Reiseberichte

Wir und unsere Weltreise – wie uns das Reisen beeinflusst

Von Gastblogger , 11. März 2015

Seit 2006 sind  die beiden Schweizer Nadine & Philippe ein Paar und denken mittlerweile wie ein altes Ehepaar. Nein sie sind nicht verheiratet, aber das Wir und Ich sind stark verbunden. In 2009 haben sie ihre erste längere gemeinsame Reise bereits erfolgreich hinter sich gebracht. Mit der damaligen Neuseelandreise wuchs auch die Sehnsucht nach der Ferne. Mittlerweile sind die beiden seit gut 10 Monaten auf Weltreise, ohne Zeitlimit, ohne festen Plan. Ihre Entdeckungen und Erlebnisse halten sie auf gustofrenzy fest.

Für uns sind die zwei etwas in sich gegangen und erzählen, was ihre Weltreise so ganz persönlich mit ihnen anstellt.

Möglichkeit für Veränderungen

Vor dem Aufbruch zu einer Weltreise oder generell einer Langzeitreise machst du dir allerlei Gedanken darüber, wie das Reisen dich beeinflussen wird, wie du dich verändern wirst oder was es dir offenbaren wird.

Wir überlegten uns vor der Abreise nicht nur, was das Reisen mit uns anstellen wird, sondern auch was wir in der kommenden Zeit mit uns anstellen wollen. Wir betrachteten den Umstand, dass wir weg sein würden von unserem gewohnten Umfeld, als Möglichkeit, uns ein Stück weit neu zu erfinden. Wir wollten z.B. versuchen, offener auf Leute zuzugehen, öfters die Initiative zu ergreifen und spontaner zu werden.

Während den bisherigen Monaten unterwegs hat sich unsere Persönlichkeit nicht um 180 Grad gedreht. Aber wir erlebten viele erste Male und haben unsere Grenzen und Komfortzone erweitert.

“Travel is more than the seeing of sights; it is a change that goes on, deep and permanent, in the ideas of living.” – Miriam Beard

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Das Reisen zeigte uns neue Lebensstile, schärfte unser Weltbild, lernte uns Dankbarkeit und verdeutlichte uns, dass wir am Ende niemandem ausser uns selbst Rechenschaft schuldig sind. Ob wir durch die Weltreise irgendwann in Absolutheit wissen werden, wer wir sind, was wir wollen, etc. bezweifeln wir. Reisen wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet. Jedoch zeigt es uns auf, was wir nicht wollen, was wir nicht sind. Und ein Stück weit auch, was uns wichtig ist und was uns zu dem macht, was wir sind.

Ist man alleine auf Reisen, ist die Beeinflussung von Aussen und die persönliche Entwicklung und Veränderung eventuell noch grösser. Dies können wir nicht beurteilen, denn wir reisen als Paar.

Als Paar auf Reisen

Wir können nicht verleugnen, dass wir auf Reisen wahrscheinlich mehr als Paar anstatt als zwei Einzelpersonen wahrgenommen werden; wir sind „the Swiss couple“.

Seit bald neun Jahren sind wir ein Paar. 2009 waren wir nach unserer Erstausbildung zusammen sieben Monate im Ausland. Wir reisten nach Neuseeland, erkundeten mit unserem Campervan „Erwin“ die Inseln und besuchten eine Sprachschule. Schon damals stellten wir uns die Frage, ob gemeinsames Reisen unsere Beziehung stärken oder zerstören würde. Diese Angst kann dir niemand nehmen. Und wir sagten uns, dass wir es zumindest versuchen müssen. Und so erkannten wir, dass wir ein tolles Reiseteam sind. Sonst hätte unsere damals junge Beziehung das wohl nicht überstanden.

Als Paar zu reisen bedeutet, fast 24/7 zusammen zu sein. Das birgt viele schöne aber auch riskante Faktoren für eine Beziehung. Es bindet, kann aber sehr abhängig voneinander machen. Du musst dem Partner in jeder Hinsicht vertrauen und Kompromissbereitschaft zeigen können.

Es dauerte einige Jahre, bis wir im Herbst 2013 beschlossen, wieder für länger zu reisen. Wir kündigten unsere Jobs, unsere Wohnung und verliessen die Schweiz im April 2014 ohne genauen Reiseplan. Wir können von Glück reden, dass wir beide so ähnlich ticken und wir uns beide für die Idee einer Welt- oder Langzeitreise begeistern konnten.

Die schönsten Erlebnisse miteinander teilen und anstrengende Hindernisse gemeinsam meistern zu können ist das schönste am gemeinsamen Reisen. Wichtig ist es, sich von Zeit zu Zeit klar zu machen, dass das Gegenüber nicht nur der Reisepartner, sondern auch Lebenspartner ist. Das geht beim vielen Organisieren, Erleben und Verarbeiten gerne vergessen. Wie im normalen Alltag ist es auch auf Reisen für eine gesunde Beziehung essentiell, sich für den anderen Zeit zu nehmen und diese bewusst miteinander zu verbringen.

