Reiseplanung

Overwas? Overland!

Von Carina Müßen , 12. Oktober 2015

Dass uns Abenteuer im Blut liegen ist ja kein Geheimnis. Darum haben wir uns auch wie damals beim Kindergeburtstag gefreut, als ein waschechter Overland-Truck unseres Partners Dragoman auf den Hof vor unserem Bürogebäude gefahren kam. Mit viel Hallo und Gewinke wurden die beiden Guides Duncan und Helen mit dem Truck Xara begrüßt! Unsere Kollegin Melanie war auch mit an Bord, sie nutzte die außergewöhnliche Mitfahrgelegenheit, um von Wien nach Frankfurt zu kommen.

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Aber, was ist eigentlich Overland?

Eine kurze Einführung zu Overland- bzw. Überlandreisen: bei dieser Reiseart bereist man ein Land, mehrere Länder oder ganze Kontinente mit einem Overland-Truck. Mit dem Truck kommst du während deiner Reise an Orte, die man mit anderen Transportarten gar nicht erreichen könnte, z.B. die Gaskrater von Derweze in Turkmenistan oder der bolivianische Altiplano mit den Lagunas Colorado & Verde. Man ist außerdem zu Gast in einheimischen Gemeinden, macht Ausflüge wie den Community Inka Trail in Peru oder besucht die Odisha-Völker in Indien. Somit gibst du während deiner Reise auch etwas an die hiesige Wirtschaft zurück und übernachtest dann auch mal in abgelegenen Bergdörfern, lernst, traditionelle Gerichte zuzubereiten oder reitest sogar mit den Nomaden aus!

Die meisten Overland-Touren dauern 2-3 Wochen, du kannst sie jedoch zu Reisen von bis zu 235 Tagen (von Anchorage nach Cusco) kombinieren!

Die Gruppe

Man reist in Gruppen von maximal 22 Personen mit gleichgesinnten Abenteuerlustigen jeden Alters aus der ganzen Welt. Die Aufgaben im Camp werden genauso geteilt wie die aufregenden Erlebnisse, die einem unterwegs passieren. Das Gemeinschaftsgefühl stellt sich also automatisch ein, wenn man gemeinsam das Camp vorbereitet, einkauft, kocht und sauber macht. Viele Dinge, wie die genaue Anzahl der Mahlzeiten oder das Verhältnis von Camping- zu Hotel- oder Gastfamilien-Unterkünften kann sich kurzfristig auch mal ändern. Manchmal wird auch wild gecampt – das ist oft das Schönste!

Trip Kitty Payment

Bei jeder Reise fällt die Einzahlung in ein Trip Kitty zusätzlich an, man kann diese vor Ort an den Reiseleiter zahlen oder per Vorab-Überweisung begleichen. Der Betrag unterliegt leichten Schwankungen auf Grund von Wechselkursen und schwankenden Lebenshaltungskosten, da hiermit gemeinsame Aktivitäten wie Hotel-Übernachtungen, Mahlzeiten während des Camping, Campingplatzgebühren und alle, als inklusiv aufgeführten Ausflüge/Erlebnisse vor Ort beglichen werden. So bekommst du alles zum Einkaufspreis und das Beste daran: falls etwas übrig bleibt, gibt es von dem Trip Kitty Payment sogar noch Geld zurück.

Ein echter Overland-Truck auf unserem Hof

Ganz schön beeindruckend dieser Overland-Truck! Man fühlt sich ganz klein, wenn man einmal davor steht. Hier bekommt ihr einen Eindruck, wie imposant die gute „Xara“ wirklich ist:

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Die Overland-Trucks sind widerstandsfähige, aber einfache Wagen, so dass kleine und größere Reparaturen ohne Probleme auch von lokalen Werkstätten unterwegs, z.B. in Kirgistan gemeistert werden können. Kleine Reparaturen übernimmt oft auch einer der Fahrer. Die Fahrer sind immer zu zweit oder zu dritt und sind entsprechend geschult. Sie wechseln sich in der Reiseorganisation und beim Fahren ab. Auf ihrer 10-monatigen Tour entlang der Seidenstraße und durch Südostasien, hat sich Duncan eher um das Technische und Helen verstärkt um organisatorische Dinge gekümmert.

Alles am Overland-Truck muss praktisch und funktional sein. So gibt es an den Seiten Fächer für Kochutensilien wie Geschirr und Gaskocher, die Camping-Ausrüstung, Gasflaschen, Wassertanks und sogar einen Käfig zum Transport von Feuerholz.

