Reiseberichte

Verborgenes Kolumbien

Von Die STA Travel Reiseexperten , 19. Dezember 2014

Mit Coldplay´s Viva la Vida in den Ohren setzt mich der A330 der portugiesischen TAP sicher nach 10 Flugstunden am Airport El Dorado ab. Die 8 Millionen Metropole Bogotá, Hauptstadt Kolumbiens, ist uns auf einer Höhe von 2640m über dem Meeresspiegel gelegen, kurz unterhalb der Wolkendecke bereits entgegengekommen.
Südamerika, endlich bin ich angekommen auf einem für mich fremden Kontinent. Kolumbien – da denkt man vorerst an Pablo Escobar, Guerilla, FARC, Drogen und Kriminalität, aber eben auch an Simon Bolivar, an Dschungel, Karibik und die Panamericana.

Unterwegs bin ich auf dieser Inforeise diesmal mit 11 Kollegen aus Österreich, der Schweiz und Deutschland. Niemand von uns war bis dato in Kolumbien. Das Abenteuer kann beginnen. Was ist wirklich dran an den Gerüchten?
Uns erwartet jetzt aber zunächst wenig Exotisches. Das Wetter schmuddelig bei 15 Grad; im November nicht ungewöhnlich.

Guide Henry aus Ecuador fängt uns gleich nach der Einreisekontrolle ab und muss auch sofort in Aktion treten, da der erste Koffer bereits abhanden gekommen ist. Es soll ein Phantombild des Koffers angefertigt werden.
Die Stadt empfängt uns mit großer Kulisse mit vielen bunten Fassaden und riesigen Gemälden an den Hauswänden.
Beim anschließenden Briefing für die nächsten Tage unserer Erlebnisreise, falle ich vor Müdigkeit fast vom Stuhl. Die Waagerechte in meinem Hotelzimmer kommt schnell und noch schneller bin ich weg – Essen wird heute überbewertet.

07/11/14 – Magic

Nach einer ordentlichen Mütze Schlaf und einem stärkenden Frühstück geht es heute gleich wieder gen Flughafen. Um die Mittagszeit setzt uns die kolumbianische Airline Avianca an der karibischen Nordküste in Cartagena de Indias ab.

Karibisch, tropische Hitze mit 34 Grad und 95% Luftfeuchtigkeit schlägt uns entgegen. Die Altstadt mit tollen, kleinen Gassen, Häuser bunt bemalt in jeglichen Farben. Die Menschen freundlich und einladend.

Kolumbien

Für mich ist es das Paradies schlechthin – an jeder Straßenecke stehen kleine fahrbare Stände die Obst, Früchte und Säfte für wenige kolumbianische Peso anbieten. Zudem Avocados in Form und Größe eines Footballs. Dann noch den besten Espresso von Juan Valdez und ich bin vollends überzeugt.  Bestens – hier bleibe ich.

Am Nachmittag unternehmen wir dann zur Orientierung eine Citytour mit der beeindruckenden Stadtmauer, die man auf 11 km Länge fast vollständig erlaufen kann. Im Hintergrund überragt stolz das monumentale spanische Kastell Castillo de San Felipe de Barajas die Stadt. Von hier aus kann man ganz Cartagena überblicken. Aber eben auch jene Stadtteile, in denen man als Tourist absolut gar nichts zu suchen hat, sowie die Insel Boca Grande auf der die Apartmenthäuser mit blitzeblanken Fassaden wie in einer Trabantenstadt in den Himmel ragen. Ganz krasser Gegensatz.

Kolumbien

Zum Abend hin steht die Altstadt Kopf. In jeder noch so kleinen Gasse treten Straßenkünstler auf; es wird gegessen, getrunken, gefeiert, gelacht und geschwoft bis in die frühen Morgenstunden. Energie und Spirit vom Feinsten.

08/11/2014 – Just Can’t Get Enough

Da ich mir heute glücklicherweise selbst die Rolle der Fotografin auferlegt habe, werde ich zumindest zum größten Teil sauber bleiben.