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Die kleinen Dinge machen das Leben schön

Reisen bedeutet für viele die ultimative Freiheit. Aber du gibst viel dafür auf. Wenn wir gefragt werden, ob wir unser „altes“ Leben nicht vermissten, dann kommen uns sofort Kleinigkeiten in den Sinn. Wir vermissen es, uns jederzeit einen erstklassigen Schwarztee oder frischen Ingwertee machen zu können. Wir vermissen es, immer eine Dusche mit warmem Wasser und gutem Wasserdruck zu haben. Wir vermissen es, unsere Lieblingsmahlzeiten selber kochen zu können. Solche kleinen Dinge lernten wir sehr zu schätzen, wenn sie uns möglich gemacht wurden. Wir haben festgestellt, dass uns solche kleinen Dinge manchmal genügen, um uns Glücksgefühle zu bescheren.

“To my mind, the greatest reward and luxury of travel is to be able to experience everyday things as if for the first time, to be in a position in which almost nothing is so familiar it is taken for granted.” – Bill Bryson

Sich ab und zu eine Komfortzone schaffen

Die ganzen Apelle, die über Social Media verbreiten werden, sich aus der Komfortzone rauszubewegen, haben durchaus ihre Berechtigung. Aber auf Dauer kann es sehr anstrengend und ermüdend werden, wenn du dich dauernd auf neue unbekannte Situationen einstellen musst. Es ist nichts schlechtes dabei, dich ab und zu in der Komfortzone zu suhlen, auch wenn du dich am anderen Ende der Welt, an einem fremden interessanten Ort mit vielen ungewohnten Möglichkeiten befindest.

Und wie gesagt, wir haben gelernt, was uns wichtig ist. Und das wohlige Gefühl, dass uns etwas aus unserer Komfortzone zu verschaffen vermag, verdrängen wir nicht. Wir haben uns zum Beispiel in Chiang Mai für einen Monat eine Wohnung gemietet, ein Fitness-Abonnement gelöst und vieles wieder so gemacht, wie wir das zu Hause zu tun pflegten. Wir nahmen uns bewusst eine Auszeit vom Reisen und zelebrierten, was für uns zur Wohlfühlzone gehört. Nur das Kochen fehlte uns.

In diesem Nest konnten wir uns wieder etwas mehr um unseren Blog kümmern, uns aufeinander konzentrieren und die Eindrücke der bisher bereisten Länder verarbeiten.

Die Welt ist ein Buch

Und wie bei einem guten Buch, wirst du dich nicht an jede einzelne Seite erinnern, aber gewisse Kapitel bleiben fest in deinem Gedächtnis eingebrannt. Die Länder und Orte, die bei uns die grössten Eindrücke hinterliessen, waren Island und Neuseeland.

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Island ist für Naturliebhaber ein El Dorado. Um jede Ecke offenbart sich ein neues Naturwunder und die Aussichten wechseln auf jedem Meter, den du dich um die Insel bewegst. Die Natur ist so mächtig und präsent; die Menschen die dort leben, scheinen von der Insel lediglich als Bewohner geduldet zu werden.

In Neuseeland liessen wir ein Stück unserer Herzen zurück. Wie Island sollte Neuseeland von jedem Reisenden mal besucht werden. Die Vielseitigkeit des Landes auf relativ kleinem Raum ist überwältigend. Im Gegensatz zur Schweiz, die klein und eingekapselt ist und manchen ein beengendes Gefühl gibt, verspürst du in Neuseeland die Freiheit und den Eindruck, weit weg zu sein vom Rest der Welt. Darum werden wir im Herbst nochmals nach Neuseeland reisen.

“The world is a book and those who do not travel read only one page.” – St. Augustine

4 Antworten zu “Wir und unsere Weltreise – wie uns das Reisen beeinflusst”

  1. Dani sagt:

    Wow, dieser Artikel spricht mir, als Teil eines reisenden Paares, voll aus der Seele. Was ich im letzten Jahr gelernt habe, ist es darauf zu achten auch Zeiten getrennt von einander zu verbringen. Gerade reise ich alleine mit unserem VW Bus von Sydney nach Perth. Mein Partner ist geflogen und arbeitet dort. Diese Trennung auf Zeit tut uns unwahrscheinlich gut.
    LG aus Ararat, Victoria

  2. Flo sagt:

    Ich kann’s euch sehr gut nachfühlen! Auch ich habe mit meiner mitreisenden & -bloggenden Partnerin eine Langzeitreise erleben dürfen, während der wir fast 24/7 miteinander Zeit verbracht haben.

    Knapp 2 Monate nach unserer Rückkehr ist es nun umso schwerer, da wir nicht nur in unser „altes Leben“ zurückgekehrt sind, sondern momentan auch in zwei unterschiedlichen Bundesländern wohnen und daher nur eine Wochenendbeziehung führen. Eine weitere Langzeit- oder Weltreise käme mir da sehr gelegen, ehrlich gesagt.

    Gute Reise weiterhin & liebe Grüße aus Wien,
    Flo

  3. Stefanie Zeigen sagt:

    Wow.. meine 2 Brüder werden auch in Kürze auf eine Weltreise starten und berichten. Ggf. kann ich sie für 4 Wochen begleiten – mal schauen..
    Gute Reise und alles Gute!
    Steffi

  4. Aras Orhon sagt:

    hallo,

    interessant ist es immer, über den Rand des Tellers zu schauen. Zwischen den Resisen finden wir Zeit zu reflektieren, wo wir stehen, was wir erlebt haben, was das alles mit uns macht. Wir lesen gerne wie es anderen dabei geht, können und wollen natürlich unsere Gedanken dazu beitragen

    Gruss von http://wegsite.net/8125-2/

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