Asien

Mit dem Zug von St. Petersburg nach Peking

Von Gastblogger , 03. Februar 2020

Ich bin Nicola und war von Anfang September bis Ende Oktober mit dem Vodkatrain unterwegs. Den Zug habe ich im STA Travel Shop in Luzern gebucht und so ging es einmal quer durch den eurasischen Kontinent. Der Zug hält an verschiedenen Stops: von St.Petersburg geht es über Moskau weiter in die Mongolei, bis man schließlich in Peking ankommt. An den verschiedenen Stops hat man ein paar Tage Zeit, diese zu erkunden. In diesem Artikel nehme euch mit auf meine Reise mit dem Vodkatrain von St. Petersburg nach Peking. Einsteigen bitte.

Über das Leben im Zug und Eindrücke Eurasiens

Man hört ein dumpfes Rattern. Ab und an drücken vorbeiziehende Lichter durch die Vorhänge. Mein Bett ist hart aber bequem. Ich befinde mich im Nachtzug von St. Petersburg nach Moskau. St. Petersburg, das ist Russlands Auge nach Westen. Eine Stadt, die im 18. Jahrhundert auf Sumpf und Morast erbaut wurde und imperialen Glanz ausstrahlt. Moskau ist die russische Hauptstadt, die seinen Besuchern nach wie vor kommunistischen Stolz aufzeigt, aber dennoch das pulsierende Herz des modernen Russlands ist. Die Zugfahrt dauert knapp eine Nacht, aber dabei handelt es sich nur um ein kleines Teilstück meiner Reise. Die kommenden Tage werde ich rund 8‘500 km mit den Zug zurücklegen, drei riesige Länder mit einer reichen Kultur besuchen und einmal den gesamten eurasischen Kontinenten durchqueren. Ich bin mit dem Vodkatrain unterwegs.

Drei Wochen Zugreise: Der Zug gibt den Takt vor

Man kann die Reise mit dem Vodkatrain nicht allgemein zusammenfassen, da sie sehr unterschiedlich abläuft und jeder Gast seine eigene Erfahrung macht. Den Trip unternimmt man nicht alleine, sondern es gibt verschiedene Leute, die auch diese Tour unternehmen. Für die kommenden drei Wochen werden sie zu den besten Freunden, weil man sehr viel Zeit miteinander verbringt. Die Ortschaften, die man besucht, sind vorgegeben und so geht es von St. Petersburg nach Moskau. Danach geht es nach Irkutsk, wo man etwa den Baikalsee besucht. Der nächste Halt ist die Mongolei, worauf es weiter bis nach Peking geht. Doch trifft man vor Ort triff oft sogenannte Honchos, die das Programm den Wünschen und Bedürfnissen der Gäste ausrichten.

Vodkatrain Zug St Petersburg Peking

Die Russische Taiga zeigt sich einmalig vom Zug aus.

So gingen einige meiner Gruppe in Moskau beispielsweise ein Eishockeyspiel schauen, während andere das Nachtleben erkundeten. Die Honchos waren durchgehend sehr freundlich, fachkundig und für alles offen. So habe ich mit drei weiteren aus meiner Gruppe und meinem Honcho in Ulaanbaatar bis tief in die Nacht Karaoke gesungen. Die Honchos wurden zu Freunden und jeder Aufenthalt war einzigartig. Diese Flexibilität ist eine der großen Stärken dieser Reise, weil man als Gast ein zugeschnittenes Programm erhält. So gesehen, gibt nur der Abfahrtzeitpunkt des Zugs den Takt vor.

Essen im Zug: Instantnudeln und die Güte der „Wagonwächterin“

Ich stehe auf und nehme einen kleinen Löffel voll Pulverkaffee in meine Tasse. Jeder Wagon hat einen Heisswassertank. Mit meinen „frischen Kaffee“ lehne ich mich ans Geländer beim Wagondurchgang und blicke aus dem Fenster. Man könnte annehmen, dass es nach einer Weile langweilig wird, aus dem Zug zu schauen. Das Gegenteil ist der Fall. Kaum irgendwo habe ich ein so facettenreiches Gesicht des sich anbahnenden Herbstes gesehen, wie in der russischen Taiga. Diesen Anblick werde ich noch die kommenden vier Tage genießen, denn ich befinde mich auf dem Weg von Moskau nach Irkutsk.