Meine 11 Kollegen aber steigen hinab in den Schlammvulkan Volcán de Lodo El Totumo, ca.50 km westlich von Cartagena gelegen. Suhlt man sich in seinem Schlamm, wird strahlende Schönheit prophezeit. Ich fühle mich heute schon schön genug, aber alle meine Mitreisenden bekommen ihr persönliches Schlammfoto.

Kolumbien_03

Zurück in Cartagena bummle ich allein los. Ich muss einfach ein paar Sachen für meine Lieben zu Haus besorgen. Cafe von Juan Valdez ist keine Frage und es gibt Aguardiente, das hiesige Feuerwasser in Mini Tetrapaks.

In den Straßen herrscht wieder ein Höllenradau – gerade findet eine weitere Etappe einer Laufserie in Kolumbien statt. Heute in Cartagena sind es 10 km und das bei gefühlten 40 Grad und einer irren Luftfeuchtigkeit – chapeau bas. Ich schlage mich zum Start-/Zielbereich durch und kann im Tausch meiner Triathlontrinkflasche eines der Laufshirts mit der Skyline von Cartagena und dem Datum von heute ergattern.

Zum Sundowner schlendere ich die Stadtmauer entlang, treffe später meine Kollegen im Cafe del Mar und trinke meinen ersten richtigen, südamerikanischen Pisco Sour.

Kolumbien

09/11/2014 – Tage wie dieser

Aufgrund der Zeitverschiebung ist die Nacht für Zimmerpartnerin Ines und mich bereits um 5:30 wieder zu Ende. Zum traditionellen Frühstück in Kolumbien gibt es Omelett und Arepas, runde Maisfladen und Obst in Hülle und Fülle.

Noch bevor die Straßen wieder vom turbulenten karibischen Flair erfüllt sind, ziehen wir mit großen Augen durch die Gassen und können uns kaum satt sehen. Zu einem zweiten Frühstück landen wir schließlich in einer Panaderia und wollen das bekannte Pan de Bono, ein Käsebrot aus Tapioka- und Maismehl, kosten. Dazu ein frischgepresster Maracujasaft und wir sind gerüstet für einen ganz kuriosen Tag.

Wir machen uns auf gen St. Marta, die Nordküste entlang. Nach einem kurzen und schnellen Lunch, stecken wir erstmal fest – unser Bus hat einen Platten.

Kolumbien

Wir werden lernen, dass 10 kolumbianische Minuten in Echtzeit etwa 90 Minuten sind. Genug Zeit um Guide Henry allerlei Blödsinn beizubringen. Bei einem Gruppenfoto gestern hat er das wichtige deutsche Wort Ameisenscheisse aufgeschnappt – heute soll noch `Heißer Feger´ und alles Mögliche dazukommen. Wenn ihr also demnächst in Kolumbien oder Ecuador mit Heißer Feger begrüßt werdet, dann steht euch Henry gegenüber.

Als es endlich weitergeht und wir auf Ablegern der Panamericana den Rio Magdalena bei Barranquilla passieren, fängt es an wie aus Eimern zu schütten – unserem Bus schwappt das Wasser bis über die Räder. Am Straßenrand entdecke ich einen Container von Hamburg Süd – Hamburg meine Perle, sei gegrüßt! So klein ist dann doch die Welt!

10/11/2014 – Me and my monkey

Nach einer viel zu kurzen Nacht geht’s heute früh gleich per Busshuttle zum Tayrona National Park. Ich freue mich riesig auf die bevorstehenden 2 Tage im Hängemattenlager. Am Gate El Zaíno wird kurz unser Tagesgepäck durchgeschaut und gefilzt, das Große wird im Bus bleiben. Wir werden nicht wie die meisten Besucher den Hauptweg und die normale Route nehmen, sondern den Verpflegungspfad der Pferde und Mulis. Straßen gibt es im Nationalpark keine. Alles was zu transportieren ist, wird per Pferd, Muli oder Esel befördert. Ja, auch faule Parkbesucher. Die Wege daher unwegsam und matschig. Wir hoffen Affen zu Gesicht zu bekommen.

