wichtig die Natur für sie und generell die Weltbevölkerung ist. Und, dass man alles dafür tun muss bedrohte Tierarten wie z.B. Tiger und ganz besonders auch den Regenwald zu schützen.

Eins führt zum anderen

Um beispielsweise Tiger zu schützen, bedarf es natürlich den Schutz ihrer Beute, also kleinerer Tiere wie z.B. Wildschweine. Damit man wiederum Wildschweine schützen und in der Region halten kann, braucht es genügend Unterschlupf in den Wäldern, folglich eben der Schutz des Regenwaldes. Damit dies möglich gemacht werden kann, müssen beispielsweise Palmölplantagen wieder zurückgebaut und der Regenwald aufgeforstet werden. Auch geplante Straßenbaumaßnahmen durch die Wälder müssen hinterfragt und überdacht werden. Ihr merkt: hier hängt ein riesiger Rattenschwanz dran.

Und genau den Schutz dieser verschiedenen Bereiche, hat sich das Projekt „Tiger Trail“ auf die Fahnen geschrieben. Indem man z.B. Dschungelwanderungen macht, dabei nach Tierspuren sucht und diese in ein GPS-System einträgt. Dadurch wird festgestellt wie viele Elefanten, Tiger, Wildschweine usw. in dem untersuchten Dschungelabschnitt leben. Damit kann man Abschnitte schützen, so dass diese nicht abgerodet werden. Während man die Spuren sammelt, hält man auch immer Ausschau nach Tierfallen von Wilderern und beseitigt diese evtl. und meldet sie.

So, jetzt seid ihr im Bilde. Nun erzähle ich euch aber von meinem ganz persönlichen Dschungelabenteuer 🙂

Unser Malaysia Dschungelcamp und wie es dazu kam

Am ersten Tag nach der Einführung in das Freiwilligenprojekt, sind wir ein Dorf der Batek gefahren, um dort mit den Kindern etwas Fußball zu spielen. Das lieben sie! Allerdings wurden wir gleich vorgewarnt, dass die Batek sehr schüchtern sind und es auch sein kann, dass sie einfach in den Wald laufen und sich nicht mehr zurück trauen. Unser Glück war es, dass es auf dem Weg  zum Dorf, bei unserer Fahrt in einem offenen Jeep, total angefangen hat zu regnen.

Also sollten wir so mit den Kids Fußball im Schlamm spielen. Europäer im Schlamm bei Regen: diesen Anblick wollten sich selbst die Batek Kinder nicht entgehen lassen! 🙂 Das führte zu dem wohl ausgefallensten Erlebnis das ich jemals im Ausland hatte: mit Kindern von denen ich kein Wort verstand, bei Regen im Schlamm Fußball spielen! Was für ein Spaß!!

Durch den Dschungel Malaysias

Am Tag darauf stand eine der Dschungelwanderungen an. Die Wanderungen sind bei der schwülen Hitze im Dschungel echt anstrengend. Außerdem sollte man immer ein Auge auf den Boden haben, um die Blutegel im Blick zu behalten und gleichzeitig nach Spuren zu suchen. Doch generell sind diese Wanderungen durch die Natur einfach einmalig 🙂

Ein Mann der Batek, der vom „Tiger Trail“ Projekt beschäftigt wird, kam mit auf die Tour. Er sorgte für unsere Sicherheit und erklärte uns die Flora und Fauna um uns herum. Hierbei lernt man unglaublich viel und spürt die starke Verbundenheit der Batek zur Natur. Auf jeden Fall solltet ihr gutes Schuhwerk anhaben und immer eine Regenjacke einstecken, da der Regenwald seinem Namen immer wieder mit Regenschauern gerecht wird.

Stirnlampen, Fledermäuse und wir mittendrin

Auf dem Projektplan stand außerdem noch Caving. Dafür wurden wir morgens von einem der einheimischen Veranstalter abgeholt und zur „Tiger Cave“ gebracht, die ca. 30 Min. von Merapoh entfernt liegt.

Um Merapoh herum gibt es mehr als 600 verschiedene Felshügel bzw. Felsberge aus Kalkstein. Das Meer hat in dieser Gegend vor hunderten von Jahren das lose Gestein herausgespült und die Höhlen geprägt. An der „Tiger Cave“ angekommen, gab es eine Einweisung sowie Ausrüstung wie Helm und Stirnlampe. Mit einem Bergsteigerseil bewaffnet und durch viel Klettern gelangten wir hinauf zum Eingang der Höhle. Ein wahnsinninger Anblick! Mehrere Seitenlöcher ließen Licht in den Höhleneingang, grüne, große Blätter ragen in die Höhe.

Weiter hinten, alles schwarz und dunkel. Dann ging es richtig los: hochklettern, runterkletten und das alles in völliger Dunkelheit. Nur wir, unsere Stirnlampen und hunderte Fledermäuse an den Decken. Etwa drei Stunden kletterten wir durch das Höhlensystem und am Ende hatten wir in einem Bereich der Höhle sogar die Möglichkeit zu schwimmen. Es war unglaublich!

