Asien

Nepal – Eintauchen in eine andere Welt

Von Gastblogger , 27. November 2015

Gestatten, Ben – 28, gebürtiger Frankfurter und mit dem „Fernweh-Gen“ ausgestattet. Ich habe Ende Juni meinen Job gekündigt um mich in Richtung Nepal und Südostasien aufzumachen und Erfahrungen zu sammeln die die kommenden Monate unvergesslich machen sollen!

Waisenhaus statt Hotel

Nepal – in erster Linie ein Land, das wir mit der Magie der Berge verbinden, schneebedeckte Gipfel der Achttausender, allen voran der Mount Everest. Doch ist es auch eines der ärmsten Länder der Welt mit einem Durchschnittsjahreseinkommen von nicht einmal 500 Euro pro Kopf.

Zudem das Land, das in diesem Jahr am schlimmsten von Erdbeben getroffen wurde – den schlimmen Beben aus den Monaten April und Mai folgte Ende Oktober wieder ein Erdstoß, der seinen Ursprung in Pakistan hatte. Doch die Erde rührt sich hier ständig, was ich aus Gesprächen mit Einheimischen gelernt habe. Ein Land das man also lieber meiden sollte? Keineswegs, denn gerade nach solchen Naturkatastrophen benötigt das kleine Land am Fuße des Himalaya den Tourismus mehr als sonst.

Reisen mal anders – Danke „Hope for Nepal“ 

Man hilft den Menschen also bereits, wenn man seine Reise hierher macht und Zeit vor Ort verbringt – doch das war mir irgendwie nicht genug. Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich mit dem Ziel aufgebrochen „ich möchte was tun und helfen“.

Jedoch sollte dieses „Helfen“ nicht durch irgendeine Agentur oder eine Organisation gebucht und organisiert werden – ich hatte beschlossen den „direkten Draht“ zu suchen. Über Reisebekanntschaften bin ich dann auf Michi von Hope for Nepal gestoßen. Dank ihrer Hilfe und der Hilfe eines Freundes aus Kathmandu kam ich dann auf ein Waisenhaus etwas außerhalb der Hauptstadt. Also bin ich anstelle meiner ersten Idee, eine Schule in einem zerstörten Dorf wieder aufzubauen, welches aber aufgrund der großen Erdbebenschäden nicht erreichbar war, in diesem Waisenhaus eingezogen.

Namaste – Leben in einer 23-köpfigen Familie

Für die kommenden 16 Tage habe ich also mit 20 Kids zwischen vier und 15 Jahren und ein paar Eltern in einem Haus in den Hügeln über Kathmandu, in Budhanilkantha gewohnt. Ein Leben in einer echten Großfamilie, das allen einiges an Organisation abverlangt.

Nepal_Ben_Kids

Fortan war ich der brother, der mit den Kids morgens zwischen 5 und 6 Uhr in den Tag gestartet ist. Aufstehen, Anziehen, Zähne putzen – Gruppengebet, nepalesische Nationalhymne und ein wenig Frühsport – der allmorgendliche Start in den Tag.

Nach dem Frühstück wurde dann auf der ersten der beiden Dachterrassen gelernt. Englisch, Mathe, Nepali – wir haben fleißig gelesen und übersetzt. Ich konnte ein wenig Englisch und Deutsch vermitteln und habe dafür täglich meinen Nepali Unterricht bekommen und wurde in deren Mathekünste eingeweiht.

Nepal_Ben_Hausaufgaben

Wenn sich alle in ihre Uniformen geschmissen hatten, ging es zur Schule – alle erst einmal in Reih und Glied bis hoch über die Hauptstraße und dann fröhlich in Zweierreihen bis zur Schule.

Nepal_Ben_WegzurSchule

Nachmittags gab es dann wieder Hausaufgaben, Essensvorbereitungen und Spiele – Fußball, Fitness, Singen, Tanzen – alles was Kleinen und Großen Freude macht.

Der böse, große Bruder – Indien macht Nepal das Leben schwer

Da es zu der Zeit in der ich in Nepal war, leider aufgrund politischer Thematiken, Spannungen mit Indien gab, war es nicht ganz so einfach den Alltag zu erleben wie sonst. Vor allem Benzin und Gas waren knapp – der Verkehr kam teils zum Erliegen, Fahrpreise stiegen rasant an und Restaurants mussten aufgrund des fehlenden Gases schließen.

Nepal_Kathmandu_Strassenverkehr

So haben wir tagein, tagaus Holz herbeigeschafft mit dem abends ein Feuer gemacht wurde – schließlich wollten das Gemüse gekocht und das Brot gebacken werden.

Nepal_Ben_Kochen

 

Nepal, Kochen
Eine teils stundenlange Prozedur, die jedoch mit viel Gelächter verbunden war – auch wenn wir uns nicht immer alle verstanden haben. Aber, dass man nicht immer zwingend die gleiche Sprache sprechen muss, habe ich vergangenes Jahr bereits im Iran erleben dürfen.

Bedarfsliste, Facebook, Zähneputzen und Co. – Eine unvergessliche Zeit geht zu Ende

Zwischenzeitlich war mit Kathryn auch noch eine australische sister ins Waisenhaus eingezogen – eine ganz neue Situation für alle – so etwas gab es vorher noch nie, dass zwei Fremde mit der Familie gelebt haben. Zumal wir überhaupt die ersten beiden Freiwilligen im Haus waren.

Neben den bereits genannten alltäglichen Aufgaben im Haus standen auch hin und wieder gemeinsames Einkaufen und samstags – ganz wichtig, der Waschtag und Wanderungen auf dem Programm.

Nepal, Wäsche waschen

Gerade die Ausflüge zu Fuß waren eine Möglichkeit, die Zeit mit den Kids an deren einzigem freien Tag intensiv zu genießen.

Nepal_Ben_Wandern

Neben all dem Spaß war es uns jedoch auch wichtig, den Kindern etwas mitzugeben. So haben wir zum Beispiel gemeinsam ein Aufbewahrungsbrett für die Zahnbürsten der Kids gebastelt, da diese sonst überall umher flogen und alles andere als vorsichtig bzw. hygienisch behandelt wurden.

Nepal_Ben_Brett

Nepal_Ben_Brett2

Weiterhin hatte ich Profile der Kinder erstellt, um einen gesammelten Überblick zu erhalten und den Menschen , die sich mit Schulpatenschaften oder Sonstigem engagieren dies geben zu können. Auch eine Liste des wöchentlichen Bedarfs hatte ich erfasst, um den Lebensmittelverbrauch besser einschätzen zu können.

Es waren wundervolle Tage dort oben in Nepal die ich auf keinen Fall missen möchte – es war genau der richtige Start in mein Abenteuer.

Nepal Waisenhaus

Um das Ganze dann noch etwas nachhaltiger zu gestalten, haben wir eine Facebook-Seite für das Waisenhaus aufgesetzt, damit sich vielleicht auch andere Freiwillige finden, die dort oben für eine Weile einziehen und Teil der Familie werden möchten. Es hilft den Eltern ungemein und den Kids sowieso – und euch wird es einfach nur Freude bereiten und tolle, neue Erfahrungen bringen!

Mehr dazu erfahrt ihr auf www.benumdiewelt.de – folgt Ben auch auf Facebook und Instagram.

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