Es ist jetzt super heiß und feucht – wie in der Sauna. Eine Komposition aus Sonnencreme, Schweiß und meinem Mückenmittel Anti Brumm – kurz nun Eau de Brumm, rinnt mir den Rücken hinunter.

Auf halber Strecke entdeckt Annabell dann den ersten Affen. Es werden mehr und mehr und eine ganze Affenfamilie (Titi und White Face Monkeys) macht einen Heidenspektakel in der oberen Etage. Zwischendurch kommt von hinten noch ein bepacktes Muli (ohne Mensch) angaloppiert und es hilft nur noch ein beherzter Sprung zur Seite.

Kolumbien

Die Kollegen von oben scheinen inzwischen Stöcke und Blätter nach uns zu werfen. Weit hörbar bestimmt der dicke Red Howler, das Alphatier jetzt imposant seine Position. Was für ein Affenzirkus?

Kolumbien

Henry sagt uns später, dass wir sehr viel Glück hatten, so viele und auch verschiedene Affen zu sehen
Nachdem wir uns regelrecht durch die Büsche schlagen müssen und wir zwischendurch immer wieder gelbgestreifte Giftfrösche und Agoutis (ein Meerschwein mit langen Beinen) sehen, lichtet sich jetzt der Dschungel und wir gelangen an den Strand von La Arenilla. Ein Bilderbuchstrand mit Kokospalmen über und über. Baden ist hier allerdings aufgrund einer starken und tückischen Unterströmung lebensgefährlich.

Kolumbien

Dem Ufer folgend gelangen wir nach 2 ½ Std. Fußmarsch an unseren Bestimmungsort für die nächste Nacht, dem Cabo San Juan de la Guía. Wir checken in unser Hängemattenlager ein und verbummeln den restlichen Tag am Strand und im Wasser.

Mit Zahnbürste im Mund, der Stirnlampe auf dem Kopf und Handtuch mache ich mich spät in der Nacht noch auf Richtung Dusche, die hier aus einer einfachen, kalten Leitung aus der Decke besteht.

11/11/2014 – A sky full of stars

Die Location ist aber auch wirklich großartig. So großartig, dass es eigentlich viel zu schade ist zu schlafen. Wir hängen direkt auf einem Felsplateau inmitten der karibischen See. Die Brandung lullt einen aber dann doch ein, und ich schlafe entgegen den Erwartungen (normalerweise schlafe ich auf dem Bauch) richtig gut. Mit Sonnenaufgang ist aber auch diese Nacht wieder sehr schnell zu Ende und so blinzle ich gegen 5 Uhr etwas schlaftrunken aus meiner Hängematte einem neuen, aufregenden Tag entgegen.

Kolumbien_09

Nach einem early breakfast werden wir uns mit 8 Leuten aufmachen und versuchen über einen Dschungelpfad Pueblito Chairama, eine Ruinenstadt der Tayrona-Indianer, zu erreichen. Nach 30Min. kehrt Nr. 8 bereits um, jetzt sind wir nur noch mit 7 Mädels und Henry unterwegs, der ein irres Tempo vorlegt. Über glitschige Felsen und kleine Kletterpassagen erreichen wir nach 1 ½ Std. Pueblito. Steintreppen und von Felsbrocken eingefasste Hausfundamente  sind noch zu sehen. Eine Kolonie von 20 Kogui-Indianern lebt jetzt hier oben. Langhaarig, wettergegerbte Haut und ganz in weiß gekleidet, habe ich so viel Ehrfurcht vor dem Oberhaupt, dass mir ein Foto unpassend scheint.