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Sobald der Einstieg über die kurze, steile Treppe in den Truck gemeistert ist, fühlt man sich wie in einem kleinen Wohnzimmer. Man kann im Gang sehr gut stehen und hat auch beim Sitzen viel Platz, bequem sind die Bus-Sitze ohnehin. Ingesamt ist der Overland-Truck für bis zu 24 Personen ausgelegt, die Reisegruppe besteht jedoch 22 Personen, da bei den verschiedenen Touren häufig noch ein lokaler Guide mit an Bord kommt. Laut Duncan gibt es auch so etwas wie „den besten Platz“ eigentlich nicht. Klar, im hinteren Bereich kann es holpriger und je nach Straßenverhältnissen auch mal staubiger werden, aber da hat jeder so seine Präferenzen. Und man muss schließlich auch nicht über Stunden am Platz festgenagelt sitzen bleiben, trotz integrierter Sitzgurte 😉

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Neben zwei Vierer-Inseln mit je einem Tisch, einer kleinen Onboard-Bibliothek mit Romanen, Fachliteratur und heute auch mal dem Overland-Katalog von STA Travel, gibt es sogar bis zu acht Dachsitze für einen Perspektivwechsel und Tierbeobachtungen.

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Meine Kollegen haben das natürlich gleich ausprobiert und man sitzt schon ziemlich hoch. Aber der Ausblick ist fantastisch!

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Die Trucks sind auch mit abschließbaren Gepäckfächern, einem versteckten Safe und einer Vollausstattung an medizinischer Ausrüstung bestückt. Die Fahrerkabine ist offen und bietet neben einer Sitzgelegenheit viele Infos zu den aktuellen Zielen der Tour. Hier hat Helen beispielsweise mit viel Liebe jede Menge Infos zu Istanbul und der Umgebung angebracht:

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Den oberen Teil der Fenster nutzen Duncan und Helen dazu, mit Whiteboard-Markern einige Infos aufzuschreiben, das können einfache Begriffe wie „Bitte“ und „Danke“ oder „Guten Tag“ in der jeweiligen Landessprache sein oder Wissenswertes zur Strecke und zur bereisten Region. Zum Beispiel auch, wie viel Kilometer sie in den vergangenen Monaten mit dem Truck Xara gemeistert haben: über 35.000!

Durch weite Entfernungen, unterschiedliche Infrastruktur und einer Höchstgeschwindigkeit von 90km/h sitzt man an manchen Tagen zwischen 7-10 Stunden im Truck. Es gibt aber auch Pausen mit 2-3 Tagen Aufenthalt an einem Ort. So sind z.B. in Argentinien die schönsten Plätze und Sehenswürdigkeiten ziemlich weit voneinander entfernt, was die Reisezeiten im Truck eben verlängert. Auf der anderen Seite beeinflussen unterschiedliche Straßenverhältnisse den Trip: Duncan erzählte, dass beim Grenzübergang von China nach Myanmar der Unterschied sonnenklar war. Die Landschaft veränderte sich stark, die Menschen sahen ganz anders aus und auch die Gerüche waren unterschiedlich und eben auch der Zustand der Straßen. So reist es sich in Myanmar wesentlich langsamer als in China. Bei der Tourenplanung wird jedoch auf ein gutes Verhältnis zwischen Reisezeit im Truck und Aufenthalt bzw. Aktivitäten geachtet.

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Kleine Anekdote: für Myanmar hat der Overland-Truck eine Ausnahmegenehmigung da eigentlich keine fremden Fahrzeuge ins Land dürfen. Mit dieser Genehmigung und einem eigenen escort vehicle wird im Truck durch Myanmar getourt.

Das Essen wird übrigens oft gemeinsam zubereitet. Man kauft zuvor die Zutaten in lokalen Geschäften oder auf Märkten ein und kocht im Camp zusammen. So kann auf unterschiedliche Bedürfnisse wie Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Allergien ganz individuell eingangen werden. Und auch Vegetarier und Veganer kommen nicht zu kurz. Wird z.B. in Indien oder Südostasien in Restaurants gegessen, geben die Guides auch ein paar Tipps, was man vermeiden sollte, wenn man betroffen ist bzw. hört man, wie sonst auf Reisen auch, einfach auf seinen gesunden Menschenverstand.

Wir haben die Gelegenheit genutzt und gleich mal unsere Mittagspause in den Truck verlegt, während andere weitere Infos rund um den Overland-Truck und die Touren erfahren haben:

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Also, wie ihr sehen könnt: wir sind restlos begeistert und würden am liebsten gleich sitzen bleiben und mitfahren: über die Seidenstraße, durch Patagonien, die Panamerica-Route entlang, durch die Mongolei, von Istanbul nach Peking, quer durch Südostasien, Indien oder Afrika. Jede Menge Touren rund um den Globus – da hat man echt die Qual der Wahl. Schaut gleich vorbei: DE | AT |CH

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