Dschungelcamp mit den Batek Frauen

Aber das größte Abenteuer stand uns am an unserem letzten Tag bevor: mit Batek Frauen im Dschungel übernachten. Und das in selbst gebauten Zelten und Essen aus Bambusröhren. Typisch Batek eben. 🙂 Hierzu wurden wir vormittags in den Dschungel gebracht, wo drei Batek Frauen schon auf uns warteten. Ganz schüchtern und hinter ein paar Bäumen versteckt, beäugten die Frauen die verrückten Europäer, die mit ihnen im Wald auf dem Boden schlafen wollten. Und das, obwohl die komischen Europäer spezielle lange Socken angezogen hatten, um nicht im Stehen von Blutegeln gebissen zu werden…

Wir wurden also in drei Gruppen eingeteilt. Die einen kümmerten sich um Feuerholz und die Feuerstelle, die anderen sammelten Bambusrohre fürs Essen und ich half mit unser Nachtlager zu bauen. Erst reinigten wir den Schlafplatz, trugen Holz und Äste weg um eine gerade Fläche zu bekommen.

Danach sammelten wir Blätter und legen diese aufeinander. Je mehr Blätter, desto weicher wurde unser Schlafplatz. Anschließend kam eine große Plane über die Blätter. Wir wollten nicht ohne Plane dort schlafen, zu groß war die Angst vor Blutegeln und Spinnen. Am Ende hingen wir noch eine Plane über den Schlafplatz, um vor Regen geschützt zu sein. Fertig war unser Dschungelcamp!

Bei der schwülen Hitze eine echte Mammut-Aufgabe. Ohne die Hilfe der Batek Frauen beim Blätter sammeln wären wir wahrscheinlich heute noch beschäftigt. Nach getaner Arbeit sind wir im nahegelegenen Fluss erst einmal schwimmen gegangen, umringt von tiefem Dschungel! Da haben selbst wir die Blutegel vergessen 😉

Nach dem Baden begannen wir damit die Bambusrohre mit Reis, Gemüse und Hähnchenfleisch zu füllen. Wichtig: Wasser musste auch dazu. Die gefüllten Bambusrohre lehnten wir dann an das Feuer und warteten bis alles gar war. Zugegeben, es dauerte ein bisschen… Das Essen schmeckte ganz anders als man es kennt. Dass der Bambus einen solchen Eigengeschmack hat, hätte ich nicht gedacht, gefiel mir aber 🙂

Da sich nun auch die Batek Frauen an uns gewöhnt hatten, konnte ich sie sogar dazu bringen ein paar Selfies mit mir zu machen. Sie fanden es super lustig sich selbst auf dem Bildschirm des Telefons zu sehen.

Ehrlich gesagt, gehört die Nacht im Dschungel nun nicht zu den tollsten und bequemsten Nächten in meinem Leben. Oft in der Nacht dachte ich mir „hätten wir nur noch mehr Blätter gesammelt!“. Denn der Dschungelboden war hart, der Dschungel an sich laut. Morgens hüpften Affen durch die Bäume und weckten mich aus dem Schlaf. Aber es war dennoch eine einmalige Erfahrung.

Eine Reise mit den verschiedensten Erlebnissen und Eindrücken kam so zum Ende. Ich habe viel über die Natur gelernt und noch einmal mehr, wie wichtig diese für uns ist. Über mich habe ich erfahren, dass es immer gut tut über den Tellerrand zu schauen.

Auch habe ich gelernt, was man für so ein Dschungelabenteuer in Malaysia oder sonstwo tatsächlich alles einpacken sollte, ich hatte nämlich zu viel dabei und von dem Richtigen zu wenig 🙂

Daher kommt hier zum Schluss noch eine

Kleine Dschungel-Packliste

  • GUTE! und wasserdichte Wanderschuhe
  • lange/ dünne schnelltrocknende Hosen
  • schnelltrocknende T-Shirts
  • Mikrofaserhandtücher
  • Regenjacke
  • Tagesrucksack der am besten auch wasserdicht ist
  • Tupperdose, damit man die wichtigsten Sachen wasserfest verstauen kann
  • Trinkflasche mit mind. 1,5 l Füllvolumen
  • Stirnlampe
  • Taschenmesser
  • Klopapier
  • Insektenschutzmittel
  • Tiger Balsam, falls man doch mal gestochen wird
  • Sonnencreme
  • Kamera
  • Power Bank

Dann sollte nichts mehr schief gehen 🙂

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Eine Antwort zu “Malaysia – Dschungelcamp mal anders”

  1. Barbara sagt:

    Das Abenteuer überhaupt. Ich bewundere jeden, der dies macht. Abseits der Zivilisation, einfach genial

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