Kolumbien

Die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit sind jetzt brutal. Ich habe in 2,5 Std. 2 Liter Wasser getrunken und möchte eigentlich in voller Montur durch bis zum Strand ins Wasser gehen. Auf dem Rückweg von Pueblito haben wir dann auch etwas mehr Zeit um uns einmal umzuschauen. Wir sehen tellergroße blaue Schmetterlinge, immer wieder die gelbgestreiften Giftfrösche, Geckos mit blauen Schwanzspitzen und einen riesigen Black Iguana – mit seinem massigen Körper gute 1, 5 Meter lang.

Zurück im Camp empfängt uns die karibische See mit bestimmt 28 Grad. Was für eine Wohltat. Später am Strand wird sich ein Green Iguana zu uns gesellen. Auch schön – so als Nachbarhandtuchpartner.

Kolumbien

Am späten Nachmittag geht’s dann mit einem Bootshuttle die Küstenlinie des Tayona National Parks entlang Richtung Taganga. Wir landen schließlich mitten in dem kleinen beschaulichen Fischerort Taganga, indem sich Backpacker und Hippie bestimmt pudelwohl fühlt. Nach 2 Tagen Dschungelcamp passen wir hier prima her.
Im Pachamama esse ich abends das allerbeste Steak seit langem und werde auf irgendeiner Terrasse über dem Meer meinen ersten Salsa tanzen.

12/11/2014 – Where the streets have no name

Morgens lädt Kollegin Leila zum Pilates auf die Dachterrasse. Nach 30 Min. morgendlichen Workouts schmeckt das Frühstück umso besser.

Taganga ist jetzt ein trostloser Ort. Die Uferstraße gerade noch befestigt und einigermaßen in Schuss, sieht es in den Seitengassen aus, als sei die Zivilisation noch Jahre weit weg.

Kolumbien

Gegen Mittag dann Flug der Avianca von St.Marta nach Bogota zurück. Nach den vergangenen Tagen an der idyllisch, paradiesischen Karibikküste kommt mir Bogota jetzt vor, wie eine urbane Bombe.

Wir machen uns auf, den 3.150 m hoch gelegenen Berg Monserrate und die dort oben befindliche Kirche mit dem Schrein des „Gefallenen Jesus“ zu entdecken. Das Wetter dort oben sieht nicht gut aus, aber wir wollen es trotzdem versuchen. Vorbei an Straßenständen, wo ganze frittierte Hühner mitsamt Kopf angeboten werden, nehmen wir die Cable Car Bahn und können gerade noch im Sonnenschein beeindruckt auf die Mega Metropole hinabschauen.
10 Minuten später hat uns dann doch das Wetter zu fassen. Wir flüchten vor dem Regen in die nächsten Souvenirläden und bleiben schließlich bei Kokatee und einem netten Pläuschchen in einer der vielen Buden hängen.

Kolumbien

Unser Abschiedsessen wird abends im Andrés Carne de Res stattfinden.
Wer Fan von Riesensteaks á 330 Gramm, Erlebnisgastronomie und Partywahnsinn ist,  wird sich in dieser Location auf 5 Etagen bestimmt wohlfühlen.

13/11/2014 – This is the end

Und das war´s dann auch schon wieder. 7 Tage komprimiert verpackt mit Eindrücken und Erlebnisse die mindestens 3 Wochen füllen könnten. Ich bummle ein letztes Mal über die Plaza de Bolivar, auf dem heute früh mehr Tauben als auf dem Markusplatz sind und ein letztes Mal durch die Gassen von Bogotas Altstadt La Candelaria.

Kolumbien

Vorbei an ganz, ganz tollen Gemälden an den Hauswänden, einen letzten Drink in einer meiner so sehr liebgewonnenen Saftbars und schwupp sitze ich schon wieder im Flieger.

Aber eines ist sicher – South America, I want more!

Du möchtest Kolumbien ebenfalls auf einer geführten Erlebnisreise entdecken? Dann nichts wie auf unsere Webseiten in DE | AT | CH und du hast die Qual der Wahl 🙂 Ganz viel Spaß beim Stöbern!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.