Das Leben im Zug ist eigen. Jeder Wagon hat eine „Wagonwächterin“ (ich nenne sie mal so), die für alles zuständig ist: Die Platzeinweisung, die Reinigung oder auch den Verkauf von bestimmten Produkten. Einer der ersten Tipps von Einheimischen war, sich gut mit diesen Frauen zu stellen, denn man will sie nicht zum Feind haben. So streng sind diese Frauen aber nicht, wie es den Anschein hat. Ich habe mit ihnen sehr gute Erfahrungen gemacht und das Wohl der Gäste ist ihnen äußerst wichtig. Es ist allgemein gut, wenn man sich im Zug mit allen gut stellt, denn man teilt das Abteil mit bis zu vier Personen und im Wagon gibt es nicht sehr viele Rückzugsmöglichkeiten. Außer die gelegentlichen Stopps, die von 5 min bis zu 2 h dauern können. Diese Halts waren immer besonders, da sie nicht nur Gelegenheit boten, sich die Füße zu vertreten. Frauen warten am Perron und verkaufen allerlei Leckereien: Von gebratenem Fisch, über frische Früchte bis zu warmen Backwaren. Während der Zug hält, verwandelt sich der Bahnsteig in einen kleinen Markt.

Zug Vodkatrain St Petersburg Peking

Vom Moskau nach Irkutsk: Halt am Baikalsee 

Unzählige Zuflüsse nähren den wohl grössten und ältesten See der Welt, aber der Baikalsee hat nur einen Abfluss, die Angara. Das war für mich eines der eindrücklichsten Sinnbilder der Reise: alles vereint sich hier in einem. Diese Mystik zeigt sich am eindrücklichsten auf der Olchon Insel, der größten Insel auf dem größten See. Sie wird heute noch von Burjaten bewohnt, einem alten mongolischen Volk. Die Insel prägt ihren Glauben und ihr Glaube prägt die Insel. So findet man überall auf ihr die Spuren des Schamanismus und hinter jedem Felsen versteckt sich eine spannende Geschichte oder ein lebensweisendes Ritual. Leider wurde die Insel in den vergangen Jahren touristisch immer attraktiver und das geht nicht ohne Spuren vorbei. Aus diesem Grund empfehle ich Besuchern einfach dem Ufer entlang zu laufen und die Insel auf eigene Faust zu erkunden.

Vodkatrain Zug St Petersburg Peking

Am besten erkundet man die Olchon Inseln auf eigene Faust

Weiter geht’s in die gastfreundliche Mongolei

Mit dem Vodkatrain geht die Reise weiter in die Mongolei. Angeblich braucht es 30 Minuten, um das traditionelle Zelt, eine Jurte, aufzustellen und auch 30 Minuten sie wieder zusammenzulegen. Das versichert auf jeden Fall eine ältere Frau, als sie uns allerlei Naschwerk serviert. Wenn man eine Jurte betritt, gibt es bestimmte Regeln, die man beachten muss. So sollte man niemals die Schwelle betreten, weil es sich dabei um eine schlechtes Omen handelt oder man sollte sich auch an den zugeordneten Platz setzen, weil die Sitzordnung dem Familienrang folgt. Das klingt nach viel Regeln, aber man sollte sich keine Sorgen machen, da die Mongolen sehr gastfreundlich sind. Insgesamt war das Erlebnis in der Mongolei auffallend und voller Kontraste: Man erlebt einerseits das einfache Leben in der Steppe, wo die Weiten auf einen Pferderitt einladen und andererseits das Großstadtleben in Ulaanbaatar. Eine Stadt, die eine einmalige sowie vielschichte Küche und auch ein spannendes Nachtleben bietet.

Vodkatrain Zug St Petersburg Peking

Unendlich sind die Weiten der Mongolei.

Vodkatrain Zug St Petersburg Peking

Sanfte Hügelzüge durch die Mongolische Steppe.

Die letzte Nacht mit der Gruppe: Abschiedsessen

Unseren letzten gemeinsamen Abend als Gruppe verbrachten wir in Peking bei einem Essen der Pekingente. Danach scheiden sich unsere Wege. Zum Abschied gehen wir alle gemeinsam Pekingente essen. Nacheinander erhalten wir zahlreiche Köstlichkeiten und das Essen wird auf einer großen Drehscheibe serviert. Wir teilen alles. Danach gehen wir in die Pekinger Nacht hinaus. In Peking spürt man den kulturellen Reichtum und die Triebkraft dieses Landes. Es hat fast den Anschein, als ob die gewaltige Geschichte heute in einer historischen Verpflichtung mündet und China nicht bereits jetzt Großes leistet, sondern künftig noch viel Größeres leisten wird. Wenn man dieser Dynamik entfliehen will, empfiehlt es sich, sich an einen Tisch zu setzen und zu essen.
Die Ruhe eignet sich, die Reise Revue passieren zu lassen: Ich blicke auf eine einmalige Tour zurück, einmal quer durch den eurasischen Kontinent. Mir hat keine Destination besonders, sondern mir hat die ganze Reise insgesamt gefallen. Eine Reise, die ich jedem empfehlen kann, der keine ganz normale Reise unternehmen will.

Vodkatrain Zug St Petersburg Peking

Chinesiche Mauer

Fragen und Antworten zum Vodkatrain:

Welche Reiseroute macht man mit dem Vodkatrain?
Der Zug startet in St. Petersburg. Danach geht es über Moskau weiter nach Irkutsk, wo man beispielsweise den Baikalsee besuchen kann. Der nächste Halt ist dann in der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar. Die Reise endet schlussendlich in Peking. An jedem Stop hält man sich einige Tage auf und kann vieles unternehmen.

Ist man alleine in einer Kabine oder mit mehreren Personen?
Man kann mit bis zu vier Personen in der Kabine sein. Man sollte aber wissen, dass man die Reise mit dem Vodkatrain nicht alleine unternimmt. Es gibt andere, die ebenfalls auf dieser Reise sind, ähnlich einer kleinen Gruppe. Mit ihnen ist man dann in der selben Kabine. So hat man einige „Vertraute“ um sich. Man lernt aber sehr schnell Leute im Zug kennen, egal ob Einheimische oder andere Touristen.

Wie sicher fühlt man sich in dem Zug und insgesamt auf der Reise?
Im Zug fühlt man sich sehr sicher. Bei den Stops sollte man aber seine wichtigsten Wertsachen mit sich tragen. Auch würde ich persönlich in Russland kein Taxi nehmen. Wenn man dennoch nicht darauf verzichten will, soll man ein Uber verwenden. In Ulaanbaatar ist es empfehlenswert nachts als Tourist nicht unbedingt alleine unterwegs zu sein. Insgesamt habe ich mich auf der gesamten Reise immer sehr sicher gefühlt.

Welchen Tipp würdest Du jemandem mitgeben, der noch nie in Russland war?
Wie in jedem Land, das man besucht, sollte man zwei, drei Sätze in der Landessprache sprechen können. Das kommt bei den Einheimischen sehr gut an. Ansonsten kommt man aber auch mit Englisch kommt sehr weit. Die Leute waren durchweg sehr freundlich und hilfsbereit.

Würdest Du einen Trip mit dem Zug durch ein Land empfehlen?
Auf jeden Fall! Es ist eine sehr besondere Erfahrung und man erhält einen ganz eindrücklichen Blick auf ein Land.

Vodkatrain Zug St Petersburg Peking

Tradition neben Moderne. Ein Blick auf Peking.

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